Archiv für die 'Gesellschaftliches' Kategorie

Anstand im Geschäftsleben – eine vergessene Dimension?

2010-02-27, von Michael Lalk

Robert Bosch: “Die anständigste Art der Geschäftsführung ist auch die beständigste.”

Nicht allein der lesenswerte Beitrag von Marcel Klotz „Wo sind unsere Vorbilder geblieben” fordert mich heraus, ein eng verwandtes Thema anzuschneiden.
Seit einigen Jahren verstärkt sich nicht nur bei mir der Eindruck, dass der Anstand im Geschäftsleben abhanden gekommen ist.
Schon vor zwei Jahren forderte der Bundespräsident in einer Rede mehr Respekt, Rücksichtnahme und Anstand im Umgang miteinander, auch wenn sich diese Forderung nicht ausschließlich auf das Geschäftsleben bezog.

Hilfsbreitschaft, Toleranz, Respekt
In diesem Beitrag meine ich nicht den Anstand, der sich allein auf Umgangsformen beschränkt, sondern den moralischen Anstand im Business. Moralische Anständigkeit geht weit darüber hinaus, denn sie ist mit Hilfsbereitschaft, Toleranz und Respekt vor unseren Mitmenschen, somit auch vor unseren Geschäftspartnern und mit Mitmenschlichkeit (Humanität) verbunden.

Wie aber sieht die Wirklichkeit aus?
Nehmen wir das Beispiel Markenrecht “Querdenker“, wie es hier im Blog gerade erst diskutiert wurde. Natürlich hat der Besitzer einer Marke das Recht, dafür Sorge zu tragen, dass damit kein Mißbrauch geschieht. Aber muß man wirklich gleich einen Anwalt einschalten, der die Gegenseite mit einigen tausend Euros Abmahngebühr überzieht? Kann man nicht zunächst zum Telefonhörer greifen oder einen Brief schreiben und auf einen Fehler aufmerksam machen, statt sofort anwaltliche Hilfe nehmen? Wäre das nicht „anständig”?
Oder der Internethandel, wo versehentlich falsche Preisauszeichnungen, Fehler im Impressum oder in den AGBs von Wettbewerbern und Anwälten gnadenlos ausgenutzt, und sogar die Insolvenz kleiner Händler wird dabei in Kauf genommen wird. Oder kann mir jemand erklären, welchen Wettbewerbsvorteil sich ein Händler z.B. verschafft, der seinen Vornamen im Impressum abkürzt und nicht ausschreibt? Ist es anständig, hier gleich eine teuere Abmahnung zu schicken? Ist es anständig, sofort mit scharfer Munition zu schießen, statt erst einmal einen Warnschuß abzugeben?

Über den Umgang mit Menschen
Der Freiherr Adolph Franz Friedrich Ludwig Knigge, wurde durch seine Aufklärungsschrift: „Über den Umgang mit Menschen” berühmt.

Ehrbarer Kaufmann
In diesem Buch, damals ein ungeheurer Erfolg, konzipierte er den „Vir Bonus”, als Idealfigur des bürgerlichen Anstands. Er schuf eine Synthese dieses Vir Bonus als Idealgestalt des Humanismus mit dem Werten des anständigen, ehrbaren Kaufmanns und Handwerkers. Was ist geblieben vom Vir Bonus?

Da sind zunächst die sog. „Großen Tiere”, von denen man Vorbildfunktion erwarten sollte, denn sie stehen im Fokus. Nur ein älteres Beispiel von vielen: Ackermann, Esser & Co. War deren Verhalten in der Mannesmannaffaire von Anstand geprägt, selbst wenn es vielleicht juristisch nicht zu beanstanden war? Ist es anständig, eine Kündigung für mehrere tausend Mitarbeiter zu unterschreiben, sich aber gleichzeitig eine satte Gehaltserhöhung gewähren zu lassen? Gilt nicht auch im Business „Schlechte Beispiele verderben die Sitten”? Vorbildfunktion Fehlanzeige.

Gesellschaftliche Verantwortung
Doch wir wundern uns, dass mache einer es für selbstverständlich ansieht, wenn „mal eben” ein paar Maultaschen und Klopapierrollen geklaut oder Frikadellen vom kalten Firmenbuffet gemopst werden. Ist Vorbildfunktion in Sachen Anstand nicht auch ein Stück gesellschaftlicher Verantwortung?

So ist es bei diesen Vorbildern kein Wunder, dass der Werbeslogan von JVM „Geiz ist geil” so erfolgreich wurde und „Eins, zwei, meins”, „ich bin doch nicht blöd” usw. Wasser auf den Mühlen der Schnäppchenjäger und der Menschen war, die rücksichtslos ausschließlich auf ihren eigenen Vorteil fixiert sind. Die Werbung stellte einen Freibrief aus, kennen Sie einen Slogan, der Anstand propagiert?

Ich arbeite in einer konservativen Branche, der Baubranche. Hier im Norden gilt noch ein Wort. Die Aufträge, die ich mir von Kunden habe schriftlich erteilen lassen, kann ich an einer Hand abzählen. Aber je größer der Kunde, so umfangreicher werden neuerdings die Einkaufsbedingungen. Ich habe in 2009 einen 24-seitigen Bestellanhang zurückgeschickt. Wer sich so absichert, sucht möglicherweise schon jetzt Gründe, die Zahlung zu verweigern oder den Preis nachträglich zu reduzieren. Fehlerfrei ist niemand, jedes Geschäft birgt Risiken, aber ich bin mir sicher, mit Anstand bekommt man jeden Fall geregelt.

Warum bleibt der Anstand so häufig auf der Strecke?

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Rückenschule für Kinder

2010-02-24, von Andrea Stellbrink

Am Wochenende war ich in Frankfurt und habe dort an der Sport-Uni bzw. der VRG e.V. (Verein für Rückenschule und Gesundheitssport) meine Lizenz zur Kinderrückenschulleiterin – Primärprävention nach § 20 Abs. 1 und 2 SGB V – gemacht, da ich zukünftig auch drei Kinderrückenkurse übernehme.

Ehrlich gesagt, ist es für mich unfassbar und somit schwer nachzuvollziehen, dass heutzutage Kinder bereits im Grundschulalter eine Rückenschule benötigen!? Die Geschichten, die mir meine Kollegen erzählt haben, waren für mich wahre Horrorszenarien.

Tatsache ist aber wohl, dass Kinder nach ihrer Schule im Anschluss noch zwischen 3 und 6 Stunden vor dem Computer sitzen!?

Während der Fortbildung habe ich überlegt, ob die Grundschule nicht schon zu spät ist!? Meines Erachtens sollte man bereits im Kindergarten damit anfangen, den Kindern die Freude an der Bewegung zu vermitteln, wobei die Eltern mit einbezogen werden sollten, denn schließlich haben diese ja auch Vorbildfunktion. Und, die Freude, die man während der Bewegungseinheiten hat, ist unglaublich. Wir haben uns zwei Tage fast auschließlich mit Praxis beschäftig, viele Spiele gespielt, die einen in Bewegung bringen und gleichzeitig für ungeheuer viel Spaß sorgen…

Wie sehen Sie dieses Thema oder haben Sie vielleicht auch Erfahrungen, von denen Sie berichten können?

Herzliche Grüße und einen schönen Tag wünscht

Andrea Stellbrink

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Neurobiologie und Sinn-Stiftung

2010-02-15, von Christiane Windhausen

Vor ein paar Tagen entdeckte ich diesen Vortrag von Prof. Dr. Gerald Hüther. Die Art und Weise, wie dieser Neurobiologe über mein Gehirn sprach, hat mich total in den Bann gezogen. Ich habe die lebendigen Bewegungen seines Körpers genossen und gleichzeitig an seinen Lippen gehangen.

huether_1602Er beschreibt sehr anschaulich, warum effektives Lernen nur möglich ist, wenn wir von etwas begeistert sind. Im Zustand von Desinteresse oder Angst können wir unser Gehirn nicht optimal benutzen. Sie blockieren unsere Lernfähigkeit. Er weist darauf hin, dass unser Gehirn bis ins hohe Alter hinein lernfähig bleibt – Voraussetzung ist nur, dass wir begeisterungsfähig bleiben. All das und mehr findet sich auch auf der DVD Ohne Gefühle geht gar nichts! – Worauf es beim Lernen ankommt.

Hüther will die Erkenntnisse der Hirnforschung für möglichst viele Menschen zugänglich machen. Er sagt: ‚Wir haben in Deutschland kein Erkenntnisproblem, sondern ein Umsetzungsproblem‘. Mit WIN-FUTURE hat er daher ein interdisziplinäres Netzwerk für Bildungsforschung gegründet, in dem es um die Verbindung von Wissenschaft und Praxis geht. Hier findet man übrigens eine ganze Reihe sehr interessanter Vorträge – zum Sehen und Hören.

Mit seiner Sinn-Stiftung will Hüther neue Wege der Umsetzung fördern, um in Kinder und Jugendliche ihre Potentiale zu fördern. Er fordert eine Potential-Entfaltungshaltung, die aus Neugier, Wertschätzung und Dankbarkeit besteht. Sie ist Voraussetzung dafür, dass Begeisterung entstehen kann. Das ist bei Erwachsenen nicht anders als bei Kindern.

Ich staune immer wieder, wie unserer Körper Tag für Tag das tut, was wir in Beziehungen und Gesellschaft mühsam umzusetzen versuchen: Für ihn ist die Teamarbeit zwischen verschiedenen Funktionssystemen selbstverständlich. Er funktioniert als eine natürliches Netzwerk, im dem unterschiedlichste Talente und Aufgaben miteinander kooperieren. Dabei dient jeder einzelne Vorgang im Körper – zum Wohle des Ganzen.

Neurobiologen wie Dr. Gerald Hüther oder Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer sind für mich daher Übersetzer und Brückenbauer. Sie ermöglichen uns, den Körper als Kompass für unsere mitmenschliche Zukunft zu verstehen und zu nutzen. Alles, was wir in den letzten Jahren so quergedacht haben, wird damit auf einmal ganz natürlich…

Chapeau, meine Herren!

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Innovationsabsichten der SAP AG lösen Sorgen aus

2010-02-09, von Matthias Rückel

Zitat aus der Financial Times Deutschland am 8.2.10 über die neue Strategie der SAP AG, nach dem mit neuen Chefs auch die Unternehmensstrategie gewechselt hat:

“Wir sind besorgt über die stärkere Konzentration auf Innovationen, möglicherweise höhere Ausgaben für Forschung & Entwicklung sowie die geringere Konzentration auf Margen.” (Aktienanalyst einer renommierten Bank).

Zukunftsfähigkeit scheint kein lohnenswertes Ziel für Aktienanalysten zu sein.

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Gehirnforschung: Was passiert eigentlich in unserem Kopf?

2010-02-08, von Elita Wiegand

„Was geht denn bei dem im Kopf vor?” Ist eine beliebte Redewendung. Nur allzu gerne würde ich manchmal in das Gehirn schauen. Überlasse ich aber dann doch lieber den Neurowissenschaftlern. Schließlich ist unser Verstand ein hochkompliziertes Organ und genau deshalb rückt es immer mehr in den Fokus.  Wissenschaftler sondieren das rund zweieinhalb Pfund schwere Gehirn, erkunden unser Bewusstsein oder lokalisieren Schmerz-und Glücksgefühle. Unser Denkapparat wird in einem riesigen Tempo erforscht und es  gibt inzwischen verblüffende Antworten, auf Fragen, die sich hier sicherlich auch viele stellen.

Verblüffende Videos

manfred-spitzerUnser Glücksexperte Wolff  Horbach hat mich auf die Online-Vorlesungen „Geist & Gehirn” von BR-alpha aufmerksam gemacht, die mich begeistern. Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer, Direktor der psychiatrischen Uniklinik in Ulm, erklärt in 151 Videos à 15 Minuten, wie das Wunderwerk in unserem Kopf funktioniert. (Und jetzt gibt es übrigens eine aktuelle neue Staffel) Jedes Video beschäftigt sich mit einem Schwerpunkt.  Wie entsteht Vertrauen? Was bewirkt Musik? Wie kommt es zu Depressionen? Was passiert bei zu viel Stress? Wie funktionieren Wahrnehmung und Denken? Wie wirken Gefühle? Wie erklären sich  kreative Prozesse? Die Online- Vorlesungen kann ich nur jedem empfehlen, weil ich bisher viele wertvolle Erkenntnisse gewonnen habe.

Habe mich gefragt: “Was macht das Thema Gehirnforschung eigentlich so interessant?  Welche Manipulationen sind möglich, wenn wir das Gehirn immer weiter erforschen? Was können wir lernen, anders machen, wenn wir mehr darüber wissen, was sich in unserem Kopf abspielt?”

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Unglaublich, aber wahr!

2010-01-25, von Elita Wiegand

Es reicht, mir reicht’s – ich habe die Nase voll. Ich setze mich unermüdlich dafür ein, Menschen zu vernetzen, die mutig sind, Unternehmer, die andere Wege gehen, Querdenker, die sich vom Mainstream verabschieden und Standpunkte vertreten, die Neues wagen. Verdammt, wir brauchen mehr Menschen in der Wirtschaft, der Kultur und Politik, die etwas anstoßen, die etwas bewegen, Vorreiter für Veränderungen – wir brauchen Querdenker! Deshalb bin ich angetreten und habe den „Business-Club für Innovatoren, Wertschöpfer und Querdenker” gegründet, engagiere ich mich für das neue Denken in der Wirtschaft, weg von der Konkurrenz hin zur Kooperation, zu Vertrauen, Wertschätzung und Werten.

“Querdenker” ist als Wortmarke geschützt 
Und was ist passiert? Eine Firma steht im Markenregister beim Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) eingetragen als Inhaberin der Wortmarke „Querdenker”. Die Firma monopolisiert das Wort „Querdenker” für Druckereierzeugnisse, Werbung und Ausbildung.

Es ist unfassbar, aber JEDER, der die markenmäßige Benutzung „Querdenker” wählt, könnte früher oder später abgemahnt werden. Unglaublich auch, dass das Wort „Querdenker” überhaupt als (Wort-)Marke geschützt werden kann, denn der Begriff steht im Duden, bei Google gibt dazu etwa 270.000 Einträge und darunter sind zahlreiche Blogs, Agenturen und Firmen aufgelistet.

Und wir, unser Business-Club steht im Fokus. Für uns hat das folgende Konsequenzen:

  • Der „Business-Club für Innovatoren, Wertschöpfer und Querdenker”, der seit fünf Jahren! so heißt, muss umbenannt werden – gestern haben wir den Untertitel auf unserer Website und hier im Blog gelöscht
  • Das Interview „Querdenker-Talk” mit dem Wirtschaftsministerium und Rainer Plempe zum Thema Elektroautos ist gelöscht
  • Die erfolgreiche Veranstaltungsform des Business-Clubs “Querdenker-Forum” (haben wir das erste Mal unter dem Titel von vier Jahren veranstaltet)  muss unbenannt werden
  • Wir mussten die Firmenbroschüre ändern 
  • Wir haben sämtliche Beiträge im Blog und der Website löschen müssen, in dem das Wort „Querdenker”  in der Überschrift aufgetaucht ist (darunter natürlich viele Beiträge, die verlinkt sind)
  • Die Rubrik „Querdenker” in unserem Blog musste entfernt werden

Das alles kostet Nerven, Energien, Kraft, viel Zeit und vor allem Geld.

Querdenker überall
Für mich gehört das Wort “Querdenker” zum normalen Sprachgebrauch und offensichtlich sehen das vieler meiner Kollegen in den Medien genauso. Das geht auch aus dem Wortschatz-Lexikon der Uni Leipzig hervor, der zu dem Begriff  “Querdenker” seitenlang Zitate veröffentlicht hat, die in der Presse erschienen sind.

“Es darf keine bürokratischen Einengungen geben, die  Querdenker stoppen!”
Zum Beispiel das Zitat: „ Es darf keine bürokratischen Einengungen geben, die Querdenker stoppen. (Quelle: archiv.tagesspiegel.de ) Und Prof. Lothar Späth sagte: „ Ich bin sicher, dass wir zur Bewältigung der auf uns zukommenden Krisenprobleme noch mehr Querdenker brauchen, die nicht in festgefahrenen Gleisen Lösungen suchen, sondern bei neuen Einfällen und Innovationen.”

Freiheit für Querdenker
Genau wie Lothar Späth, verbinde ich mit Querdenkern die tiefe Überzeugung und Hoffnung für Veränderungen, die wir so dringend brauchen, um die Probleme in unserer Gesellschaft zu lösen. Wir müssen gemeinsam kämpfen, damit wieder jeder den Begriff Querdenker wann und wie er will, gebrauchen kann. Jetzt können wir beweisen, dass wir die wahren Querdenker sind.

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Freimaurer?

2010-01-06, von Michael Lalk

bild-120.jpgDu bist doch Freimaurer, dann schreibe darüber mal im Blog, sagte vor Weihnachten Elita zu mir. In der Tat, Dan Browns Bestseller, “Das Symbol” hat das Thema für viele interessant gemacht. Sogar zur besten Sendezeit wurde am 1. Weihnachtstag auf N24 über die Freimaurer berichtet. Auch verzeichnen wir einen verstärkten Zulauf an Interessierten, nicht zuletzt, weil sich viele Mythen und Gerüchte um den angeblichen „Geheimbund“ ranken. Natürlich bietet ein Blog nur die Möglichkeit, ein so komplexes Thema anzureißen. Deshalb habe ich die Frage-Antwort Form gewählt.
Weiterführende Informationen bietet das Internet in Hülle und Fülle und wer mag, kann mich gerne direkt ansprechen.
Was ist Freimaurerei?
Freimaurerei, auch “königliche Kunst” genannt, hat ein ehemaliger „Meister vom Stuhl“ (so nennen wir den Vorsitzenden einer Loge) so beschrieben:
„Die Freimaurerei ist eine königliche Kunst, bei der ein Weisheit Suchender in überlieferter Weise das, was er in der Welt in und um sich erlebt, auf eine andere Stufe seines Bewußtseins hebt, um daraus für sich eine individuelle Maxime zu erarbeiten.“
Ausführlicher hat es ein Bruder meiner Loge „Theodor Vogel“ formuliert.

Was ist der Ursprung der Freimaurer?
Ursprung der Freimaurerei sind die mittelalterlichen Dombauhütten der Steinmetze, deren überlieferte Erkennungszeichen, Rituale und Symbole Einzug in die Freimaurerei gehalten haben. Als im 17. Jahrhundert die große Zeit der Dom- und Kathedralbauten ausklang, wurden in die Bauhütten, die Logen, „Profane“ aufgenommen, Intellektuelle, Adelige, Musiker, Schriftsteller usw. Die Logen wurden so zu einem Sammelplatz frei denkender “angenommener Maurer”.

Ist der Bund der Freimaurer ein Geheimbund?
Gibt es im Zeitalter des Internets überhaupt noch Geheimnisse?
Nein, Freimaurer bilden keinen Geheimbund, sondern einen diskreten, einen geschlossenen Bund. Wir Freimaurer schätzen allerdings Verschwiegenheit als eine besondere Tugend. Goethe, selbst Freimaurer, schreibt in seinem Gedicht „Verschwiegenheit“:
„Niemand soll und wird es schauen,
was einander anvertraut,
denn auf Schweigen und Vertrauen
ist der Tempel aufgebaut“
Diese Verschwiegenheit ist unabdingbar. Nur durch Verschwiegenheit kann Vertrauen entstehen, nur durch Vertrauen kann eine Loge existieren. Dass wir Rituale und Erkennungszeichen nicht veröffentlichen, unsere Brüder nicht ohne deren Genehmigung als Freimaurer outen, hat nichts mit Geheimnissen, sondern mit Verschwiegenheit zu tun.

Gibt es überhaupt ein Geheimnis?
Ja. Das jeweilige persönliche Erleben, das nicht mit Worten erklärt werden kann.

Was bedeute „freimaurerische Arbeit“?
Freimaurer sehen sich als „rauen Stein“, dem Symbol der Unvollkommenheit.
Das Freimaurerlexikon definiert das so:
“Wer nicht nur rein äußerlich Freimaurer sein will, muss darum bemüht sein, die Kanten und Ecken zu beseitigen, die seine Schwächen und Leidenschaften und üblen Gewohnheiten darstellen. Wer zur Freimaurerei kommt, ist noch keineswegs ein vollkommener Mensch. Die Erziehung in der Loge soll dazu dienen, den rauen – zum behauenen, zum kubischen Stein zu gestalten, an den erst das Winkelmaß angelegt werden kann.”
Diese Arbeit an unserem rauen Stein geschieht in drei Graden:
Lehrlingsgrad: Schau in dich! (Erkenne dich selbst)
Gesellengrad: Schau um dich! (Auf die Einbindung in die Gesellschaft, die sozialen Verpflichtungen, aber auch auf das Leben schlechthin mit allen seinen Höhen und Tiefen).
Meistergrad: Schau über dich (Erkenne die Endlichkeit deines Lebens und Schaffens und berücksichtige es in deiner Lebensführung).
Die Bedeutung dieser Grade ist für das Erleben und die Entwicklung des Freimaurers wesentlich wichtiger als ihre Rollen im Logenleben.
Und gearbeitet wird nur am eigenen rauen Stein, nicht am Stein eines Bruders.

Welchen Sinn machen Symbole, Rituale und Tempelarbeiten?
Die freimaurerisch Symbole erinnern an die ethischen Verpflichtungen des Menschen, die Verbundenheit mit unseren Mitmenschen und bilden auch einen Bezug zur Transzendenz.
Sie haben keinen religiösen oder dogmatischen Sinn, mit Ausnahme des „Großen Baumeisters aller Welten“, ein Symbol in dem jeder Freimaurer seine übergeordnete Existenz sieht.
Der hier abgebildete Arbeitsteppich meiner Loge zeigt eine Vielzahl unserer Symbole.
So wie die Symbole stammen auch die Rituale von den alten Steinmetzzünften, aber sie beziehen sich auch auf alte Mysterienbünde der Gnostiker und der Kabbala.
Die rituelle Tempelarbeit spricht die emotionale und die rationale Seite des Menschen an, sie verschafft ihm die Möglichkeit der Einkehr und Kontemplation, wobei ihn Musik, Worte und Handlungen unterstützen. So dienen diese rituellen Tempelarbeiten der feierlichen Einführung neuer Brüder in den Bund, der Vertiefung menschlicher Bindungen innerhalb der Bruderschaft, der Besinnung auf die moralischen Normen des Freimaurerbundes, sowie der Sammlung und Erbauung des einzelnen Bruders.

Wer kann Freimaurer werden und wie wird man Freimaurer?
Jeder (von Vorurteilen) freie Mann von gutem Ruf kann Freimaurer werden.
Aber jeder, der mit dem Gedanken spielt, beizutreten, sollte wissen, dass er einen Bund fürs Leben schließt. Er soll bereit sein, regelmäßig an den wöchentlichen Zusammenkünften teilzunehmen und sich mit den Inhalten der Freimaurerei vertraut machen. Vorrangig sind jedoch Familie und Beruf. Vom ersten Kontakt mit einer Loge bis zur Initiation dauert es meist schon einige Monate, damit man sich gegenseitig kennenlernen kann.

Was bedeutet Freimaurerei für mich?
Ich stamme aus einem humanistisch geprägten Elternhaus, das mir Werte wie Humanität, Toleranz und gesellschaftliche Verantwortung vermittelt hat. Die Freimaurerei hilft mir, diese Werte nicht nur zu erinnern, sondern immer wieder zu lernen, um sie auch leben zu können, sowohl in meinem privaten, aber auch in meinem geschäftlichen Umfeld. Werte, die zwar bekannt, aber nicht gelebt werden, vergleiche ich gerne mit schönen Bildern in einem dunklen Zimmer. Sie sind vorhanden, aber erst nach nach dem Einschalten des Lichts offenbaren sie sich uns in ihrer ganzen Schönheit.

Schließen möchte ich mit einem kleinen Auszug aus Lessings „Ernst und Falk“:
FALK: Die Freimaurerei ist nichts Willkürliches, nichts Entbehrliches: sondern etwas Notwendiges, das in dem Wesen des Menschen und der bürgerlichen Gesellschaft gegründet ist. Folglich muss man auch durch eignes Nachdenken ebensowohl darauf verfallen können, als man durch Anleitung darauf geführet wird.
ERNST: Die Freimaurerei wäre nichts Willkürliches? – Hat sie nicht Worte und Zeichen und Gebräuche, welche alle anders sein können und folglich willkürlich sind?
FALK: Das hat sie. Aber diese Worte und Zeichen und diese Gebräuche sind nicht die Freimaurerei.
ERNST: Die Freimaurerei wäre nichts Entbehrliches? – Wie machten es denn die Menschen, als die Freimaurerei noch nicht war?
FALK: Die Freimaurerei war immer.

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Der Sieg über den Egoismus?

2010-01-04, von Elita Wiegand

Der Mensch ist gierig, neidisch, skrupellos, egoistisch. Stimmt doch, oder?

stefan-kkeinNein, es  ist ganz anders. Tief in unserem Gehirn ist ein Trieb zu selbstlosen Taten verankert. Der Erfolgsautor Stefan Klein  (Autor der Bücher “Der Stoff, aus dem das Leben ist“, ”Die Glücksformel oder “Alles Zufall: Die Kraft, die unser Leben bestimmt“)  hat in der Zeit ein hervorragendes Dossier zu dem Thema geschrieben.  Am besten selbst lesen, fasse aber hier den Inhalt mal kurz zuammen, um dafür Neugier zu wecken.

Wie ist die Selbstlosigkeit von Menschen zu erklären? Unter welchen Umständen stellen wir unser eigenes Interesse zurück? Beispiele: Heute engagieren sich bei uns zwei Millionen Menschen mehr im Ehrenamt als noch vor zehn Jahren. Mehr drei Millionen Deutsche haben sich registrieren lassen, um Knochenmark entnehmen zu lassen und allein zehn Millionen haben selbstlos für Wikipedia Artikel geschrieben. 

Obama für Arme 
Selbst der Wahlsieg von Barack Obama erklärt Stefan Klein mit einer gewissen Form von Solidarität. Das amerikanische Volk hat einen Präsidenten gewählt, der trotz grandioser Abschlüsse auf der Columbia- und der Harvard Universität eine Karriere als Wirtschaftsjurist ausschlug und stattdessen Sozialarbeiter und Anwalt in den Armenvierteln von Chicago wurde.

Wir sind aufeinander angewiesen
Altruistisches Verhalten, so Klein, sei heute wichtiger denn je ist. Wir stehen vor gewaltigen Aufgaben und müssen weltumspannende Probleme lösen. „Nie zuvor war jeder Einzelne so sehr von anderen oft weit entfernten Menschen abhängig.” Kooperationsbereitschaft fördern, lautet das Gebot der Stunde. Menschen setzen sich für das Gemeinwohl ein, wenn sie wissen, wie sehr sie aufeinander angewiesen sind. Auf Unternehmen übersetzt: Üppige Boni oder Gehaltserhöhungen bringen nur selten die gewünschte Motivation. Es ist besser in ein gutes Betriebsklima zu investieren.
Fazit: Immer mehr Wissenschaftler verabschieden sich von dem Dogma des egoistischen Menschen und der Homo sapiens erscheint zunehmend freundlicher.

Das ist doch eine gute Nachricht für 2010. Weiter so!

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Moment mal!

2009-12-27, von Elita Wiegand

Das Leben entschleunigen, Stille, zu sich kommen – vielleicht ist es Dir über Weihnachten gelungen, abzuschalten und Dich auf das Schöne zu besinnen, jeden Augenblick zu genießen. Die kleinen Momente, die unser Leben ausmachen, die kleinsten Sequenzen, über die wir im Alltag oft hinweg huschen, sie nicht wahrnehmen und uns nur selten bewusst machen. Glück… das sind die vielen Momente:„Werd‘ ich zum Augenblicke sagen: Verweile doch! Du bist so schön!”
Ein Video, für die Zeit, in der wer uns die Zeit nehmen, zu reflektieren: Moments.

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Brokenhagen – Welt im riesigem Vertrauens-Defizit

2009-12-20, von Wolff Horbach

Albert Einstein wird folgendes Zitat zugeschrieben:

»Zwei Dinge sind unendlich: Das Universum und die menschliche Dummheit. Aber beim Universum bin ich mir nicht ganz sicher.«

Ich fürchte, der gute Albert hatte Recht.

Es tut mir leid, hier die Adventskalender-Harmonie zu stören. Ausgerechnet am 4. Advent. Aber es muss sein:

Da treffen sich 14 Tage lang 10.000 Delegierte aus der ganzen Welt, um Maßnahmen gegen eine drohende Klimakatastrophe zu beschließen. Da fliegen alle Mächtigen dieser Welt in der Endphase der Konferenz ein. Und das Ergebnis ist: NICHTS. Ein mickriges Papierchen. Wage, unverbindliche Formulierungen. Außer Spesen nichts gewesen.

Dafür wird etwas anderes sehr deutlich sichtbar: Es herrscht Egoismus pur auf allen Seiten, Gier und Misstrauen.

Dieser eklatante Mangel an Vertrauen wird für uns alle noch SEHR TEUER werden. Andere werden mit ihrem Leben dafür bezahlen müssen.

Manche von euch wissen, dass ich mich seit Jahren mit dem Thema Glücksforschung beschäftige. Es macht mich daher besonders traurig und wütend, dass sich ausgerechnet die bislang glücklichsten Menschen auf ihren Untergang vorbereiten können. Dafür dürften sich bei uns die Anzahl der Depressionen weiter steigern.

Daher plädiere ich dafür, die vierte Kerze heute nicht auf den Adventskranz, sondern unter die Ärsche der Verantwortlichen zu stellen.

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