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Dr. Jürgen Klingen,
3M Deutschland

Über 3M
3M hat das Ziel, das innovativste Unternehmen der Welt und bevorzugter Lieferant bei seinen Kunden zu sein. Daher hat es sich zur Aufgabe gemacht, genauer hinzusehen, besser hinzuhören, offen im Dialog mit seinen Partnern zu sein. Mit dem Ziel, für die Kunden in aller Welt neue, intelligente Problemlösungen für die unterschiedlichen Lebens- und Arbeitsbereiche zu entwickeln.

Geschäftsbereiche
Der Konzern ist weltweit in sieben Geschäftsbereiche unterteilt, die aus rund 40 Divisions bestehen. Die Geschäftsbeiche sind: Display und Grafik, Elektro und Kommunikation, Endverbraucher und Büro, Gesundheitswesen, Industrie
Sicherheit und Schutzfunktionen und Transport. Das Produkt-Universum umfasst mehrere zehntausend verschiedene Produkte.




Dr. Jürgen Klingen ist Senior Technical Manager Corporate Materials & Process Laboratory Corporate Research, 3M Germany



Elita Wiegand interviewte Dr. Jürgen Klingen

3M will das innovativste Unternehmen der Welt sein - Wunsch oder Realität?

Wir liegen derzeit an Platz 3 der innovativsten Unternehmen der Welt. Vor uns liegen Apple und Google. Das sind jedenfalls die Ergebnisse einer aktuellen Studie der Boston Consulting Group. Unsere Innovationskraft verdeutlicht sich in Zahlen: 3M hält weltweit 20.000 Patente, verfügt über 30 Technologieplattformen und einer Palette von über 50.000 verschiedenen Produkten.

Was macht 3M anders, als andere Unternehmen?

Unsere Innovationskultur ist besonders ausgeprägt und erklärt unseren Erfolg. Wir setzen auf Freiräume und fördern die Eigeninitiative der Mitarbeiter. Damit schaffen wir die Basis für ein innovatives Klima im Unternehmen.

Das behaupten viele Unternehmen, die aber dann doch letztlich die Mitarbeiter kontrollieren. Welche Voraussetzungen sind im Unternehmen nötig, um die Eigeninitiative der Mitarbeiter zu fördern?

Bei uns gibt es Management-Prinzipien aus dem Jahre 1948, die bis heute Gültigkeit haben. Der langjähriger Chairman von 3M William L. McKnight sagte damals und das gilt bis heute: „Mit wachsendem Umsatz wird es immer wichtiger, Verantwortung zu delegieren und Mitarbeiter zu Eigeninitiative zu ermutigen. Natürlich entstehen dabei auch Fehler, die aber langfristig weniger schädlich sein werden als die Fehler, die einem Management zwangsläufig unterlaufen, wenn es mit strengen Vorschriften führt und Arbeitsweisen bis ins Detail reglementiert. Ein Management, das überkritisch auf Fehler reagiert, zerstört jede für das Weiterwachsen eines Unternehmens unerlässliche Eigeninitiative.“

Viele deutsche Mitarbeiter tun sich aber genau damit schwer und haben Angst davor Fehler zu machen. Sie treffen vermutlich vorher eine Auswahl - welche Mitarbeiter sind bei 3M beschäftigt?

Bei uns sind natürlich keine Bürokraten beschäftigt und diesen Typus können wir auch nicht gebrauchen. Jemand der ein Handbuch braucht oder dem man sagen muss, was er tun soll, hat bei uns keine Chance. Wir stellen Menschen ein, die gerne selbstständig arbeiten und sich Herausforderungen suchen, um weiterzukommen. Mitarbeiter, die proaktiv und flexibel an eine Aufgabe herantreten, sind bei uns willkommen und diese Menschen fühlen sich auch in der Forschung und Entwicklung bei 3M wohl.

Sie betonen immer wieder, dass man Mitarbeitern Freiraum einräumen muss Wie sieht das konkret bei 3M aus?

Wir lassen unseren Mitarbeitern den Freiraum, um die definierten Ziele zu erreichen. Es herrscht ein kooperativer Führungsstil mit wenig Kontrolle. Für Mitarbeiter im Bereich Forschung & Entwicklung gibt es die so genannte "15 Prozent Regel". Das bedeutet, dass 3M seinen Wissenschaftlern den Freiraum gibt, 15 Prozent ihrer Arbeitszeit eigenen Ideen zu widmen. So entstanden beispielsweise Scotchgard Faserschutz, Imiquimod, ein Wirkstoff, der das Immunsystem gegen Hautkrebs und Warzen aktiviert sowie der Klebstoff, der für die Post-it® Haftnotizen eingesetzt wird. Der Mitarbeiter hat so die Möglichkeit, den Weg zum Ziel auch mal spielerisch zu beschreiten und seine unterschiedlichen Talente einfließen zu lassen.

Welche Rolle spielen dabei die Führungskräfte?

Der Begriff "leadership" ist bei uns ganz klar definiert. "Manager machen die Dinge richtig - Leader machen die richtigen Dinge". Für jeden Mitarbeiter werden, gemeinsam mit dem Vorgesetzten, Zieldefinitionen vereinbart. Die Beurteilung ist ein kontinuierlicher Prozess und Teil der Unternehmensstrategie, die auf eine größtmögliche Transparenz des einzelnen Mitarbeiters hinsichtlich seines Beitrags zum Unternehmenserfolg setzt. Basis für die Bewertung sind so genannte "Leadership-Attributes". Hierzu zählen:
"Energizes others" (motiviert Andere)
"Raises the bar" (die Messlatte anheben),
"Charts the course" (den Kurs vorgeben),
"Delivers Results" (erzielt Ergebnisse),
"Resourcefully innovates" (Einfallsreichtum, Innovationen schaffen),
"Lives 3M values" verkörpert 3M Werte.

Das so genannte "Dual Ladder-Programm" ermöglicht es Nachwuchskräften aus den Bereichen Wissenschaft und Forschung Karrieren jenseits des Managements zu machen – bei gleichen Entwicklungsmöglichkeiten und gleicher Wertigkeit. Als Spezialist ohne Personalverantwortung kann der Forscher bis zum Corporate Scientist (im Range eins Direktors) aufsteigen, der dann über eine große Freiheit in der Auswahl seiner Projekte verfügt. Natürlich steht auch der „klassische“ Weg über mehr Personalverantwortung und Supervision ins Management (z.B. als technical director) ebenfalls offen.

Das Beispiel von 3M zeigt, dass eine positive Unternehmenskultur für Innovationen entscheidend ist. Was können Firmen von 3M lernen?

In deutschen Firmen wird immer noch viel zuviel kontrolliert. Dieses Denken überträgt sich auf die Mitarbeiter und sie folgen den Anweisungen des Chefs. Die Mitarbeiter haben verlernt eigenständig zu denken und Entscheidungen zu treffen. Ich merke das oft, wenn ich anderen Firmen bin, das die alltägliche Anleitung sehr viel intensiver als bei uns ist und mehr vorgeschrieben wird. Da gibt es strengere Systeme und Reglements und es wird mehr organisiert. Sobald sich Mitarbeiter frei fühlen, experimentieren sie auch, werden kreativ und so entstehen Innovationen.

3M ist in den verschiedensten Technologiefeldern aktiv. Da liegt die Vermutung nahe, dass sich ein Unternehmen dabei "verzettelt". Warum setzen Sie bewusst auf Vielfalt?

3M hat als Unternehmen den Anspruch, in den Märkten, in denen es sich engagiert, führend zu sein. Dies führt automatisch zu einer Fokussierung der Aktivitäten - insbesondere auch der Forschungsaktivitäten. Das breite Technologiespektrum ermöglicht es uns, durch unterschiedliche Kombinationen vorhandener Technologieplattformen ständig neue Anwendungen zu erschließen bzw. neue Produktlösungen zu entwickeln.

Und Sie binden den Kunden frühzeitig in die Produktentwicklung ein. Können Sie ein Beispiel nennen?

Ganz aktuell ist, dass wir gemeinsam mit der Automobilindustrie einen neuen Zweikomponenten-Klebstoff entwickelt haben, der der Crash Performance von Einkomponenten-Klebstoffen entspricht und gleichzeitig enorme Prozessvorteile bietet. Der Klebstoff befindet sich zurzeit in der Testanwendung bei einem großen Automobilhersteller. Mit der Markteinführung wird Anfang des nächsten Jahres gerechnet.

3M beschäftigt weltweit 70.000 Mitarbeiter. Wie gestaltet sich die globale Zusammenarbeit?

Es findet ein kontinuierlicher Austausch mit F&E Mitarbeitern aus anderen 3M Niederlassungen weltweit statt - auch unterstützt durch moderne Kommunikationsmittel wie Videokonferenz. In der Regel ist man mindestens einmal pro Jahr in den USA, um mit den Kollegen vor Ort über laufende Projekte zu diskutieren. Hochschulkooperationen spielen aus unterschiedlichen Gründen eine wichtige Rolle: Sie bieten die Möglichkeit, frühzeitig Talente zu sichten, langfristige gemeinsame Forschungsprojekte zu betreiben sowie befristete Projektarbeiten zu Schwerpunktthemen zu vergeben.

Was macht für Sie persönlich 3M aus - warum arbeiten Sie dort gerne?

Es ist für mich ein sehr modernes Unternehmen, bei dem man sehr viel Freiheit hat. 3M legt viel Wert auf die Entwicklung des Mitarbeiters. Hier werden Talente gefördert – und das habe ich als Benefit selbst erlebt. Ich arbeite in einer farbenfrohen Company und schätze die Vielfalt. Heute spreche ich mit einem Mann aus dem Gesundheitswesen, morgen mit dem Marketingchef bei BMW. Es macht einfach Spaß in einem innovativen Unternehmen zu arbeiten.

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Pressekontakt:
3M Deutschland GmbH
Anja Ströhlein

Carl-Schurz-Str. 1
41453 Neuss
Tel: +49 (0)2131-14-2854
Fax: +49(0)2131-14-3470

E-Mail: astroehlein@mmm.com

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