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Wie erarbeitet man sich am besten einen Burnout?

Roland Kopp-Wichmann 24 November 2011 4 Kommentare

Das Thema Burnout ist seit einiger Zeit in aller Munde. Es geht durch die Medien, seit einige Prominenten sich damit geoutet haben. Aber auch im Kollegenkreis oder im Privatleben trifft man immer häufiger auf diesen Begriff.

Oft wird dafür der Stress, der in den letzten Jahren gewachsene Druck, die Globalisierung usw. verantwortlich gemacht. Obwohl das sicher wichtige Einflussgrößen sind, hilft diese Perspektive nicht weiter. Einfach weil man daran meist nichts ändern kann.

Eine andere Betrachtungsweise ist zu schauen, was man selbst dazu beiträgt, dass man ausbrennt. Denn ein Burnout kommt nicht über Nacht. Den muss man sich hart erarbeiten.

Wie macht man das?

Aus meiner Erfahrung mit vielen Seminarteilnehmern geht das am besten so:

  • Übertriebener Perfektionismus.
    In manchen Bereichen sind hundertprozentige Ergebnisse notwendig. Bei einer Operation, wenn jemand ein Flugzeug steuert, wenn der Restaurantkritiker das Lokal betritt.
    Doch für die meisten Bereiche des Lebens reichen achtzigprozentige Lösungen völlig aus. Das wird zwar nirgends laut gesagt aber es ist trotzdem so. Selbst die Bundesregierung erlässt Gesetze, die öfters nachgebessert werden müssen. Nach der Paretoregel brauchen sie aber für eine achtzigprozentige Lösung nur zwanzig Prozent der Zeit. Lesen Sie hier mehr …

Übertriebener Perfektionismus hat meist mit dem Gefühl, noch etwas beweisen zu müssen zu tun.

Dass man klug ist, mithalten kann, Außerordentliches leisten kann, etwas wert ist etc. Letztlich hat es mit Unsicherheiten und unbewussten Ängsten zu tun.
Lesen Sie hier mehr…

Weitere Möglichkeiten, sich einen Burnout zu erarbeiten, sind:

  • Die Verleugnung von Grenzen.
    Wir leben in einer Zeit, wo Grenzen keinen guten Ruf haben. “Geht nicht, gibt’s nicht!” oder “Nichts ist unmöglich!” sind Slogans, die wir oft hören und bei manchen Menschen zur inneren Richtschnur geworden sind.
  • Ein mechanistisches Bild von sich selbst.
    Die Stärke von Vielarbeitern ist, dass sie jahrelang klaglos funktionieren. Wie eine Maschine. Wenn Maschinen Ausfälle zeigen oder kaputt gehen, werden sie repariert. Und die moderne Medizin kann ja tatsächlich heute vieles “reparieren”.
  • Probleme im Privatleben.
    Beruf und Privatleben beeinflussen sich gegenseitig. Zuviel Arbeit und dadurch Zeitmangel wirken sich als fehlende Zeit für die Partnerschaft und die Familie aus. Umgekehrt kann ein glückliches Privatleben der Anlass sein, seine Werte bezüglich Leistungsbereitschaft und Überstunden zu überdenken.
  • Geringes Selbstwertgefühl.
    Menschen, die aufgrund vieler Beziehungserfahrungen in ihrem Leben innerlich überzeugt sind, dass sie wertvoll und liebenswert sind, können sich gegen zu belastende Arbeitsbedingungen rechtzeitig wehren.
  • Der Glaube, dass man Leben nachholen könne.
    Das Leben findet immer nur in der Gegenwart statt.

Den vollständigen Artikel dazu können Sie hier lesen …

Bild: mattlog – photocase.com

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4 Kommentare »

  • VolkerK sagte:

    Leider ist alles anders.
    Burnout in der Form, in der es derzeit durch die Medien geistert, ist ein Feigenblatt für die Diagnose “Depression”. Und depressiv ist man oder nicht, jeder von uns hat es in sich, der eine mehr, die andere weniger. Was uns unterscheidet sind die Umstände und die Trigger, die es zu einer Patholgie machen.
    Es sind nicht die 80 Stunden arbeitenden Menschen, die an Burnout erkranken, sondern die Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeiter, die Arzthelferinnen und Krankenpfleger, die hinreichend depressiv veranlagt sind, um von ihrer Umwelt in eine Depression geschubst zu werden.
    Der Unterschied zu einer korrekten Diagnose ist das Ansehen: “Depression” reisst die Patienten noch mehr runter, “Burnout” suggeriert, dass sie prinzipiell gesund sind, nur halt überarbeitet.
    Leider führt das zu zwei Problemkreisen:
    a) was machen die Menschen, die keine Arbeit haben, weil sie schon länger depressiv sind?
    b) die typische Therapien bei Burnout und Depression sind 180° gegenläufig.
    Sehr gut und differenziert ist das im SPIEGEL beschrieben.
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,799954,00.html

  • Roland Kopp-Wichmann (author) sagte:

    Hallo Herr König,
    ich stimme Ihnen in dem Punkt zu, dass Burnout die elegantere Diagnose für eine Erschöpfungsdepression ist. In meiner psychotherapeutischen Praxis mache ich auch keinen Unterschied.

    Doch will ich daraus keine moralische Bewertung machen. Wenn es jemand leichter fällt, sich mit einem Burnout Hilfe zu holen, ist mir das lieber als wenn er sich noch länger mit der stigmatisieren Diagnose “Depression” nicht zum Arzt oder Therapeuten traut.

    In meinen Seminaren, Coachings und Therapien sehe ich beide Gruppen. Diejenigen, die 80 Stunden arbeiten und sich wundern, dass sie das nicht jahrzehntelang durchhalten. Und jene, die “nur” 40 oder 50 Wochenstunden haben, wenig Anerkennung, wenig Einflussmöglichkeiten. So trennscharf sind da die Risikogruppen nach meiner Erfahrung überhaupt nicht.

    Da es sich in beiden Fällen um eine Depression handelt, ist auch die Therapie aus meiner Sicht nicht gegenläufig. Sie kann medikamentös und/oder mit Psychotherapie erfolgen. Die Kombination verspricht am meisten Erfolg.

    Mein Blogbeitrag ging jedoch genau gegen diese Sichtweise, dass “man von der Umwelt in eine Depression geschubst wird”.

    PS: Ihr Link zu SPIEGEL online stimmt nicht. Hier ist der richtige: http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,799348,00.html

  • VolkerK sagte:

    Hallo Herr Kopp-Wichmann,

    ich gebe Ihnen Recht, dass “Burnout” für viele Menschen eine akzeptablere Diagnose ist, als Depression. Ich selber hab in den paar Jahren, in denen ich bislang therapieren durfte, rund der Hälfte meiner Patienten nicht “Psychotherapie”, sondern “Coaching” auf die Rechnung geschrieben. Die Ursachen, aus denen man mich um Hilfe bat, und Methoden, die ich anwende, sind halt identisch.
    Das ganze ist bezogen auf die Depression auch ok, solange die Depression als solche behandelt wird. Burnout bezieht sich den Symptomen nach auf die schwereren Depressionen, in denen die Antriebsschwäche als sichtbares Symptom in den Vordergrund tritt. Sie kann schnell als Erschöpfung fehlgedeutet werden.
    Die Therapien sind aber – wie im SPIEGEL sehr gut beschrieben – eben absolut gegenläufig. Lassen Sie einen depressiven Patienten mit Antriebsschwäche ausschlafen oder schicken sie ihn in den Urlaub – der Antrieb wird im besten Fall gleich schlecht bleiben – oder möglicherweise noch weiter zurück gehen.
    Selbst, wenn Sie durch eine Burnout-Therapie die Antriebsschwäche umkehren können, bleibt das Problem, dass der Patient eben depressiv ist.
    Und das Phänomen ist aus dem Umgang mit trizyklischen Antidepressiva nur zu bekannt: Bei vielen Patienten ist die Antriebsschwäche genau das Symptom, das den (ebenfalls bei Depression symptomatischen) Suizid verhindert.
    Wie gesagt: Als Label für depressive Patienten, bei denen allein der Begriff “Depression” schädlich wäre, ist “Burnout” akzeptabel.
    Behandelt werden muss die Depression aber wie eine Depression, alles andere ist im besten Fall unwirksam, im schlimmsten Fall kontraproduktiv.

  • VolkerK sagte:

    Und noch ein warnender Beitrag zum Thema:
    http://idw-online.de/de/news448928

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