Archiv für die 'Ethik/Werte' Kategorie

Futouristen gesucht!

2010-06-28, von Andreas Koch

Was macht einen Urlaub lohnenswert?

Diese Frage habe ich mir – und anderen – in den vier Jahren als Umweltbeauftragter der TUI oft gestellt. Gutes Wetter, eintauchen können in andere Kulturen, aber auch eine intakte Natur und Umwelt, dies waren häufig genannte Antworten von Reisenden und Tourismusverantwortlichen. Viele Reisende und Reiseverkäufer sind zunehmend bereit, sich für einen nachhaltigen Tourismus zu engagieren, bewerten allerdings die eigenen Möglichkeiten, etwas ändern zu können, oft als sehr gering. Es gibt aber auch jene, die sich aktiv engagieren. Ich habe immer wieder engagierte Menschen und Organisationen in den Urlaubsländern getroffen, die sich begeisternd für den Schutz ihrer Region einsetzen. Gibt es einen Weg beide Gruppen – die Interessierten und die bereits Aktiven – zu verbinden? Die Idee zu Futouris wurde geboren …

Gemeinsam mehr bewegen als jeder alleine

So lautet die Vision von Futouris, dem Verein, den ich 2009 gemeinsam mit sieben TUI Unternehmen gegründet habe. Gemeinsam leben wir diese Vision, in dem wir ganz konkret nachhaltige Projekte in den Urlaubsregionen initiieren und fördern und dabei möglichst viele Tourismusverantwortliche, engagierte Organisationen und Reisende einbeziehen. Die Projekte sind langfristig angelegt und müssen gemäß der Futouris Satzung entweder eine Sozial-, Klimaschutz- oder Umweltausrichtung haben. So fördert Futouris z.B. das Projekt „Growing the Future“ in Südafrika, bei dem arbeitslose Frauen über ein Jahr zu ökologischen Gärtnerinnen ausgebildet werden oder das Projekt „Buena Proa“, bei dem es um den Aufbau eines Wal-  und Delfinbeobachtungsnetzwerks auf den Kanarischen Inseln geht.  Jedes Futouris Mitgliedsunternehmen übernimmt eine Patenschaft für ein Projekt und soll möglichst viele seiner Kunden ansprechen und involvieren – so zum Beispiel durch die Darstellung der jeweiligen Projekte in den Reisekatalogen, – unterlagen und -websites. Spenden (über ein Formular auf www.futouris.org) kommen direkt den Projekten zu Gute. Die administrativen Kosten des gemeinnützigen Vereins werden durch einen jährlichen Beitrag der Mitgliedsunternehmen gedeckt. Futouris hat 2009 alle administrativen und behördlichen Hürden gemeistert und wächst seitdem kontinuierlich. Bereits 2009 kamen rund 90.000 € für die Förderung konkreter Projekte zusammen, die Mitgliederzahl hat sich von 7 auf 13 nahezu verdoppelt, und wir eröffnen im Juli unser erstes kleines Büro in Berlin. Ich glaube fest daran, dass der Tourismus die Kraft hat, Entwicklungs- und entwickelte Länder, arme und reiche, zu verbinden.

Brücken bauen für die Zukunft

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man andere nur anstecken kann, wenn man selbst von etwas begeistert ist. Die Futouris Projekte sind daher so angelegt, dass man als Pate regelmäßig informiert oder sogar konkret mit einbezogen wird. Wir planen für die Zukunft, dass Mitarbeiter von Mitgliedsunternehmen idealerweise für eine gewisse Zeit freigestellt werden, um bei Projekten mitarbeiten zu können. Einmal so eingetaucht, wird man diese einmaligen Erfahrungen nicht so schnell vergessen – und wird zum Multiplikator des nachhaltigen Gedankens. Doch nicht nur die unmittelbaren Mitgliedsunternehmen werden angesprochen: Futouris versteht sich von Anfang an als für jeden offene Plattform. Der deutsche Reiseverband hat die Schirmherrschaft übernommen und die Leuphana Universität Lüneburg hat Futouris mit dem Masterstudiengang Management & Entrepreneurship unter Leitung von Professor Dr. Edgar Kreilkamp über ein Jahr als Forschungsprojekt begleitet. Wir wollen Menschen für eine nachhaltige Zukunft begeistern!

Futouristen gesucht!

Sind Sie ein Futourist? Glauben Sie auch, dass wir gemeinsam mehr erreichen können als jeder alleine? Haben Sie Lust, sich mit uns für konkrete Projekte in Ihrem Lieblingsland zu engagieren? Oder haben Sie Ideen, wie wir Futouris weiterentwickeln können? Ich freue mich auf einen regen Austausch mit Ihnen.

Mehr Informationen im Futouris Jahresbericht.

Abgelegt unter Ethik/Werte, Gesellschaftliches, Nachhaltigkeit, VIPs -Visionen, Ideen, Projekte, innovativ.in Partner | Keine Kommentare »

Kooperation satt Egoismus. Bücher zur Zukunft der Empathie.

2010-06-06, von Christiane Windhausen

Manchmal finden mich Büchern, die ich nicht mehr aus der Hand legen kann… An den letzten Wochenende hat mich wieder einmal eines richtig erwischt: Die Empathischen Zivilisation von Jeremy Rifkin. Ich hatte im Vorfeld so viele polemische Kommentare dazu gehört und gelesen (Süddeutsche.de, Tagesspiegel, SpiegelOnline), dass ich es einfach selber wissen wollte…

Dieses Buch liest sich wie ein spannender Krimi über unsere menschlichen Geschichte und hat mich zutiefst inspiriert. Jeremy Rifkin beschreibt, wie es durch neue technologischen Entwicklungen immer auch zu neuen Entwicklungsschüben der Empathie gekommen ist, und wodurch empathische Entwicklungen gesellschaftlich immer wieder unterbrochen worden sind. Damit folgt er (ohne sie direkt zu erwähnen) den Entwicklungstheorien von Ken Wilber und Don Beck, die Evolution als eine fortschreitende Entwicklung des Bewusstseins beschreiben.

Seiner Meinung nach befinden wir uns gerade im Übergang zu einem globalen Bewusstsein, dass ganz wesentlich auf Vernetzung, Kooperation und Empathie basiert.

Selbst Charles Darwin, dessen Forschungen in den letzten 100 Jahren immer wieder als Beweis für den Egoismus als Grundprinzip unserer Natur herhalten mußte, war am Ende seines Lebens ganz anderer Meinung. Er hat ab 1871 sein Augenmerk mehr und mehr auf das soziale, mitfühlende Wesen der höher entwickelten Spezien gerichtet. Für ihn wurden liebevolle Bindungen und unterschiedliche Formen der Kooperation schließlich wichtiger, als das Überleben des Stärkeren und der Konkurenzkampf des Einzelnen. Irgendwie ist dieser bemerkenswerte Schlußsatz im Laufe seines Lebens allerdings verloren gegangen…

Abraham Maslow hat bereits in den 60 Jahren des letzten Jahrhunderts mit seiner Motivationspyramide beschrieben, wie sich unsere Bedürfnisse mit den Lebensumständen entwickeln und verändern. Sobald die Grundversorgung unseres Lebens gewährleistet ist, entsteht eine völlig neue Ebene von Bedürfnissen, die sich zunehmend an der Qualität unserer Beziehungen und an der Frage nach dem persönlichen Lebenssinn orientieren. Empathie, Altruismus und Kooperation werden damit ab einem bestimmten Lebens- und Bildungsstandard zu den eigentlich sinnstiftenden Erfahrungen.

Vor zehn Jahren hat Giacomo Rizzolatti dann in der Großhirnrinde von Rhesusaffen die Spiegelneuronen entdeckt und damit eine Welle neuer Einsichten über unsere Beziehungsfähigkeit ausgelöst. Inzwischen wissen wir, dass für die Entwicklung von Empathie und Kooperation die Spiegelneuronen eine wichtige Rolle spielen. Nur ein paar Jahre später hat Joachim Bauer in seinem Buch Warum ich fühle, was du fühlst die neurobiologischen Forschungsergebnisse zu den Spiegelneuronen zusammengefasst und ihre Bedeutung für unser menschliches Bewusstsein und unsere gesellschaftliches Zusammenleben beschrieben. Die Folgen des Internets und der globalen Vernetzung wären ohne sie gar nicht zu erklären. Warum teilen Menschen ihr Wissen und ihre Fragen? Wie kommt es, dass sie sich so gerne mit anderen vernetzen?

In seinen Büchern Das Prinzip Menschlichkeit und Das kooperative Gen spricht Joachim Bauer davon, dass wir über so etwas wie ein kooperatives Gen verfügen, dass gewährleistet, dass wir aufeinander eingehen, uns verbinden und kooperieren können. Damit sind wir in der Lage, wahrzunehmen, dass jeder von uns in seinem eigenen Wohlbefinden und bei der Entfaltung seiner perönlichen Möglichkeiten auf das große Ganze angewiesen ist und von der Entwicklung anderer abhängt.

Allen, die die Dynamik von Gefühlen und Beziehungen in Beratungsprozessen mitbedenken, und  sich für die emotionalen Aspekte unsere menschlichen Entwicklungsgeschichte interessieren, möchte ich diese Bücher sehr ans Herz legen. Integrative Führung beginnt mit unserer persönlicher Empathie und zielt ab auf unsere kollektive Intelligenz.

Wer dann richtig hungrig geworden ist, kann bei der Sozialen Intelligenz von Daniel Goleman und der Weisheit der Vielen von James Surowiecki und Gerhard Beckmann gleich weiterlesen.

Vielleicht erwischt es sie ja auch…
Und sie verschwinden einfach mal wieder für ein Wochenende in einem richtig inspirierenden Buch.

Abgelegt unter Bücher, Ethik/Werte, Glücksforschung | 2 Kommentare »

Kann Coaching so einfach sein?

2010-05-05, von Petra Schuseil

Problem talk creates problems. Solution talk creates solutions (Steve de Shazer)

Kennen Sie Kurzzeitcoaching mit Langzeitwirkung? Ein Coachinggespräch, das nachhaltig wirkt? Vor zwei Wochen habe ich während eines Workshops den Experten und Coach Dr. Peter Szabo live erlebt. Schon länger steht in meinem Fachliteratur-Regal sein Buch: Kurzzeitcoaching mit Langzeitwirkung. Ich habe zwei höchst leichte, interessante, höchst inspirierende Workshoptage mit diesem Experten verbracht (der Workshop wurde über www.coachingwiese.de angeboten)

Haben Sie einen kurzen Moment Zeit? Eine kleine Übung für Sie: Überlegen Sie doch bitte einmal, Weiterlesen »

Abgelegt unter Business-Club Geflüster, Ethik/Werte, Innovationen, Trends | Keine Kommentare »

Napac: Aus Liebe zur Natur – weg mit dem Plastik!

2010-04-19, von Elita Wiegand

Plastik ist ein Teufelszeug und wird für unsere Umwelt zu einer wachsenden Gefahr. (Der preisgekrönte Dokumentarfilm „Plastik über alles“, der im Januar auf ARTE gesendet  wurde, verdeutlicht, was der Kunststoff anrichtet) Doch der Kunststoff ist billig. Das macht Plastik attraktiv und führt zu der Einstellung „nach uns die Sintflut!“ Denn 20 Cent, ja 20 Cent entscheiden darüber, dass weder Handel noch Kunden bereit sind, für umweltfreundliche Blumentöpfe tiefer in die Tasche zu greifen. Kann das wahr sein?

Umweltfreundliche Blumentöpfe
Topfpflanzen werden massenweise gekauft. Keine Ahnung, wie viele Blumentöpfe aus Plastik von mir bereits im Abfall gelandet sind. Erst vor kurzem hat sich mein Bewusstsein für die Blumentöpfe verändert. Schuld ist Napac. Das Schweizer Unternehmen hat ein innovatives Verfahren entwickelt: Napac produziert umweltfreundliche, kompostierbare Blumentöpfe, die sich im Boden absetzen. Die Blumentöpfe werden aus Reisspeizen hergestellt. (Reisspeizen ist  ein Abfallstoff aus der Reisaufbereitung) 

Während in Frankreich, den Niederlanden oder gar in Australien die umweltfreundlichen Blumentöpfe boomen, zeigt sich der deutsche Markt verhalten. „Die Geiz ist geil Mentalität“ ist in Deutschland weit verbreitet.  Deshalb läuft der Vertrieb auch nur schleppend,” betonte Napac Gründer Beda Murer bei unserem vorletzten Business Querdenken LIVE

Natürlicher Kreislauf

„Aus Liebe zur Natur will ich die Blumentöpfe jetzt in mein Sortiment aufnehmen,“ erzählte mir letzte Woche René  Bakker, Chef des Neusser Blumenhofes Bakker. Er sucht seit Jahren nach Blumentöpfen, die einen natürlichen Kreislauf bilden und hat jetzt endlich den Napac Topf entdeckt. Trotz der Freude befürchtet er, dass die Kunden und der Handel nicht bereit sind, 20 Cent mehr zu zahlen. „Die Kunden fahren zig Kilometer, um in einem Baumarkt oder Discounter die Pflanzen billiger zu kaufen“, sagte er mir.
Er setzt trotzdem auf die Napac Blumentöpfe, weil die Qualität hervorragend sei. Zudem habe er festgestellt, dass die Pflanzen in dem umweltfreundlichen Blumentopf besser gedeihen. Mehr Triebe, mehr Blüten! Jetzt kommt es auf die Nachfrage an. Am 24. April 2010 von 10 bis 16 und am 25. April von 9 bis 14 Uhr ist im Neusser Blumenhof Bakker, Lanzerather Str. 29 „Tag der offenen Tür.“ Dann wird sich entscheiden, ob tatsächlich Nachhaltigkeit bei den Verbrauchern angekommen ist. Würde mich freuen, wenn am Samstag einige von uns kommen. Ich bin auf jeden Fall da und Beda Murer, Chef der Napac AG hat auch zugesagt.

Fände es toll, wenn wir vom Business-Club die innovative Idee der umweltfreundlichen Blumentöpfe unterstützen. Was haltet Ihr davon? Würdet Ihr 20 Cent mehr bezahlen?

Abgelegt unter Ethik/Werte, Gesellschaftliches | 6 Kommentare »

Permakultur

2010-02-28, von Doc Sarah Schons

In Ergänzung zu den Beiträgen von Michael Lalk und Marcel Klotz poste ich hier noch mal meinen jüngsten Doc Blog Artikel zum Thema Permakultur und hoffe, dass es viele Business Club Partner motiviert, mitzumachen:

“we seek a lower standard of living for a higher quality of life”

Angesichts der aktuellen katastrophalen Lage ist es allerhöchste Zeit für internationale Permaculture – zu deutsch  Permakultur. Eine integrative, zukunftsfähige Gestaltung unserer Lebensräume. Basierend auf Achtsamkeit und Fainess.

Meiner Freundin Christina Morgenthaler sei Dank fürs input. Wir werden die Ausbildung zum Diplom-Permakultur-Designer bei der Permakultur Akademie machen. Vielleicht regt dieses Video Euch ja an, das auch zu tun:

Drei ethische Grundwerte bilden das Fundament permakulturellen Denkens und Handelns und sind die Richtlinie für jegliches Permakultur Design. Sie beziehen sich auf ökologische, ökonomische und soziale Komponenten und lassen sich wie folgt zusammenfassen:

Weiterlesen »

Abgelegt unter Ethik/Werte, Leben & Arbeiten in der Zukunft, Quer gedacht, VIPs -Visionen, Ideen, Projekte | 2 Kommentare »

Anstand im Geschäftsleben – eine vergessene Dimension?

2010-02-27, von Michael Lalk

Robert Bosch: “Die anständigste Art der Geschäftsführung ist auch die beständigste.”

Nicht allein der lesenswerte Beitrag von Marcel Klotz „Wo sind unsere Vorbilder geblieben” fordert mich heraus, ein eng verwandtes Thema anzuschneiden.
Seit einigen Jahren verstärkt sich nicht nur bei mir der Eindruck, dass der Anstand im Geschäftsleben abhanden gekommen ist.
Schon vor zwei Jahren forderte der Bundespräsident in einer Rede mehr Respekt, Rücksichtnahme und Anstand im Umgang miteinander, auch wenn sich diese Forderung nicht ausschließlich auf das Geschäftsleben bezog.

Hilfsbreitschaft, Toleranz, Respekt
In diesem Beitrag meine ich nicht den Anstand, der sich allein auf Umgangsformen beschränkt, sondern den moralischen Anstand im Business. Moralische Anständigkeit geht weit darüber hinaus, denn sie ist mit Hilfsbereitschaft, Toleranz und Respekt vor unseren Mitmenschen, somit auch vor unseren Geschäftspartnern und mit Mitmenschlichkeit (Humanität) verbunden.

Wie aber sieht die Wirklichkeit aus?
Nehmen wir das Beispiel Markenrecht “Querdenker“, wie es hier im Blog gerade erst diskutiert wurde. Natürlich hat der Besitzer einer Marke das Recht, dafür Sorge zu tragen, dass damit kein Mißbrauch geschieht. Aber muß man wirklich gleich einen Anwalt einschalten, der die Gegenseite mit einigen tausend Euros Abmahngebühr überzieht? Kann man nicht zunächst zum Telefonhörer greifen oder einen Brief schreiben und auf einen Fehler aufmerksam machen, statt sofort anwaltliche Hilfe nehmen? Wäre das nicht „anständig”?
Oder der Internethandel, wo versehentlich falsche Preisauszeichnungen, Fehler im Impressum oder in den AGBs von Wettbewerbern und Anwälten gnadenlos ausgenutzt, und sogar die Insolvenz kleiner Händler wird dabei in Kauf genommen wird. Oder kann mir jemand erklären, welchen Wettbewerbsvorteil sich ein Händler z.B. verschafft, der seinen Vornamen im Impressum abkürzt und nicht ausschreibt? Ist es anständig, hier gleich eine teuere Abmahnung zu schicken? Ist es anständig, sofort mit scharfer Munition zu schießen, statt erst einmal einen Warnschuß abzugeben?

Über den Umgang mit Menschen
Der Freiherr Adolph Franz Friedrich Ludwig Knigge, wurde durch seine Aufklärungsschrift: „Über den Umgang mit Menschen” berühmt.

Ehrbarer Kaufmann
In diesem Buch, damals ein ungeheurer Erfolg, konzipierte er den „Vir Bonus”, als Idealfigur des bürgerlichen Anstands. Er schuf eine Synthese dieses Vir Bonus als Idealgestalt des Humanismus mit dem Werten des anständigen, ehrbaren Kaufmanns und Handwerkers. Was ist geblieben vom Vir Bonus?

Da sind zunächst die sog. „Großen Tiere”, von denen man Vorbildfunktion erwarten sollte, denn sie stehen im Fokus. Nur ein älteres Beispiel von vielen: Ackermann, Esser & Co. War deren Verhalten in der Mannesmannaffaire von Anstand geprägt, selbst wenn es vielleicht juristisch nicht zu beanstanden war? Ist es anständig, eine Kündigung für mehrere tausend Mitarbeiter zu unterschreiben, sich aber gleichzeitig eine satte Gehaltserhöhung gewähren zu lassen? Gilt nicht auch im Business „Schlechte Beispiele verderben die Sitten”? Vorbildfunktion Fehlanzeige.

Gesellschaftliche Verantwortung
Doch wir wundern uns, dass mache einer es für selbstverständlich ansieht, wenn „mal eben” ein paar Maultaschen und Klopapierrollen geklaut oder Frikadellen vom kalten Firmenbuffet gemopst werden. Ist Vorbildfunktion in Sachen Anstand nicht auch ein Stück gesellschaftlicher Verantwortung?

So ist es bei diesen Vorbildern kein Wunder, dass der Werbeslogan von JVM „Geiz ist geil” so erfolgreich wurde und „Eins, zwei, meins”, „ich bin doch nicht blöd” usw. Wasser auf den Mühlen der Schnäppchenjäger und der Menschen war, die rücksichtslos ausschließlich auf ihren eigenen Vorteil fixiert sind. Die Werbung stellte einen Freibrief aus, kennen Sie einen Slogan, der Anstand propagiert?

Ich arbeite in einer konservativen Branche, der Baubranche. Hier im Norden gilt noch ein Wort. Die Aufträge, die ich mir von Kunden habe schriftlich erteilen lassen, kann ich an einer Hand abzählen. Aber je größer der Kunde, so umfangreicher werden neuerdings die Einkaufsbedingungen. Ich habe in 2009 einen 24-seitigen Bestellanhang zurückgeschickt. Wer sich so absichert, sucht möglicherweise schon jetzt Gründe, die Zahlung zu verweigern oder den Preis nachträglich zu reduzieren. Fehlerfrei ist niemand, jedes Geschäft birgt Risiken, aber ich bin mir sicher, mit Anstand bekommt man jeden Fall geregelt.

Warum bleibt der Anstand so häufig auf der Strecke?

Abgelegt unter Ethik/Werte, Gesellschaftliches | 3 Kommentare »

Neurobiologie und Sinn-Stiftung

2010-02-15, von Christiane Windhausen

Vor ein paar Tagen entdeckte ich diesen Vortrag von Prof. Dr. Gerald Hüther. Die Art und Weise, wie dieser Neurobiologe über mein Gehirn sprach, hat mich total in den Bann gezogen. Ich habe die lebendigen Bewegungen seines Körpers genossen und gleichzeitig an seinen Lippen gehangen.

huether_1602Er beschreibt sehr anschaulich, warum effektives Lernen nur möglich ist, wenn wir von etwas begeistert sind. Im Zustand von Desinteresse oder Angst können wir unser Gehirn nicht optimal benutzen. Sie blockieren unsere Lernfähigkeit. Er weist darauf hin, dass unser Gehirn bis ins hohe Alter hinein lernfähig bleibt – Voraussetzung ist nur, dass wir begeisterungsfähig bleiben. All das und mehr findet sich auch auf der DVD Ohne Gefühle geht gar nichts! – Worauf es beim Lernen ankommt.

Hüther will die Erkenntnisse der Hirnforschung für möglichst viele Menschen zugänglich machen. Er sagt: ‚Wir haben in Deutschland kein Erkenntnisproblem, sondern ein Umsetzungsproblem‘. Mit WIN-FUTURE hat er daher ein interdisziplinäres Netzwerk für Bildungsforschung gegründet, in dem es um die Verbindung von Wissenschaft und Praxis geht. Hier findet man übrigens eine ganze Reihe sehr interessanter Vorträge – zum Sehen und Hören.

Mit seiner Sinn-Stiftung will Hüther neue Wege der Umsetzung fördern, um in Kinder und Jugendliche ihre Potentiale zu fördern. Er fordert eine Potential-Entfaltungshaltung, die aus Neugier, Wertschätzung und Dankbarkeit besteht. Sie ist Voraussetzung dafür, dass Begeisterung entstehen kann. Das ist bei Erwachsenen nicht anders als bei Kindern.

Ich staune immer wieder, wie unserer Körper Tag für Tag das tut, was wir in Beziehungen und Gesellschaft mühsam umzusetzen versuchen: Für ihn ist die Teamarbeit zwischen verschiedenen Funktionssystemen selbstverständlich. Er funktioniert als eine natürliches Netzwerk, im dem unterschiedlichste Talente und Aufgaben miteinander kooperieren. Dabei dient jeder einzelne Vorgang im Körper – zum Wohle des Ganzen.

Neurobiologen wie Dr. Gerald Hüther oder Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer sind für mich daher Übersetzer und Brückenbauer. Sie ermöglichen uns, den Körper als Kompass für unsere mitmenschliche Zukunft zu verstehen und zu nutzen. Alles, was wir in den letzten Jahren so quergedacht haben, wird damit auf einmal ganz natürlich…

Chapeau, meine Herren!

Abgelegt unter Ethik/Werte, Gesellschaftliches, Gesundheit, Glücksforschung | 1 Kommentar »

Unglaublich, aber wahr!

2010-01-25, von Elita Wiegand

Es reicht, mir reicht’s – ich habe die Nase voll. Ich setze mich unermüdlich dafür ein, Menschen zu vernetzen, die mutig sind, Unternehmer, die andere Wege gehen, Querdenker, die sich vom Mainstream verabschieden und Standpunkte vertreten, die Neues wagen. Verdammt, wir brauchen mehr Menschen in der Wirtschaft, der Kultur und Politik, die etwas anstoßen, die etwas bewegen, Vorreiter für Veränderungen – wir brauchen Querdenker! Deshalb bin ich angetreten und habe den „Business-Club für Innovatoren, Wertschöpfer und Querdenker” gegründet, engagiere ich mich für das neue Denken in der Wirtschaft, weg von der Konkurrenz hin zur Kooperation, zu Vertrauen, Wertschätzung und Werten.

“Querdenker” ist als Wortmarke geschützt 
Und was ist passiert? Eine Firma steht im Markenregister beim Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) eingetragen als Inhaberin der Wortmarke „Querdenker”. Die Firma monopolisiert das Wort „Querdenker” für Druckereierzeugnisse, Werbung und Ausbildung.

Es ist unfassbar, aber JEDER, der die markenmäßige Benutzung „Querdenker” wählt, könnte früher oder später abgemahnt werden. Unglaublich auch, dass das Wort „Querdenker” überhaupt als (Wort-)Marke geschützt werden kann, denn der Begriff steht im Duden, bei Google gibt dazu etwa 270.000 Einträge und darunter sind zahlreiche Blogs, Agenturen und Firmen aufgelistet.

Und wir, unser Business-Club steht im Fokus. Für uns hat das folgende Konsequenzen:

  • Der „Business-Club für Innovatoren, Wertschöpfer und Querdenker”, der seit fünf Jahren! so heißt, muss umbenannt werden – gestern haben wir den Untertitel auf unserer Website und hier im Blog gelöscht
  • Das Interview „Querdenker-Talk” mit dem Wirtschaftsministerium und Rainer Plempe zum Thema Elektroautos ist gelöscht
  • Die erfolgreiche Veranstaltungsform des Business-Clubs “Querdenker-Forum” (haben wir das erste Mal unter dem Titel von vier Jahren veranstaltet)  muss unbenannt werden
  • Wir mussten die Firmenbroschüre ändern 
  • Wir haben sämtliche Beiträge im Blog und der Website löschen müssen, in dem das Wort „Querdenker”  in der Überschrift aufgetaucht ist (darunter natürlich viele Beiträge, die verlinkt sind)
  • Die Rubrik „Querdenker” in unserem Blog musste entfernt werden

Das alles kostet Nerven, Energien, Kraft, viel Zeit und vor allem Geld.

Querdenker überall
Für mich gehört das Wort “Querdenker” zum normalen Sprachgebrauch und offensichtlich sehen das vieler meiner Kollegen in den Medien genauso. Das geht auch aus dem Wortschatz-Lexikon der Uni Leipzig hervor, der zu dem Begriff  “Querdenker” seitenlang Zitate veröffentlicht hat, die in der Presse erschienen sind.

“Es darf keine bürokratischen Einengungen geben, die  Querdenker stoppen!”
Zum Beispiel das Zitat: „ Es darf keine bürokratischen Einengungen geben, die Querdenker stoppen. (Quelle: archiv.tagesspiegel.de ) Und Prof. Lothar Späth sagte: „ Ich bin sicher, dass wir zur Bewältigung der auf uns zukommenden Krisenprobleme noch mehr Querdenker brauchen, die nicht in festgefahrenen Gleisen Lösungen suchen, sondern bei neuen Einfällen und Innovationen.”

Freiheit für Querdenker
Genau wie Lothar Späth, verbinde ich mit Querdenkern die tiefe Überzeugung und Hoffnung für Veränderungen, die wir so dringend brauchen, um die Probleme in unserer Gesellschaft zu lösen. Wir müssen gemeinsam kämpfen, damit wieder jeder den Begriff Querdenker wann und wie er will, gebrauchen kann. Jetzt können wir beweisen, dass wir die wahren Querdenker sind.

Abgelegt unter Business E-motion, Ethik/Werte, Gesellschaftliches, Innovationen, Motzecke, Please help me!, Quer gedacht, innovativ.in Partner | 119 Kommentare »

Der Sieg über den Egoismus?

2010-01-04, von Elita Wiegand

Der Mensch ist gierig, neidisch, skrupellos, egoistisch. Stimmt doch, oder?

stefan-kkeinNein, es  ist ganz anders. Tief in unserem Gehirn ist ein Trieb zu selbstlosen Taten verankert. Der Erfolgsautor Stefan Klein  (Autor der Bücher “Der Stoff, aus dem das Leben ist“, ”Die Glücksformel oder “Alles Zufall: Die Kraft, die unser Leben bestimmt“)  hat in der Zeit ein hervorragendes Dossier zu dem Thema geschrieben.  Am besten selbst lesen, fasse aber hier den Inhalt mal kurz zuammen, um dafür Neugier zu wecken.

Wie ist die Selbstlosigkeit von Menschen zu erklären? Unter welchen Umständen stellen wir unser eigenes Interesse zurück? Beispiele: Heute engagieren sich bei uns zwei Millionen Menschen mehr im Ehrenamt als noch vor zehn Jahren. Mehr drei Millionen Deutsche haben sich registrieren lassen, um Knochenmark entnehmen zu lassen und allein zehn Millionen haben selbstlos für Wikipedia Artikel geschrieben. 

Obama für Arme 
Selbst der Wahlsieg von Barack Obama erklärt Stefan Klein mit einer gewissen Form von Solidarität. Das amerikanische Volk hat einen Präsidenten gewählt, der trotz grandioser Abschlüsse auf der Columbia- und der Harvard Universität eine Karriere als Wirtschaftsjurist ausschlug und stattdessen Sozialarbeiter und Anwalt in den Armenvierteln von Chicago wurde.

Wir sind aufeinander angewiesen
Altruistisches Verhalten, so Klein, sei heute wichtiger denn je ist. Wir stehen vor gewaltigen Aufgaben und müssen weltumspannende Probleme lösen. „Nie zuvor war jeder Einzelne so sehr von anderen oft weit entfernten Menschen abhängig.” Kooperationsbereitschaft fördern, lautet das Gebot der Stunde. Menschen setzen sich für das Gemeinwohl ein, wenn sie wissen, wie sehr sie aufeinander angewiesen sind. Auf Unternehmen übersetzt: Üppige Boni oder Gehaltserhöhungen bringen nur selten die gewünschte Motivation. Es ist besser in ein gutes Betriebsklima zu investieren.
Fazit: Immer mehr Wissenschaftler verabschieden sich von dem Dogma des egoistischen Menschen und der Homo sapiens erscheint zunehmend freundlicher.

Das ist doch eine gute Nachricht für 2010. Weiter so!

Abgelegt unter Business E-motion, Ethik/Werte, Gesellschaftliches | Keine Kommentare »

Brokenhagen – Welt im riesigem Vertrauens-Defizit

2009-12-20, von Wolff Horbach

Albert Einstein wird folgendes Zitat zugeschrieben:

»Zwei Dinge sind unendlich: Das Universum und die menschliche Dummheit. Aber beim Universum bin ich mir nicht ganz sicher.«

Ich fürchte, der gute Albert hatte Recht.

Es tut mir leid, hier die Adventskalender-Harmonie zu stören. Ausgerechnet am 4. Advent. Aber es muss sein:

Da treffen sich 14 Tage lang 10.000 Delegierte aus der ganzen Welt, um Maßnahmen gegen eine drohende Klimakatastrophe zu beschließen. Da fliegen alle Mächtigen dieser Welt in der Endphase der Konferenz ein. Und das Ergebnis ist: NICHTS. Ein mickriges Papierchen. Wage, unverbindliche Formulierungen. Außer Spesen nichts gewesen.

Dafür wird etwas anderes sehr deutlich sichtbar: Es herrscht Egoismus pur auf allen Seiten, Gier und Misstrauen.

Dieser eklatante Mangel an Vertrauen wird für uns alle noch SEHR TEUER werden. Andere werden mit ihrem Leben dafür bezahlen müssen.

Manche von euch wissen, dass ich mich seit Jahren mit dem Thema Glücksforschung beschäftige. Es macht mich daher besonders traurig und wütend, dass sich ausgerechnet die bislang glücklichsten Menschen auf ihren Untergang vorbereiten können. Dafür dürften sich bei uns die Anzahl der Depressionen weiter steigern.

Daher plädiere ich dafür, die vierte Kerze heute nicht auf den Adventskranz, sondern unter die Ärsche der Verantwortlichen zu stellen.

Abgelegt unter Ethik/Werte, Gesellschaftliches, Glücksforschung | 9 Kommentare »