Home » Bücher, Gesellschaftliches, Headline

Wie klug Ihr Kind wird, hängt von der Größe Ihres Bücherschranks ab.

Roland Kopp-Wichmann 7 August 2011 10 Kommentare

Irgendwie hat man es schon immer geahnt: Nicht nur das Fernsehen kann klüger machen, wenn man Groucho Marx’ Devise folgt: „Fernsehen bildet. Immer, wenn der Fernseher an ist, gehe ich in ein anderes Zimmer und lese.“

Also: Lesen bildet.

Dass das nicht nur für einen selbst gilt, sondern auch für die eigenen Kinder, ist jetzt auch wissenschaftliche Gewissheit. In einer einer über 20 Jahre dauernden Studie fand die Soziologieprofessorin Mariah Evans einen signifikanten Zusammenhang:

Je mehr Bücher in einem Haushalt vorhandenen sind,
umso höher ist das Bildungsniveaus des darin lebenden Kindes.

Bis dato hielt man in der Forschung  vor allem das Bildungsniveau der Eltern für den größten Einflussfaktor auf die intellektuellen Aussichten des Kindes. Doch die umfangreiche Studie zeigte, dass auch ein im Vergleich niedriges Bildungsniveau der Eltern  durch die Anzahl einer großen Menge von Büchern (ca. 500) diesen “Nachteil” wettmachen kann.

Leider ist es jedoch ziemlich unwahrscheinlich, dass bildungsferne Eltern eine große Bibliothek zu Hause haben. Zwar in der Regel den neuesten Flachbildschirm und das aktuelle Handy-Modell – aber das spielt für die kindliche Bildung keine so große Rolle.

Am besten haben es Kinder, die gebildete Eltern und eine gut ausgestattete Bibliothek zu Hause haben. Das verschafft dem Sprössling einen glatten Vorteil von 3,2 Jahren an Schulbildung. Dieser  Durchschnittswert gilt für alle 27 untersuchten Länder.

Gemeinerweise soll dieser Bildungsvorsprung in China noch größer sein: 500 Bücher im elterlichen Schrank schenken dem chinesischen Kind einen Vorsprung von 6,6 Jahren, in den USA sollen es nur 2,4 Jahre sein. Also nicht nur als Weltwirtschaftsmacht auch im Bildungswettbewerb verliert Amerika an Boden.

Wie, Sie haben in Ihrer Wohnung keinen Platz für 500 Bücher?

Dann fangen Sie klein an. Laut der Professorin wirkt sich auf das Bildungsniveau des Kindes bereits der Besitz von nur 20 Büchern aus.
Und dafür findet sich ja  nun in jeder Wohnung genügend Platz. Zur Not kann man den Fernseher darauf stellen.

Frage: Wie viele Bücher hatten Ihre Eltern zu Hause im Wohnzimmer?


Bookmark and Share

Das könnte Sie auch interessieren:

  1. Rückenschule für Kinder
  2. Karl-Otto Kaiser:”Schulen können von Unternehmen lernen!”
  3. Dr. Sarah Schons:”Gekocht wird im Fernsehen!”
  4. Spanien gegen Deutschland: Das wird saftig!
  5. Wer wird denn soo lange duschen?

10 Kommentare »

  • Uwe Bernd Altrichter sagte:

    „… nicht nur die lesefaulheit, auch die schreibfaulheit nimmt leider ständig zu … es ist ein jammer anzusehen, ein regal ohne bücher, lediglich mit einem power-pc und spielekonsole bestückt, dazu cola und chips und ein hyperaktives kind, der das monstrum pc in allen einzelheiten beherrscht …“

  • beate sagte:

    Stimmt, mein Kleiner muss gleich auch noch zwei Kapitel aus seinem Buch vorlesen, Lust hat er nicht, aber er muss :) Lesen bildet ! Mit dem neuen Autorennspiel für die Konsole, habe ich eine große Konkurrenz, aber ich setzte mich durch. Erst lesen, dann spielen.

    Grüße Beate

  • Roland Kopp-Wichmann (author) sagte:

    @ Uwe Bernd und @beate
    Wenigstens zwei Aufrechte, die trotz Online-Aktivität für das Lesen kämpfen. ;-)

  • Barbara Boyle sagte:

    Es ist wohl schwierig, junge Leute zum Lesen zu kriegen, aber man sollte immer Vorbild sein. Ich versuche auch, Bücher zu finden, die für meine Jungs von Interesse sein könnten. Zum Beispiel fand ich eine Biographie über George Harrison für meinen “Beatle-verrückten” Sechzehnjährigen. Leider war das Buch schlecht geschrieben und flog in die Ecke. Ich habe jedoch die Flinte noch nicht ins Korn geworfen und bot ihm als Alternative Roddy Doyles “A Star Called Henry” an. Ich habe ihn allerdings gewarnt, dass da viel über Sex geschrieben drin steht…

  • Roland Kopp-Wichmann (author) sagte:

    Hallo Barbara,
    ein empfehlenswertes Buch für Ihren Sohn könnte auch dieses sein: “Beatles gegen Rolling Stones: Die großen Rock ‘n’ Roll-Rivalen” von Jim DeRogatis u.a.
    Liest sich gut und ist informativ.

    Und dann natürlich “A Hard Day’s Night – The Beatles. Die einzige autorisierte Biographie.” von Hunter Davies.

    Danke für Ihren Kommentar.

  • Sabine Schneider sagte:

    Also ich lese für mein Leben gern und Bücher haben mich schon immer fasziniert :)
    Nun habe ich 4 Kinder groß gezogen, habe ihnen vorgelesen, habe ihnen Bücher geschenkt, schenken lassen,zum Geburtstag, zu Weihnachten:))

    Der eine liest mehr, der andere weniger! Man muss es ihnen schon anbieten! In den höheren Schulen werden immer wieder Bücher als Hausaufgabe gelesen. Und doch ist eines sicher : ALLEN ist der PC WICHTIGER!!!

    Aber ich denke sie können nichts dafür, da sie damit aufwachsen. Es ist ein Generationenproblem! Ich saß mit 40 J das erste Mal vor einem PC. Es fasziniert mich schon. Mein Iphone liebe ich heiß und innig!

    Aber E-Books mag ich nicht! Ein Buch in der Hand zu halten, den Einband bewundern und in den Seiten zu blättern, ist durch nichts zu ersetzen! Genau wie ein handgeschriebener Liebesbrief :) ))

  • Susanne Asser sagte:

    Da kann ich mich wahrlich glücklich schätzen. Meine Kids saßen schon mit 2 und 3 Jahren stundenlang zu zweit aufm Sofa oder haben sich ne Kuschelecke gebaut und stapelweise in Büchern geschmökert.

    Mein Geldbeutel leidet jedes Mal wenn ich nur in Reichweite einer Thalia Buchhandlung komme :-/

    Neuerdings haben sie jedoch die Stadtbibliothek für sich entdeckt und so passiert es, dass Mami pro Woche (!) pro Kind ca. 10 Bücher ins Auto schleppen muss und sich nach 4 Tagen anhören darf:”Mama, hab alle Bücher fertig gelesen! Wann gehen wir wieder in die Stadt??”

    Ich bin begeistert, dass das so ist zumal ich auch eine geborene Leseratte bin. Vaters Tochter halt ;-)

  • Barbara Boyle sagte:

    Lieber Roland
    vielen Dank für die tollen Büchertips. Werde ich mir mal direkt anschauen ;-)

  • Beatrice Legien-Flandergan sagte:

    Ihr Artikel hat mich zum Nachdenken über das Lesen gebracht.

    Bei uns zu Hause gab es zwar Bücher, aber Lesen wurde nicht gerade vorgelebt oder aktiviert. In der Jugend las ich eher wenig, merkte aber schon in dieser Zeit, dass ich mich mehr für Bücher in Richtung Psychologie und zu Themen, die mir Erkenntnisse über Menschen gab, interessierte. Leider vertiefte ich das nicht, ging einen ganz anderen Berufsweg und las in vielen Jahre fast nur gezielt zu meinem Job und daher eher wenig Bücher.

    Erst als ich durch eine Ausbildungsschiene mehr zum Lesen bewegt wurde und entdeckte, was mich wirklich interessierte, fing ich an sehr intensiv alles zu verschlingen, was in Richtung Gesundheitsthemen, Psychologie und Persönlichkeitsentwicklung ging. Seit dem kann ich mir gar nicht mehr vorstellen, ohne Buch zu sein.

  • Jan sagte:

    Hallo,

    ich habe meine ganz eigene Meinung zum lesen:
    1. Lesen von Romanen/Krimis/… ist nicht viel besser als das schauen eines Films. Durch das Lesen wird noch die Kompetenz der Vorstellungsgabe geschult, oder auch nicht. Ich habe trotz zig gelesener Bücher in meiner Kindheit ein sehr unausgeprägtes bildliches und akustisches Vorstellungsvermögen.
    2. Was vor allem bildet ist ein gefördertes Interesse. Ein Bücherwurm ist nicht schlauer als jemand, der draußen Türme und Burgen baut, jedem Blatt den richtigen Baum zuordnen kann oder sein Fahrrad auseinander und zusammen bauen kann. Wenn jemandem etwas Spaß macht, dann lernt die Person super gerne. Leider wird in der Schule das Interesse “abgewürgt” und durch einen Zwang ersetzt. Wirklich erschüttert hat mich der Beitrag von beate. Das Kind wird gezwungen! In diesem Fall macht das Lesen keinen Spaß und das Kind wird mit dem Lesen eine negative Assoziation haben.

    ==> Kinder brauchen Möglichkeiten (z.B. Bücher, aber auch Internet, Materialien, Raum, Zeit, jemand der Fragen beantwortet) und Interesse an den Themen und dann lernen sie ganz von selber. Ich glaube gerne, dass es eine Korrelation zwischen Bücheranzahl und Bildungsniveau gibt, aber ich glaube eher, dass diese eine gemeinsame Ursache haben, nämlich das (vorgelebte) Interesse an vielen Themen.

    In der Studie wird übrigens nicht behauptet, dass die Klugheit vom Bücherschrank abhängt, sondern nur, dass es einen statistischen Zusammenhang gibt. Dies zweifele ich wie gesagt nicht an, nur ich glaube nicht, dass es ein direkter Kausalzusammenhang ist, wie hier bereits in der Überschrift suggeriert wird. Und der letzte Satz des Beitrags ist dann wirklich Quatsch. Ein Buch, auf dem ein Fernseher steht, steht nicht zur Verfügung. Damit kann man kein Interesse befriedigen.

Ihre Meinung!

Schreiben Sie Ihren Kommentar, oder setzen Sie einen Trackback von Ihrer eigenen Seite. Sie können auch hier das Kommentar RSS-Feed abonnieren.

Be nice. Keep it clean. Stay on topic. No spam.

Sie können diese Tags benutzen:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Dies ist ein Gravatar-aktivierter Blog. Um Ihren eigenen global verwendbaren Avatar anzulegen, registrieren Sie sich unter Gravatar.