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Was ist eigentlich Business Creativity?

Jens-Uwe Meyer 25 April 2012 4 Kommentare

 

Eine schöne Einstiegsfrage zum Beginn der Vorlesung an der HHL, der Handelshochschule Leipzig, wo ich seit knapp vier Jahren angehende Manager im MBA Studium in unternehmerischer Kreativität unterrichte. Zwanzig Augenpaare schauen mich ratlos an. Kreativität? Für Manager? Hmm… Hätte ich gefragt, was ist ein Ablaufprozess? Oder: Was eigentlich sind Businessanalysen? Die Antworten wären wahrscheinlich einfacher gewesen.

 

Wozu brauchen Manager Kreativität?

Die Antwort ist relativ einfach: Genau dann, wenn Prozesse und Analysen nicht mehr weiter helfen. Heute erfahren die Studenten, die aus insgesamt sechs Ländern stammen, vieles darüber, wie Unternehmen kreativ werden können. Und warum das überhaupt notwendig ist. Sie erfahren, warum normale Organisationen eher dazu errichtet worden sind, das operative Geschäft zu fördern, nicht aber für Kreativität entwickelt wurden. Warum die strikte Trennung von Abteilungen und Bereichen die Kreativität eines Unternehmens erdrücken kann. Und wie man besonders kreative Mitarbeiter als Führungskraft managen kann.

 

Kreativität hält Einzug in Vorstandsebenen

Kreativität und Management scheint zunächst einmal ein Widerspruch. Kann man Kreativität verwalten? Lässt sich Fantasie planen? Was mir auffällt: In den letzten vier Jahren ist die Offenheit gegenüber diesem Thema gestiegen. Die erste Klasse angehender Manager hat mich wahrscheinlich für einen Spinner gehalten. Inzwischen aber sind Unternehmen offener geworden für Ansätze jenseits des „normalen Managements“. Und auch meine Studenten sind bereit, sich tiefer auf das Thema einzulassen. Ich erinnere mich daran, dass sie in den ersten Semestern vor allem viel Praxis und wenig Theorie hören wollten. Heute erschrecken sie nicht, wenn ich ihnen sage, dass es alleine inzwischen zehn verschiedene Kategorien von Kreativitätstheorien gibt. Das ist sicherlich eine der spannendsten Entwicklungen der letzten Jahre. Als ich die Ideeologen vor sechs Jahren gegründet habe, wussten auch die meisten Manager nicht, was sie „mit einem Kreativitätsberater anfangen“ sollten. Das hat sich geändert. Inzwischen agieren wir mit unserer Firma zu sechzig bis siebzig Prozent auf der Ebene des Vorstandes und der Geschäftsführung. Ich glaube, dass sich Unternehmen und die Art, Unternehmen zu managen, in den nächsten Jahren radikal ändern werden.

 

Interaktion bei einem Workshop mit Managern und Vorstandsmitgliedern
Interaktion bei einem Workshop mit Managern und Vorstandsmitgliedern

 

Und Ihre Erfahrungen?

Welche Erfahrungen haben Sie denn in den letzten Jahren mit dem Einfluss von kreativerem Denken und Handeln auf das Planen und Entscheiden in Führungsetagen gemacht? Geben Abteilungsleiter und Manager ihren Angestellten mehr und mehr kreative Spielräume oder ist das strukturierte, gewohnte Abarbeiten des Aufgabenstapels nach Plan immer noch an der Tagesordnung?

 


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4 Kommentare »

  • Wolff Horbach sagte:

    Ich treffe Kreativität im Business nur selten an. Es wird zwar des öfteren gesagt: “Lasst uns mal ein Brainstorming machen”. Aber was ich dabei bisher erlebt habe, war meistens katastrophal: Kaum kennt jemand die Regeln. Sofort wird bewertet und damit jede Kreativität im Keim erstickt.

    Ich bin immer wieder überrascht, wie wenig selbst die einfachsten Kreativitätsmethoden bekannt sind. Von Anwendung ganz zu schweigen. Das müsste doch Handwerkszeug von jedem Studenten sein.

  • Jens-Uwe Meyer (author) sagte:

    Lieber Herr Horbach,

    ich danke Ihnen für Ihre Erfahrungen.

    In der Tat ist Brainstorming zur Ideengenerierung denkbar schlecht geeignet und mehr ein Heilsversprechen als eine Kreativmethode. Dabei wäre zum Entwickeln wirklich neuer Lösungen ein ganz anderer Ansatz nötig: Nämlich ein systematisches Betrachten des Problems von ganz unterschiedlichen Seiten; des Weiteren eine systematische Arbeitsweise, die aus den Ideen auch brauchbare Lösungen generiert.

    Ja, in vielen Köpfen herrscht auch noch die Meinung vor, dass nur wirklich Kreative auch gute Ideen hervorbringen können. Studien und Forschung zeigen aber, dass jeder Mensch die Voraussetzungen für Kreativität in sich trägt und dass diese weitgehend das Resultat eines bestimmten Verhaltens ist. Wirklich kreative Menschen können Wissen aus unterschiedlichen Bereichen so verknüpfen, dass neuen Lösungen entstehen. Die vielen unterschiedlichen Kreativtechniken, und dabei nicht gerade das allseits bekannte Brainstorming, helfen uns dabei, Gedanken zu strukturieren und diese so zu kombinieren, dass Neues entsteht.

    Übrigens wird es morgen um den „Flow“ gehen…

    Viele Grüße
    Ihr Jens-Uwe Meyer

  • Dennis Forte sagte:

    Ich bin Student und machte ein Pflichtpraktikum in einer Frankfurter Marketinagentur. Ging es um Ideengenerierung, traf sich das Team zum Brainstorming. So ein Brainstorming ist ja ganz nett, aber es entsteht kein “Flow”, weil die Gedanken des einzelnen nicht reifen können – meiner Meinung nach.
    Ich habe mich dann oft dabei erwischt, dass ich abends nach der Arbeit im Sessel gedankenversunken das Brainstorming nochmal für mich alleine durchgehe. Ab diesem Zeitpunkt sprudelten die Ideen…
    Bei den Kollegen macht man sich allerdings mitunter weniger beliebt, wenn der Praktikant in seinem Feierabend Ideen entwickelt, beim Chef schon ;-)
    Für mich hoffe ich, dass ich solche “Ruhepausen” in meinem späteren Berufsleben mit in meine Arbeit einbauen kann.

  • Jens-Uwe Meyer (author) sagte:

    Ja, es wäre schön, wenn mehr Arbeitgeber ihren Angestellten diese “kreativen” Freiräume geben würden und sie nicht streng nach Stechuhr und Effizienz bewertet werden würden. Die Ergebnisse kreativer Phasen kommen meist erst später zum Tragen, wirken dann aber nachhaltiger.

    Es bedarf eben manchmal auch ungewöhnlicher Orte, Inputs, Rahmenbedingungen, um den starren Abarbeitungs-Blick gezielt woanders hin zu lenken. Bei uns im Büro steht zum Beispiel ein Strandkorb, in den sich meine Mitarbeiter und ich selbst auch gern mal zum “Sinn wandeln” niederlassen.

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