Ist das Buch ein Auslaufmodell?
Er hat es vorgemacht: Eine kleine Revolution. Hat damit das Ende des gedruckten Buches begonnen? Die App „Our Choice“ ist eine Lese-und Lernerlebnis, interaktiv, 18 Kapitel mit unzähligen Slides, 250 eindrucksvolle Fotos, interaktive Karten und Infografiken, Videos (eine Stunde Dokumentarfilmmaterial) und Audiokommentare.
Die App – ein Meisterwerk
Der ehemalige US-Vizepräsident, Friedensnobelpreisträger und Klimaaktivist Al Gore hat vor einigen Monaten ein Meisterwerk veröffentlicht, eine eindringliche App über den Klimawandel, besser als jedes gedruckte Buch, viel besser. Das amerikanische Start-up Push Pop Press war angetreten, das Buch neu zu erfinden und hat die Al Gore App zusammen mit Melcher Media aufs iPad gebracht. (inzwischen wurde Push up Press von Facebook gekauft.)
Vorsicht! Die App macht süchtig. Ich hätte gerne mehr und bessere E-Books, interaktive Bücher, die über Videos Wissen transportieren, Animationen, die komplizierte Zusammenhänge verdeutlichen, Grafiken, die ich vergrößern kann. Ich möchte vom Autor in einem Audio angesprochen werden, Passagen oder Sätze einfach markieren, die ich sofort wiederfinde, lernen, lesen und dabei alle Möglichkeiten nutzen, die das iPad bietet.
Haben Bücher eine Zukunft?
Aber noch halten in Deutschland viele an dem gedruckten Buch fest. Während Amazon in Amerika bereits mehr Bücher in elektronischer Form verkauft und letztlich auch der E-Book Reader Kindle zu dem Erfolg beigetragen hat, ist man in Deutschland vorsichtig. Laut einer Umfrage des Börsenvereins des deutschen Buchhandels wollen 78 Prozent der Deutschen ihre Bücher nicht über den Bildschirm lesen. Und nur jedes dritte Buch, das in Deutschland neu erscheint, wird als E-Book publiziert. Auch die Preise machen ein E-Book kaum attraktiver: Eine gedruckte Ausgabe kostet in der Regel fast genau so viel wie ein elektronisches Buch. Amazon lockt inzwischen Autoren, ihr Buch ohne Verlag direkt im deutschen KindleStore anzubieten – und sie erhalten bis zu 70 Prozent des Umsatzes. Das ist sicherlich für viele attraktiv, die eine Nische für ihr Buch suchen, Autoren, die sich von Verlagen unabhängig machen. Der weitere Vorteil: Es geht schnell. Heute gschrieben, morgen veröffentlicht und zum Kauf angeboten.
Was sind Eure Meinung zu Büchern? Wie findet Ihr die Al Gore App? Hat das Buch noch eine Zukunft? Wie stehen Autoren zu Verlagen?
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Ich bewege mich gerade in Richtung E-Book. Ich habe mich ans Kindle gewöhnt, es ist immer mit einer riesigen Bibliothek dabei und nimmt kaum Platz weg. Lesezeichen und Notizen gibt es auch. Aber trotzdem werde ich auch immer mal wieder ein “richtiges” Buch holen…
Andererseits konnte ich mir vor 10 Jahren auch nicht vorstellen, dass ich keine gedruckten Zeitungen bzw. Zeitschriften mehr lesen würde
Ach ja: “Our Choice” setzt wirklich Maßstäbe, gefällt mir.
Ich liebe es, im Bett zu lesen, wenn das Licht schon ein wenig gedimmt ist. So ein Bildschirm schreit mich an in seiner Helligkeit.
Ich lese auf dem Klo (pfui!). Da mag ich kein Hitec, ist mir zu hektisch. Genau wie beim Frühstück. Bloß nicht dieses “A bout de souffle”, das der Technik innewohnt. Ich liebe das Gefühl, Papier glatt zu streichen und das Geräusch, das entsteht, wenn man die Seiten umblättert (Ich bin sicher, das wird uns die Industrie auch noch liefern). Die Erinnerung, wenn ich ein bereits gelesenes Buch noch einmal in die Hand nehme und den Schokoladen- oder Marmeladenfleck von damals wiederentdecke, ist einfach durch nichts nachzuahmen. Oder Anmerkungen, Kommentare, die damals entdstanden, wo werden sie bleiben – für immer ungeschrieben?
Auch empfand ich es immer als einen intimen Akt, ein geliehenes Buch zu lesen (auch wegen Anmerkungen und Kommentaren).
Sicher, wenn sie es will, wird die Industrie das Buch zum Auslaufmodell machen. Mit irgendeinem “vernünftigen” Grund wird sie es uns schon schmackhaft zu machen versuchen etwa nach dem Motto: Was wir nicht liefern, brauchen Sie nicht (Abgewandelt nach Dieter Moor).
Aber vielleicht, wenn wir alle ganz fest zusammenstehen, wird es uns gelingen, das Auslaufen des Buches zu verhindern, wahrscheinlich aber eher nicht.
Ich jedenfalls werde es vermissen.
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