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Buchtipp: Road Trip to Innovation

Erich_Feldmeier 17 August 2012 2 Kommentare

Ein Beitrag von Erich Feldmeier

Vorab sei gesagt: Das englische Buch “Road Trip to Innovation” enthält eine wahre Fülle an innovativen Ideen, Personen und Organisationen. Eine einjährige Fleißarbeit rund um den Globus, die sich gelohnt hat.

Keine Bleiwüste
Das Buch ist dankenswerterweise kreativ illustriert, keine Bleiwüste. Maßgeblich promotet und gesponsort wurde das Buch von TrendOne in Hamburg, die gerade die ‘Innovation Alliance’ gründen. Nils Müller, Gründer und Geschäftsführer von TrendOne  hält es für erforderlich, Innovationsmanagement im weitesten Sinn als eigene Universal-Dienstleistung für alle Branchen zu etablieren, ähnlich wie heute die IT.

Der Trend sollte zu einer Art Standardisierung von Verfahren gehen – der Blick in die Glaskugel hat ein Ende.  Zunächst beschreibt sich die Trendforscherin Delia Dumitrescu als ein aus einfachen Verhältnissen stammendes Mauerblümchen aus Rumänien, was sie und die Art das Thema zu präsentieren sympathisch und ungezwungen macht.

„I am a trend researcher.“ „Excuse me? Can you repeat that?!?!?!?“

Damit ist eigentlich schon viel gesagt über eine Branche, die nirgendwo in Design, Werbeagenturen und der pauschalen Kommunikationsecke angesiedelt ist.

Substanz des Buches
Der Stil des Buches ist durchaus gewöhnungsbedürftig für eher naturwissenschaftlich-technisch orientierte Menschen. Manchem mag die Aufmachung zu sehr an eine Puppenstube oder an ein Lehrlings-Protokoll erinnern. Dies sollte jemand nicht abhalten,  sich mit der Substanz des Buches auseinanderzusetzen. Mir persönlich haben jedoch zwei recht essentielle Ansätze zur Innovation gefehlt.

1. Die Mauerblümchen-Charaktere als Haupt-Innovationstreiber kommen im Buch überhaupt nicht vor. Man merkt dem Buch an, dass es aus der Design-Ecke kommt.

2. Die naturwissenschaftlich-technische Ecke jenseits vom Web  fehlt fast völlig. Dabei gäbe es so viele Beispiele der Innovations-Geschichte, zum Beispiel Anton van Leeuwenhook, Ignaz Philipp SemmelweisHarald  Zur Hausen, Carl  Benz oder  Konrad  Zuse,  die eine wahre historisch lehrreiche Fundgrube der Innovations-Mechanismen darstellen.

Aus der Fülle an Beispielen möchte ich (subjektiv) nur einige für diese Rezension auswählen.

Mutige Innovatoren
Eine richtig witzige und außergewöhnliche Sichtweise setzt Bing Gordon, indem er beschreibt warum 78-jährige die besten und mutigsten Innovatoren sind. Sie müssen keine Schulden mehr abbezahlen und sind nicht mehr in Hahnenkämpfen verstrickt ‘leichtes Geld’ verdienen müssen.

Martin Kruse vom Copenhagen Institute Futures Studies (CIFS) hat dagegen den Faktor Mensch im Fokus. Dies erläutert er mit einem nachprüfbaren(!) Beispiel aus dem Jahre 2007, in dem er von einer Runde mit hochrangigen Finanzfachleuten erzählt.Niemand wollte sich damals gegen die Mainstream-Thesen des brummenden Geschäfts stellen, stattdessen stützten sich alle auf Daten-Grundlagen der IST-Situation.

„We can’t focus on what is most likely to happen… Doing so will always get you to the mainstream.”

Highlight
Das ist ein absolutes Highlight im Buch, denn wirklich niemand hat die Finanzkrise mit ihren weltweiten katastrophalen Auswirkungen vorhergesehen. Dass wir wirklich neue evolutionsbiologische Ansätze brauchen, stellte vor kurzem Susanne Donner in der ZEIT dar.

Michael Herbst von Unity kritisiert die bisherigen Glaskugel- und Mainstream-Ansätze ebenfalls mit harten Argumenten. Menschen schlössen die Augen vor ‘unangenehmen Entwicklungen, die schmerzhaft sein könnten’.

„The environment changes continuosly“. Und wir neigen natürlich dazu unser Verhalten nicht zu ändern weil es in der Vergangenheit erfolgreich war. Machiavelli & Bob Dylan lassen grüßen.

Fresh eyes
Und weiter: Die richtigen Fragen zu stellen reicht nicht aus, ebensowenig wie Menschen zu beobachten, weil diese eine ‘natürliche Tendenz hätten, Informationen auszufiltern’, so dass es notwendig sei, jemand Externen auf die Dinge schauen zu lassen. Dies schreit förmlich nach einer professionellen, externen Instanz, die mit ‘fresh eyes’ auf die Dinge sieht.

Future Thinking ist die Geschichte einer neugierigen Persönlichkeit, die sich auf einen Road Trip begibt, um herauszufinden, was Innovation wirklich bedeutet. Hier dazu das Video:

Um nochmal auf den zentralen Ansatz des Universal-Dienstleisters zurückzukommen.

Alter Wein in neue Schläuche?
Der professionelle Universal-Dienstleister sollte etwas anderes machen als nur ‘alten Wein in neue Schläuche zu füllen’, wie Kerstin Cuhls vom Fraunhofer Institut beschreibt, eine Art Consulting-Ansatz, wie er recht verbreitet scheint.

Demgegenüber stellt sie wohltuend die wissenschaftliche Arbeitsweise
„Wissenschaftliche Ansätze verbessern die Methoden kontinuierlich“ und Jasper Großkurth (Futures in Africa) ergänzt:„Für Regierungen ist Differenzierung als Selbstzweck nicht notwendig. Firmen, die ein gutes Produkt haben aber sich nicht abheben, überleben nicht lange“.  Eine bedenkenswerte Aussage. Insgesamt ein höchst empfehlenswertes Buch für alle, die sich mit ‘disruptive innovation’ beschäftigen möchten.

 


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2 Kommentare »

  • Dr. Martin Bartonitz sagte:

    Lieber Erich,

    vielen Dank für diese Rezension.

    Spontan schlug bei mir Protest an, als ich las “Der Trend sollte zu einer Art Standardisierung von Verfahren gehen”.

    Das wäre der Tod jedweder Innovation. Standards mögen in bestimmten Dingen hilfreich sein, aber in der Regel sorgen sie für Monokulturen zum Vorteil einiger Weniger, ihren Status möglichst lange aufrecht zu erhalten.

    Innovation ist doch genau dort passiert, wo nicht nach Stanard geschaut wurde, sonder vollständig neue Gedankenwege beschritten wurden. Es sollte daher eine Fülle an Methoden und Denkwerkzeugen geben. Je mehr desto besser, nur nicht einengen.

    Was man Innovatoren auch häufig nachsagt: sie seien naiv. Warum wird das so eingeschätzt? Weil sie eben Neues denken und sich vorstellen können, was anderen so weit weg ist, dass es ihnen unmöglich ist, das als machbar zu betrachten.

    Liebe Grüße
    Martin

  • Erich Feldmeier sagte:

    Lieber Martin,

    ich glaube, das sind wir uns schon einig ;-)
    ed.iiQii.de/gallery/Querdenkerinnen/AH_AllysonHoffmann_de

    Vielleicht ist auch nur meine Formulierung etwas unglücklich; in dem Buch wird in Form von Interviews genau diese Fülle an Innovations-Methoden zusammengestellt.
    Wie die IT kann und sollte die Innovations-Branche als spezialiserter Dienstleister wirken können statt belächelt zu werden und damit aus ihrem Nischen- und Mauerblümchen-Dasein raus kommen.

    Innovative Grüße,
    Erich

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