Der 3. Punkt meiner gestrigen Liste der Voraussetzungen für erfolgreiche Innovationen war Kümmerer und Vorbilder mit der Unterzeile Innovation ist Chefsache.
Gemeint ist damit: Wer von seinen Mitarbeitern Ideen, innovatives Denken und Handeln fordert, muss es selbst vorleben, vormachen und ernst meinen. Erkennt eine Führungskraft den Wert von Ideen und Innovationen nicht, werden sich auch nur selten die Mitarbeiter für dieses Thema ins Zeug legen.
Es ist die Aufgabe der Führungskraft, die Notwendigkeit des Themas und den Nutzen aller Denk- und Tüftelanstrengung deutlich zu machen.
Eine Führungskraft muss Raum schaffen für innovatives Denken, eine optimale Mischung aus Entspannung und Konzentration und Sicherheit und Stimulation. Und der Prozess braucht Zeit. Diese Zeit entsteht nicht nebenbei, dann, wenn alle richtig wichtigen und ernsten Themen erledigt sind. Diese Zeit muss bewußt zur Verfügung gestellt werden. Zum Beispiel in Form von festen Stunden oder Tagen, vielleicht als besonderer Freitag wie bei 3M (die mit den Post Its), an dem jeder tüfteln, erfinden und denken kann, was er will. Oder Zeit und Inspiration in Form von Gruppenerlebnissen außerhalb der Arbeitszeit, im Kino, im Theater, in der Natur, beim Sport.
Damit hat z.B. Helmut Schreiner, Gründer und Geschäftsführer der Schreiner Group gute Erfahrungen gemacht. Er belohnt gewisse Ideen und Einreichungen aus dem Ideenmanagement mit Gruppenerlebnissen und reinvestiert so in eine teamorientierte Innovationskultur, die vom direkten Austausch und regem Miteinander lebt. Helmut Schreiner ist der Prototyp des Verantwortlichen, der Innovation zur Chefsache macht. Er turnt vor, was er von anderen fordert. Er ermutigt, ermöglicht, kümmert sich und hält die Sache am Laufen. Er hat von seinen Eltern eine kleine Druckerei übernommen und sie bis heute zu einem Unternehmen mit 650 Mitarbeitern ausgebaut, das sieben Geschäftsbereiche hat, weltweit tätig ist und wertorientiert geführt wird. Einer der vier Unternehmenswerte ist Innovation. „Ist doch ganz normal für ein mittelständisches Unternehmen.”, sagt Herr Schreiner dazu. Sein Büro ist gepflastert mit Auszeichnungen, z.B. “Top-Innovator”, „Bester Arbeitgeber” oder „Ausgewählter Ort im Land der Ideen”. Kam bestimmt nicht ganz zufällig und nebenbei.
Und noch etwas brauchen Führungskräfte, überhaupt und ganz speziell in punkto Innovation: Mut, Herzblut und Leidenschaft. Im selben Moment, in dem ich diese Worte schreibe, komme ich mir vor wie eine Psychotante, die den Ernst des Business nicht erkannt hat. Ich bin ja viel, aber nicht Psycho. Und den Ernst des Business habe ich als Unternehmerin schon lange erkannt. Und genau deswegen plädiere ich für diese Werte, die alles entscheiden. Damit kann man Imperien aufbauen, Welten erobern, Erfindungen zu Weltruhm verhelfen oder einfach Mitarbeiter dazu motivieren mitzudenken und Zukunft zu gestalten.
Wie zum Beispiel Regina Mehler, Marketing Direktorin von Adobe Systems , zuständig für das Marketing Central & Eastern Europe, Middle East und Africa. Ich kenne Regina Mehler schon aus früheren Tätigkeiten, z.B. bei Chordiant Software, Siebel oder der Software AG. Sie hat Marketing im Blut und läuft zu Hochform auf, wenn die Aufgaben schwierig, das Budget knapp, die Bedenken groß und die Herausforderungen noch größer sind.
Ich habe das Marketingteam von Regina Mehler über eineinhalb Jahre begleitet. Wir haben vier Workshops gemeinsam durchgeführt, um neue Wege im Marketing zu gehen. Im letzten Workshop in Prag saßen Vertreter aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, der Türkei, aus Tchechien, Rußland, Südafrika und Polen zusammen, um sich auszutauschen, aus den Best Practices der einzelnen Länder zu lernen und gemeinsam neue Ideen zu entwickeln. Eine spezielle Form des Teambuildings, Netzwerkens und Gedankenaustausches war z. B. eine Art Schnitzeljagd durch Prag, während der im Team Aufgaben gelöst werden mußten. Diese gemeinsame Zeit und die intensiven Gespräche in Kleingruppen waren die wertvollsten Momente des Workshops. Kommunizieren, diskutieren, direkter Austausch, „Wie macht ihr das”-Fragen, „Was-wäre-wenn”- Szenarien, übergreifend Ideen spinnen, die direkt in die nächsten Businesspläne einfließen. Und das alles in nur zwei Tagen. Was für ein Mehrwert!
Helmut Schreiner und Regina Mehler waren, ganz zufällig, denn die guten Leute sind zufällig immer da wo Zukunft passiert, am 21.August 2008 im Allgäu, genauergesagt in Bad Wörishofen, das vielleicht einige von Ihnen kennen, weil die Oma da mal Urlaub gemacht hat. Dort wurde der Benchmark Zirkel zum Thema „Führung und Innovation” ins Leben gerufen, ein Qualitätsnetzwerk für Führungskräfte, um sich genau zu obigen Themen auszutauschen und sich Tipps von anderen Hochkarätern auf Augenhöhe einzuholen.
Initiatoren des Ganzen: Birgit Krietemeyer, Geschäftsführerin von Conpega Leadership Consulting GmbH aus Wiesbaden und ich.
Das Allgäu ist übrigens eine der unterschätzten Regionen Deutschlands. Landschaftlich der Hammer. Innovationsmäßig bemerkenswert. Spinnerqualitäten vom Feinsten. Viele Künstler, viel Subkultur, viele Tüftler, viel technisches Know How. Manchmal vielleicht etwas sperrig in der Spache, mühsam im Kommunizieren, aber so inspirativ und voller Energie, dass große freiheit (meine Firma) hier im Frühjahr 2010 eine ganz spezielle Eventlocation eröffnen wird. Merken Sie sich das Allgäu.
Spinnen ist Pflicht!
Anke Meyer-Grashorn