Von Elita Wiegand
„Wohnst Du noch? Oder lebst Du schon?“ IKEA vermöbelt inzwischen nicht nur die halbe Welt, sondern trifft auch mit dem Werbeslogan ins Schwarze. Wohnen war gestern. Heute ist unser Zuhause der Ort, in dem wir uns selbst verwirklichen wollen. Denn wenn uns draußen ein eisiger Wind ins Gesicht bläst, ziehen wir uns gerne in die eigenen vier Wände zurück und machen es uns so richtig gemütlich. Um das Wohnen ist ein neuer hyprider Markt entstanden, der sich in den nächsten Jahren weiter entwickeln wird.
Das Zukunftsinstitut hat die wichtigsten Trends untersucht.
Umbruch in der Gesellschaft
Der Umbruch in unserer Gesellschaft spiegelt sich in den eigenen vier Wänden wieder: Unser Zuhause wird perforiert von einem ganzen Bündel an Technologiesprüngen, gesellschaftlichen Veränderungen und Wandlungen in der kollektiven Bedürfnisstruktur. Was einmal unser trautes Heim war, wird in Zukunft zu einem Ort der heterogensten Anforderungen und Bedürfnisse. Dieses neue Zuhause muss erst gestaltet werden, und dazu braucht es eine Menge neuer Produkte, Ideen und Dienstleistungen.
Die Neue Bürgerlichkeit
Doch mit einem Mehr an Möglichkeiten steigt parallel auch die Angst vor dem Neuen. Gefüttert durch instabile politische und wirtschaftliche Situationen sowie den Verlust ehemals vertrauter Werte und Moralvorstellungen, macht sich ein neuer Konservatismus breit. Der Rückfall in kleinbürgerliche Idyllen und familiäre Gemütlichkeiten ist die Konsequenz.
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Wir suchen nach dem Glück im Kleinen und schaffen uns mit Blümchen-muster und viel Dekor ein neues Nest.
Mobile Häuser und mobile Möbel
Vorbei die Jahre, in denen Familien viele Jahre an ein und demselben Fleck lebten – über Generationen Möbel und Häuser vererbten. Globalisierung und wirtschaftliche Krisen veranlassen uns, immer häufiger von Ost nach West und von Nord nach Süd zu ziehen. Bedingt durch diese Entwicklung ändern sich unsere Bedürfnisse und Wünsche, die wir an Wohnungen und Möbel stellen. Während es einst Einbauküche und Schrankwand waren, die eine Wohnung komplett machten, zählen heute modulare Schränke, die flexibel platziert werden können, oder auch Möbel mit der Option zum leichten Ab- wie Aufbau und Transport.
Zukunft der Büros
Unser Arbeitsalltag schleicht sich zunehmend in unseren Wohnalltag ein. Büros entwickeln sich auch zu Lebens-räumen. Verstärkt wird daher Wert auf formschöne Arbeits-utensilien und Accessoires gelegt.
Laut der aktuellen Gruner+Jahr-Studie „Wohnen und Leben" wird für mehr als ein Drittel das Design selbst beim Kauf eines Computers/PCs zum mitentscheidenden Kriterium, ganz zu schweigen von Kommunikationstechnik oder Lampen Neben dem Design ist bei Büromöbeln, deren Funktion ausschlaggebend: Stühle müssen möglichst gesund und ergonomisch sein, Tische funktional und das Material am besten ökologisch.
Vitra übernimmt eine Pionierstellung: Technische, ergonomische und ökolo-gische Erkenntnisse werden beim Design berücksichtigt.
Stichwort: Kommunikation
Kommunikation ist der Grundstoff der zukünftigen Gesellschaft – Kommunikation mit Freunden und innerhalb der eigenen „Keimzelle“ (Familie, Partnerschaft, Freunde). Daher bildet Kommunikation auch einen Schwerpunkt der neuen architektonischen Lösungen. Miteinander reden, sich austauschen: Oft findet dies am klassischen Esstisch statt, der damit in seiner Funktion zur Kommunikationszentrale avanciert.
So wird nicht nur beim Essen geredet, sondern auch schon bei der Zubereitung. Sofagruppen werden zu „Talkrunden“ und Sitzkissen gehören dazu.
Kommunikation ist der Kitt und die größte Aufgabe der Zukunftsgesellschaft.
Sofa Konzepte
Der italienische Möbelhersteller Edra hat sich auf Sofa-Konzepte spezialisiert, die vor allem Kommunikation fördern. Die Sofas sind kipp-, dreh-, und wendbar und bieten Platz für unterschiedlichste Kommunikationsformen
Mit „cubista“ haben die Hersteller eine total verwandel-bare Bauweise entwickelt. Die einzelnen Sofateile können frei nach Belieben zusammen-gestellt werden.
Stichwort: Einkehr
Der japanische Star-Architekt Tadao Ando ist weltweit für seine beeindruckenden Bauten bekannt. Ob öffentlicher Bau oder Wohnhaus, die Gebäude sind so gestaltet, dass schon das Betreten zu einem Erlebnis wird. Die Häuser schaffen Raum für persönliche Einkehr und Entwicklung.
Seine Architektur lebt von „einer Spiritualität, die sich z.B. in den vom Architekten bevorzugten, ungewöhnlichen indirekten Zugangswegen und vor allem in seinem Raumgefühl äußert. Ando gilt als ein Vorbild für eine aufkommende Architekten-Generation.
Stichwort: Bad-Wellness
Die Verwandlung des Bades in das Wellnesszentrum für zu Hause unterstützt auch der italienische Hersteller Boffi.
Großzügige Duschen, in den Raum gestellte Badewannen und die Kombination mit Sofas sind Ausdruck dieser Entwicklung.
Stichwort: Entertainment
Entertainment und die technologische Vernetzung spielen künftig im gesamten Haushalt und wie hier im Schlafzimmer eine tragende Rolle.
Die Multi-Room-Anlage von Revox ist ein Produkt dieser neuen Wohngeneration. Mit dem zentralen Multimedia-System, das sich mittels einer Internet-IP-Adresse selbst über das Netz ansteuern lässt, dirigiert man das gesamte Bild- und Tonvergnügen im Haus. Ein Baustein kann die verschiedenen Räume mit unterschiedlicher Musik versorgen. Steuern lässt sich das Multi-Talent über die auf jeden W-LAN-tauglichen Handheld-PC installierbare Fernbedienungs-Software, aber auch von einem Computer aus oder über die in den Räumen fix installierten Bedienelemente. Diese wirken wie Lichtschalter.
Stichwort: Licht
Zukünftig wird Licht in Wohnungen und Büros eine wesentlich komplexere Bedeutung bekommen.Wir sehnen uns danach. Keine Form, keine Farbe, keine Bedeutung ohne das richtige Licht.
Was das richtige Licht ist, entscheidet unsere Stimmung. Und genau diesen Stimmungsschwankungen wird zukünftig das richtige Licht entsprechen. Durch eine intelligente Steuerung und die daran gekoppelten verschiedensten Lichtquellen zielt das Licht genau in das Herz der Menschen.
Stichwort: Design
Küchen des italienischen Herstellers
Boffi folgen der Reduktion und drücken viel mit wenig aus.
Die Räume leben von viel Platz und der harmonischen Abstimmung der Materialien. Auch der italienische Polstermöbel-Hersteller Living Divani lässt gerne Überflüssiges weg. Er konzentriert sich auf die schlichte Form, die zum Sitzen genügt und sich in die zurückhaltende Raum-Landschaft integrieren lässt.
Der japanische Zen-Stil liefert die Basis für die Reduktion. Die Grundprinzipien dafür:
1.) den Geist des Ortes erkennen
2.) dem Wesen der Natur gerecht werden
3.) die Reduktion auf das Wesentliche
4.) die Einfachheit in Form, Linie und Material. |