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Woran Sie erkennen, dass Ideen niemals umgesetzt werden

Jens-Uwe Meyer 27 April 2012 3 Kommentare

 

Ein Unternehmen meldet sich bei uns. „Wir sind auf der Suche nach neuen Ideen, wirklich radikalen, die bereits im kommenden Jahr auf den Markt gebracht werden müssen.“

 

Nach der Euphorie kommt die Enttäuschung

 

Schon das erste Gespräch offenbart: Das Unternehmen hat vollkommen unrealistische Vorstellungen. Radikale Innovationen ja, aber nur solange sie 100%ig zur Strategie passen, mit den bestehenden Prozessen zu bewältigen sind, das Tagesgeschäft nicht stören, nichts extra kosten, vollkommen außergewöhnlich und neu und gleichzeitig 100%ig bewährt sind. Als wir angefangen haben, gemeinsam mit Unternehmen Ideen zu entwickeln, haben wir uns häufig noch täuschen lassen. Meine Kollegen und ich haben gedacht, das Unternehmen meine es wirklich ernst, hier soll wirklich großartiges Neues bewegt werden und hier sind Revolutionäre angetreten, die Welt zu verändern. Nach mehr als 100 Projekten, bei denen die Ideen ungefähr zur Hälfte nicht umgesetzt und zur anderen Hälfte umgesetzt wurden, haben wir eine interne Liste der beliebtesten Ausreden erstellt, warum Ideen nicht umgesetzt wurden.

 

Nicht um Ausreden verlegen

 

1. „Wir haben angefangen, an den Ideen zu arbeiten, aber dann hat uns das Tagesgeschäft eingeholt. Es kamen zwei große Projekte dazwischen, das hat kaum noch Luft gelassen.“ Was gemeint ist: Es war viel einfacher, sich in die risikolose Abarbeitung bestehender und bewährter Projekte zu stürzen, als etwas Neues zu versuchen.

 

2. „Wir befinden uns gerade in einer Phase der Umstrukturierung, müssen uns jetzt erst einmal sammeln und werden dann im Rahmen der im nächsten Jahr neu aufzusetzenden Strategie die Ideen evaluieren.“ Übersetzt heißt das: Es hat sich bisher niemand gefunden, für den es auch nur ansatzweise reizvoll erschien, irgendeine Entscheidung zu treffen. Weil Ideen aber unweigerlich mit mutigen Entscheidungen verbunden sind, spielt das Unternehmen kreatives Verantwortungs-Pingpong. Die Ideen werden solange von Abteilung zu Abteilung gespielt, bis sie irgendwo liegen bleiben und vergessen werden können.

 

3. „Da war nichts wirklich Neues dabei. Das tun wir eigentlich alle schon.“ Da könnte man als Ideenentwickler entsetzt zusammenzucken und denken: „Wir haben versagt!“ Was das Unternehmen damit aber meint:„Wir haben solange nach Ausreden gesucht, bis uns gar nichts Besseres mehr einfiel, als das.“ So wird beispielsweise ein neues Internetgeschäftsmodell mit der Begründung abgelehnt, dass es ja schließlich schon eine Homepage gäbe. Ein neues Vertriebskonzept wird nicht weiter verfolgt, weil vor fünf Jahren in Indien bereits einmal ein Verkäufer in einem entfernten Dorf etwas Ähnliches probiert hat. Oder war es Brasilien? Auf jeden Fall genug, um die Idee abblitzen zu lassen.

 

Ideenphobie – Die Angst vor der eigenen Weiterentwicklung

 

Schaut man sich die Liste der beliebtesten Ausreden an, fällt Eines auf: Ideenphobie. Unternehmen suchen häufig nach neuen Ideen. Sehen sie sie dann vor sich, verlässt sie schlagartig der Mut, weil ihnen deutlich wird, dass es Risiko bedeutet, die Ideen umzusetzen, Entscheidungen getroffen werden müssen und Neuland betreten werden muss.

 

Im Gegensatz dazu konzentrieren sich die Unternehmen, die Ideen erfolgreich umgesetzt haben, voll darauf, das Neue zu entdecken. Sie bilden kleine entschlossene Teams, die – häufig mit unserer Unterstützung – Prototypen entwickeln, sie im Markt testen, schnelle Kunden-Feedbacks sammeln, Dinge erneut ausprobieren, wenn sie scheitern und die am Ende einfach nicht aufgeben.

 

Vielleicht dann mal im nächsten Jahr?

 

Ich muss diesen Blog jetzt leider beenden. Eigentlich wollte ich mit Ihnen noch ein paar Ideen gemeinsam weiter entwickeln, aber wir haben in unserer Firma gerade große Umstrukturierungen, die eine Konzentration aufs Tagesgeschäft erfordern. Den Gedanken, mit Ihnen gemeinsam Ideen zu entwickeln, werden wir aber im nächsten Jahr in einem Arbeitskreis weiter diskutieren und dann sehr intensiv daran arbeiten…


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3 Kommentare »

  • innokaan sagte:

    Jaja, Herr Meyer, das ist aus dem (Geschäfts)Leben gegriffen!

  • Jens-Uwe Meyer (author) sagte:

    Ich vermute, dass Sie damit auch schon reichlich Erfahrungen gesammelt haben. Es ist immer wieder erstaunlich, wie euphorisch anfangs die Augen glänzen und was am Ende in der Realität übrig bleibt. Aber es gibt ja auch genügend positive Beispiele, die beweisen, dass sich der Einsatz lohnt und auch Resultate bringt.

  • Bernd Slaghuis sagte:

    Herr Meyer, eine wirklich sehr treffende Beschreibung, die ich auch unterschreiben kann. Ich vermute, das ernüchternde Ergebnis Ihres Rückblicks auf 100 Projekte liegt daran, dass diejenigen, die nach neuen Ideen rufen, oft nicht diejenigen sind, die bei der Umsetzung “betroffen” sind, aber zwingend benötigt werden. Besonders schwierig wird es, wenn die Umsetzungsentscheidungen getroffen werden, ohne die “Macher” ins Boot zu holen – was auch allzu häufig geschieht.

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