Bitte authentisch sein!
Die Zeiten sind unsicher. Lug, Betrug, Korruption. Werte verlieren an Wert, der Glaube an Fairness und Gerechtigkeit schwindet. Die Schweinwelt fordert ihren Tribut: Superlative haben ausgedient, weil sie in sich zusammenbrechen. Und nun suchen wir das Echte, wollen hinter die Fassaden blicken: „Wir müssen authentisch sein!“, schallt es durch das Land.
Ab in die Ecke der Looser!
Viele hören den Ruf, aber wie viel Authentizität verträgt das Business? Wann geraten Unternehmer in die Ecke der „Looser“, wenn sie Fehler eingestehen? Was passiert, wenn man Misserfolge nicht mehr in Erfolge verdreht? Wie reagieren andere, wenn man um Hilfe und Unterstützung bittet?
Authentisch kommunizieren?
Machen wir uns nichts vor: Unternehmer haben gelernt, zu blenden, Manager schönen Bilanzen und Fehler werden vertuscht. Authentizität? In der Social Media Welt wimmelt es von Erfolgsmeldungen. „Habe gerade einen Bombenauftrag bekommen. Wir sind auf Platz 1 der Bestsellerliste. Mein Seminar ist ausgebucht. Habe jetzt über 2.000 Facebook Freunde etc. “ Triumpf, Applaus, Namedropping, Auszeichnungen – bei Twitter, Google+ oder XING übertrumpfen sich die Gewinner. Vermeintliche Sieger, die sich gegenseitig auf das Podest hieven und andere vom Treppchen stoßen. Zudem verkaufen unzählige Experten, massenweise Rezepte, wie man noch erfolgreicher wird. Und parallel dazu fordern Social Media Berater auf, authentisch zu kommunizieren, den echten Dialog zu suchen, Schwächen einzugestehen, aber wehe…
Die perfekte Fassadenwelt
Denn eigentlich perfektionieren wir die Fassadenwelt immer mehr. Aalglatte Politiker, die rhetorisch und medienwirksam darauf getrimmt sind, keine eigene Meinung preiszugeben, die im Mainstream untergehen, blass, profillos, ohne Ecken und Kanten, austauschbar. Oder geklonte Mädchen, die sich unterwerfen, brav und kusch sind und den „Schönheits-Top-Modell-Wahnsinn“ mitmachen. Ob gefälschte Bilanzen, Plagiate, um mit dem Doktortitel zu glänzen oder getarnte Misserfolge – Stoff aus Traumfabrik Erfolg, die manchmal entlarvt wird.
Auf der Suche nach Echtheit
So ist es verständlich, dass wir nach Echtheit suchen, nach Natürlichkeit, weg von der Inszenierung und gespielten Rollen, aber hoppla, so einfach ist das nicht mit der Authentizität. Wir sind dressiert. Von Kindesbeinen an lernen wir, dass wir für ein genormtes Verhalten, Liebe, Anerkennung und Lob erhalten. Unsere Festplatte ist auf Anpassung programmiert und wir lernen frühzeitig uns zu ducken, nicht aus der Reihe zu tanzen. Die gravierendsten Folgen der Erziehungsnormen sind Verlustängste und es wird früh entschieden, ob wir Mitläufer sind oder zu einer authentischen Persönlichkeit heranwachsen.
Diejenigen, die wirklich authentisch leben wollen, stehen vor der Aufgabe, mit eingeübten Vorgehensweisen zu brechen, frühere Denkmuster zu hinterfragen und ihre Überzeugungen zu überprüfen. Auf den Weg zur Selbstverwirklichung braucht man Mut. Wo sind also die Querdenker, die sich trauen, ihre Meinung zu vertreten?
Das könnte Sie auch interessieren:








@Beatrice
Danke, dass Du Dich mit einem Kommentar “öffentlich” zu dem Thema äußerst. Hatte erwartet, dass viele etwas dazu sagen bzw. schreiben, aber vielleicht ist das Thema doch zu heiß…
Teile Deine Anmerkung: Das Wichtigste ist, zu sich zu stehen und nicht immer danach zu schielen, was andere über mich denken. Und ja die eigenen Werte spielen eine große Rolle.
Nein, so leicht wollen wir es Euch nicht machen. Wozu hat uns die Natur die Kunst der Tarnung gegeben. Durch Mimikry sichern viele Tiere ihr Überleben und das Überleben ihrer Art.
Wie weit soll der Ruf nach Authentizität gehen? Sollen wir uns entblößen, angreifbar machen? Sollen wir uns unserer Chancen berauben?
Ist eine geschminkte Frau authentisch? Ein gekaufter Busen? Künstliche Hautbräune, durch Anabolika aufgepackte Muskelpakete usw. usw.
All dies und noch vieles mehr dient doch nur einem Zweck: uns der Erfüllung unserer Wünsche (auch der geheimen) näherzubringen. Das ist meiner Meinung nach durchaus legitim.
Etwas Anderes ist es allerdings, wenn wir durch Verletzung der Authentizitätsregeln (was für ein Wort!) andere betrügen, verletzen und ihnen schaden?
Durch Rückkehr zur Authentizität mache ich mich verletzlich. Das kann doch niemand von mir verlangen!
Und doch ist der Ruf nach Authentizität berechtigt. Man sollte sie allerdings nicht von den Anderen fordern. Bei sich selbst muss man anfangen. Die Forderung muss also lauten: Sei Dir selbst gegenüber authentisch! Belüge Dich nicht selbst! Und wenn das jeder machte (also doch die Anderen), dann kämen wir schon ein ganzes Stückchen weiter.
@Dietrich
Die Forderung, sich selbst gegenüber authentisch zu sein, ist der Anfang, aber manchmal belügen wir uns eben auch gerne
Sicherlich gibt es immer Situationen, in denen wir von anderen dafür angegriffen werden können, wenn wir offen zu uns stehen und dabei eine andere Meinung haben als sie. Dafür können wir aber durch wertschätzenden Austausch daraus auch viel voneinander lernen.
Ich habe schon viele Situationen erlebt, in denen andere nicht offen ihre Meinung gesagt haben und daraus nachher mehr Probleme entstanden sind, als wenn man sofort offen darüber geredet hätte. Denn die unausgesprochene Unzufriedenheit, die spürbar war, tat keinem gut.
Jede andere Sichtweise kann uns weiterbringen. Wenn wir uns versuchen zu tarnen oder anzupassen, um nicht verletzt zu werden, können wir uns auch nicht weiterentwickeln. Es ist nicht immer einfach und manchmal auch schmerzlich. Aber es ist wichtig, wenn man mit sich in Balance bleiben will.
Lug, Betrug, Korruption
mmmhhhh ok . jetzt sag mir bitte was sich geändert hat in den letzten 6,500 Jahren und wie, wo, wann!
Robert Harris
Ihre Meinung!
Kategorien
Blogroll
Business-Club
Partner Blogs
Meta
Schlagwörter
Meistkommentiert
Letzte Artiel