Prof. Faltin: „Jeder Idiot kann es kompliziert machen!“
Das ALDI Geschäftsmodell ist eine Erfolgsstory. Einfach gestrickt, kein Marketing, kein Patent und erst nach 45 Jahre zieht Lidl als Wettbewerber nach. Das Prinzip Einfachheit hat sich als lukratives Geschäft erwiesen: Das Vermögen des ALDI-Gründers Karl Albrecht schätzt “Forbes” auf 25,5 Milliarden Dollar und damit zählt er zu den reichsten Männern der Welt.
Ein Geschäftsmodell muss simple sein, denn „jeder Idiot kann es kompliziert machen!“ Während Unternehmer die Last der Komplexität beklagen, zerlegte Günter Faltin, Professor für Entrepreneurship an der Freien Universität in Berlin und Initiator der Teekampagne auf dem 3M Innovation Summit den Mythos. „Komplexität ist der Feind jedes Unternehmens“, betonte er.
Geschäftsmodelle neu denken
Firmenpleiten, Misserfolge, Flops. Viele Unternehmer haben zwar eine gute Business-Idee, gehen aber im Alltagsgeschäft unter, drehen sich im Hamsterrad, laden sich zu viel auf. Nur 20 Prozent der Firmengründungen überleben die ersten fünf Jahre und nur wenige sind langfristig erfolgreich. Oft fehlt die kaufmännische Kompetenz, fehlen Business Administration-Kenntnisse. Bilanzen, Steuern, Buchhaltung, Controlling, Vertragsrecht – unter der Wucht der komplexen Aufgaben bricht so manches Unternehmen zusammen und scheitert. Anders machen. Neu denken. Dafür steht Günter Faltin. Seine Kernaussagen:
• Unternehmer gehören ins Museum. Entrepreneurs gehört die Zukunft
• IHK-Businesspläne sind Altlasten aus dem letzten Jahrhundert
• Ein Unternehmer muss nicht im, sondern am Unternehmen arbeiten
• Entrepreneurs brauchen keine BWL-Kenntnisse
• Büros sind überflüssig
• Es mangelt nicht an innovativen Ideen, sondern an der Umsetzung der Ideen
• Entrepreneurs haben keine Zeit für die Business-Verwaltung
• Existenzgründer-Kurse sind überflüssig
• Entrepeneurs brauchen kein Gründungskapital
Entrepreneurs sind Künstler
Was nun? Was tun? Wer sein Buch „Kopf schlägt Kapital gelesen“ hat, weiß, dass Günter Faltin Geschäftsmodelle auf den Kopf stellt. Er versteht Entrepreneurship als einen kreativen Akt. Entrepreneurs sind für ihn Künstler, die gesellschaftliche Bedürfnisse erkennen, die Zukunft voraussehen, nachhaltig denken, die Wünsche der Kunden erfassen und Ideen entwickeln.
Günter Faltin plädiert dafür, dass Gründer Aufgaben delegieren, das Tagesgeschäft abgeben, virtuell arbeiten, die Verwaltung auslagern und in professionelle Hände geben.
Auch wenn viele Gründer die Kosten scheuen, hält Faltin entgegen: „Professionalität ist Ihnen zu teuer? Versuchen Sie es doch mal mit Unprofessionalität!”
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