Drucken Versenden Kommentare   Weiterempfehlen
27.01.2012  08:11 Uhr

Größte Produktivitätsressource
Emotion macht‘s

Sie haben mehr Spaß bei der Arbeit, bringen mehr Ideen ein, sind seltener krank, freundlicher zu Kunden und empfehlen ihre Firma gerne weiter: Mitarbeiter, die sich in ihrem Unternehmen emotional aufgehoben fühlen, sind nicht nur besser drauf, sondern auch produktiver.

Die emotionale Bindung der Mitarbeiter ist ein Schlüsselfaktor für Unternehmen – ein Interview mit Marco Nink

„Das Gefühl, unterstützt und gefördert zu werden, ist aber ganz, ganz wichtig. Menschen wollen spüren, dass sie persönlich und fachlich vorankommen können.“ Sagt Marco Nink von Gallup Deutschland. Der „Engagement Index“ des Beratungsunternehmens zeigt allerdings, dass es um die emotionale Bindung der Mitarbeiter in deutschen Unternehmen nicht gut bestellt ist. Doch mangelnde emotionale Bindung kostet Geld. Ein Interview zum Gallup Engagement Index 2010.

Marco Nink ist Strategic Consultant bei Gallup in Deutschland. Er hat Publizistik, Politikwissenschaft und Soziologie studiert und berät deutsche und internationale Unternehmen in Fragen des Personal- und Kundenmanagements.

Herr Nink, wie „in Beton gegossen“ seien die Werte des Mitarbeiterengagements in Deutschland, hatten wir das Interview mit Ihnen vor einem Jahr überschrieben. Wie sieht es in diesem Jahr aus – stabil auf niedrigem Niveau?

Absolut. Seit der ersten Untersuchung im Jahr 2001 erweist sich der Index als sehr stabil, unabhängig davon, ob es mit der Konjunktur bergauf oder bergab geht. Die minimalen Veränderungen, die wir über die Jahre hinweg registrieren, sind statistisch nicht signifikant. Zwei Drittel der Beschäftigten machen Dienst nach Vorschrift. Jeder fünfte Arbeitnehmer hat innerlich gekündigt. Und nur ein kleiner Teil der Beschäftigten, nämlich jeder siebte, ist mit Herz und Verstand bei der Sache.

Sie haben nach Schwachstellen im Führungsverhalten gefragt. Was an den Ergebnissen sticht besonders ins Auge?

Dass es die einfachen Dinge des täglichen Umgangs sind, die die Mitarbeiter vermissen. Für viele Vorgesetzte ist Lob ein Fremdwort. Dabei steht in jedem Managementhandbuch, wie wichtig ein einfaches Danke für gute Arbeit ist – zudem kostet es das Unternehmen nicht einmal etwas. Aber man agiert nach wie vor nach der Devise „Nicht geschimpft ist Lob genug“. 

Auch die Feedback-Kultur ist ein Knackpunkt. Mitarbeiter beklagen, dass sie keine regelmäßige Rückmeldung zu ihrer Arbeitsleistung erhalten. Aber woher sollen sie denn wissen, wo sie stehen, was sie gut machen, was weniger gut und wo sie besser werden müssen? 

Die Beschäftigten bemängeln ferner, dass ihre Ansicht kaum Gewicht hat. Wenn sie aber immer auf taube Ohren stoßen, werden sie sich irgendwann ausklinken, sich zurückziehen und resignieren. Die Folge: Anregungen und Diskussionen bleiben aus und Innovationen werden nicht erdacht. Mitarbeiter müssen – und das macht gute Führung aus – fühlen, dass das, was sie sagen, wirklich eine Rolle spielt, und zwar unabhängig von ihrem Rang und Titel. 

Wie erklären Sie diese deutliche Konstanz?*

Es ist nicht so, dass die Arbeitnehmer die Stimmungen in der Wirtschaft nicht wahrnehmen. Sie haben ein sehr gutes Gefühl dafür, wie die aktuelle Wirtschaftslage aussieht, ob sie sich verbessern oder verschlechtern wird und wie sicher ihr eigener Arbeitsplatz ist. Aber der Grad der emotionalen Bindung ist weniger von externen Rahmenbedingungen beeinflusst, sondern vielmehr durch den direkten Vorgesetzten. Er prägt das Arbeitsumfeld und ist verantwortlich dafür, wie die Erwartungen und Bedürfnisse der Mitarbeiter am Arbeitsplatz erfüllt beziehungsweise befriedigt werden.

Defizite eröffnen immer auch Handlungspotenziale. Wo lässt sich ansetzen, um die Situation zu verbessern?

Entscheidend sind die Führungskräfte. Sie müssen ihr Führungsverhalten am Menschen orientieren, um nämlich den Erwartungen und den Bedürfnissen der Mitarbeiter gerecht zu werden.

Mangelnde emotionale Bindung kostet Geld: Man denke nur an nicht realisierte Innovationen oder an die Fehlzeiten, die dadurch entstehen. Unternehmen schneiden sich daher ins eigene Fleisch, wenn sie sich dieser Themen nicht annehmen. Ein Programm, um die Mitarbeiter emotional zu binden, kostet einen Bruchteil der Kosten, die beispielsweise alleine durch ungewollte Fluktuation entstehen.

Das gesamte Interview lesen Sie hier: wym-1298279432687


 

(Winfried Kretschmer)

  • Tags:
  • Marco Nink
  • Winfried Kretschmer

Fotokennzeichnung:
Bild Nr. 1 © Marco Nink

 

 


Verwandte Artikel »


 
 
Der Business-Club für Querdenker
© 2012 innovativ.in UG haftungsbeschränkt  Alle Rechte vorbehalten.