Von Markus Frey
Ein Schreckgespenst macht die Runde. Es taucht im Leben der Betroffenen zunächst ganz langsam auf und entzieht ihnen immer mehr an psychischer und auch physischer Kraft, bis eines Tages die Diagnose lautet: „Burnout“.
Unter „Burnout“ wird ein seelisch-körperliches Erschöpfungssyndrom verstanden, das in Zusammenhang mit der Haupttätigkeit eines Menschen, in der Regel dem Beruf, auftritt. Es betrifft meistens die Engagierten und Hochmotivierten und wurde zuerst 1974 von dem amerikanischen Psychologen und Arzt Herbert Freudenberger beschrieben. Als erstes sind ihm Therapeuten in Drogenkliniken aufgefallen, die in auffälliger Häufigkeit Symptome des Ausbrennens zeigten.
Bald zeigte sich, dass auch Angehörige anderer zu den „sozialen“ Berufen zählende Berufsgruppen gefährdet waren. Die Zahlen sind erschreckend. So zeigen neuere Studien aus den letzten Jahren, dass jeder fünfte Arzt und auch 40 bis 60 Prozent der Pflegekräfte betroffen sind. Ebenfalls zu den Hochrisikogruppen gehören Lehrer mit 35% (dazu weitere 30% im Frühstadium) sowie pflegende Angehörige, bei denen der Burnout-Experte Joachim Bauer von der Universität Freiburg einen Anteil von 60 bis 80% an Burnout-Betroffenen schätzt.
Nicht nur klassische Sozialberufe
Aber es sind längst nicht nur die klassischen Sozialberufe betroffen. So hat beispielsweise der Begriff der „Manager“-Krankheit immer noch eine gewisse Berechtigung. Doch längst hat die Burnout-Forschung neue Risikogruppen ausgemacht, z.B. Beschäftigte in Call-Centern oder der ganze Dienstleistungsbereich von den Banken bis zur Polizei. Auch Spitzensportler und deren Trainer scheinen besonders gefährdet, wie die Fälle des Skispringers Sven Hannawald, des Fußballers Jan Simak oder des holländischen Trainers Frenkie Schinkel zeigen.
Symptome
Ein Grund, warum Ärzte bei der Diagnose eines Burnout-Syndroms oft sehr zurückhaltend sind, ist, dass die Symptome auch bei vielen anderen Krankheiten auftauchen. Besonders häufig sind jedoch neben Konzentrations- und Gedächtnisstörungen auch (je nach Veranlagung) Herz- und Kreislaufbeschwerden, Bluthochdruck und Schwindel. Auch Rücken oder Muskelschmerzen, die ohne ausreichenden körperlichen Befund bleiben, können auf ein Burnout-Syndrom hinweisen
Gründe
Die Gründe, die zu einem Burnout-Syndrom führen können, sind vielfältig. Zunächst einmal ist zu sagen, dass von einem Burnout in der Regel die Engagierten im Lande betroffen werden („Wer ausgebrannt ist, muss zuerst gebrannt haben!“). Menschen mit hohen Ansprüchen und einem Hang zum Perfektionismus sind speziell gefährdet.
Allerdings muss bis zur Entstehung eines Burnout noch mehr zusammenkommen. Schließlich muss längst nicht jeder Hochleister damit rechnen, auszubrennen. Sein Risiko erhöht sich aber massiv, wenn er gleichzeitig dazu neigt, eigene Bedürfnisse zu leugnen und dazu die soziale Anerkennung seines Engagements ausbleibt. Sehr bedeutsam ist auch, dass Burnout-Betroffene entweder keine klaren Vorstellungen über ihre Werte und Ziele haben und dass sie keinen Sinn in ihrer Arbeit im Speziellen und in ihrem Leben im Allgemeinen (mehr) entdecken können.
Vorbeugung und Überwindung
Eine nachhaltig wirkende Vorbeugung bzw. Überwindung eines Burnout darf insbesondere die letztgenannten Punkte „Werte, Sinn und Ziele“ nicht ausblenden. So sinnvoll und wichtig eine verbesserte Beachtung von Erholungszeiten, der Einbezug von Bewegung in den Lebensstil, eine gehaltvolle Ernährung und andere Aspekte sind – das Fehlen von klar definierten Werten, Sinn und Zielen verhindert allzu oft eine nachhaltig wirkende Burnout-Prävention. Diese Arbeit kann von Psychotherapeuten und auch von entsprechend ausgebildeten Coaches unterstützt werden. Während letztere aber in der Regel privat bezahlt werden müssen, wird fachgerechte Psychotherapie von den Kassen übernommen.
Und die Arbeitgeber?
Die unter nicht wenigen Führungskräften verbreitete Philosophie des „Nichts-gesagt- ist-genug-gelobt“ hat sich als stark begünstigend für die Entwicklung eines Burnout-Syndroms bei den davon betroffenen Mitarbeitern erwiesen. Ähnliches ist von hochgradig strukturiertem Führungsverhalten zu sagen, das den Mitarbeitern keine oder nur sehr wenige Lösungsmöglichkeiten für anstehende Probleme lässt. Fehlende Gestaltungsspielräume sind auch das Thema bei monotonen Arbeitsabläufen mit fehlender Anforderungsvielfalt. Wenn dann noch eine hohe Verantwortung hinzukommt, dann ist die Burnout-Gefahr schon fast mit Händen zu greifen.
Wie eine Untersuchung aus dem Jahre 2004 gezeigt hat, gehören Schulungen und entsprechende Coachings von Führungskräften zu den effektivsten Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung. Dies gilt mit Sicherheit bei der Stress- und Burnoutprävention noch verstärkt, zeigen doch Umfragen immer wieder, welch hohe Bedeutung das Führungsverhalten auch an dieser Stelle hat. Aber auch eine erhöhte Aufmerksamkeit bei entsprechend disponierten Mitarbeitern würde schon eine Menge helfen, um die mit einem Burnout fast immer verbundenen langen Fehlzeiten zu reduzieren.
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