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25.01.2011  12:43 Uhr

Dr. Marc Andree Groos, Vaillant
Wachstum durch Nachhaltigkeit

Die Vaillant Group ist seit über 135 Jahren in den Bereichen Heiz-, Klima- und Lüftungstechnik aktiv. Das Unternehmen setzt verstärkt auf Nachhaltigkeit. Hintergründe in einem Interview von Elita Wiegand mit Dr. Marc Andree Groos, Geschäftsführer Vaillant Deutschland.

Nachhaltigkeit ist inzwischen zu einem inflationären Begriff geworden. Wie lautet Ihre Definition?

Dr. Marc Andree Groos: Wir sehen Nachhaltigkeit in mehreren Dimensionen: Ökologisch, ökonomisch und sozial. Auf die drei Ausrichtungen, versuchen wir pragmatische Antworten zu finden. Wir engagieren uns bei der Ökologie, treiben die Energieeinsparungen im Haus weiter voran und wir wollen den CO2 Ausstoß reduzieren. Bei der ökonomischen Nachhaltigkeit setzen wir uns vernünftige Wachstumsziele.

Hinter vorgehaltener Hand, sagen viele Unternehmer, dass Wachstum im Widerspruch zum nachhaltigen Engagement steht. Wie ist Ihre Erfahrung?

Dr. Marc Andree Groos: Unternehmen dürfen wachsen, müssen wachsen, aber das Wachstum sollte ausgewogen sein. Für uns schließen sich nachhaltiges Handeln und zukunftsorientiertes Wirtschaften keinesfalls aus. Im Gegenteil: Unsere energiesparenden Produkte arbeiten zunehmend auf Basis regenerativer Energien. Damit hat sich Vaillant ein starkes ökonomisches Standbein geschaffen, das auch ökologischen Ansprüchen gerecht wird.

Vaillant wurde im letzen Jahr mit dem Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet und Sie haben viele Aktionen auf der Plattform Utopia begleitet. Warum ist Nachhaltigkeit für Vaillant auf einmal ein Thema?

Dr. Marc Andree Groos: Nachhaltigkeit ist für Vaillant schon immer ein Thema gewesen. Als Familienunternehmen mit einer 135-jährigen Geschichte haben wir schon immer eine nachhaltige Unternehmenskultur gepflegt. Zum Beispiel war der Gründer des Unternehmens Johann Vaillant derjenige, der sehr früh den freien Samstag und bezahlten Urlaub eingeführt hat. Bei uns gab es also immer schon ein soziales Engagement. Zudem tragen unsere Produkte seit vielen Jahrzehnten dazu bei, Emissionen zu reduzieren und Ressourcen möglichst sparsam einzusetzen.

Nun werden vermutlich viele sagen, dass die Vaillant Group das Unternehmen für Heiz-, Klima- und Lüftungstechnik ist und von daher ein großes wirtschaftliches Interesse hat, sich mit Nachhaltigkeit zu positionieren. Was sagen Sie den Kritiker?

Dr. Marc Andree Groos: Im Jahre 2007 hat die GfK Menschen in Deutschland danach befragt, wie sie Energie sparen. Für viele ist es selbstverständlich, dass sie die Stand-by Schalter ausschalten und fast jeder nutzt Energiesparlampen. Doch der Strom macht im Haushalt gerade mal zwei Prozent des Energieverbrauchs aus. Ein viel größerer Hebel ist die Heizung und das Wasser. Wir bieten heute Lösungen an, mit denen man 20 bis 50 Prozent einsparen kann. Bisher ist das bei den Verbrauchern nicht angekommen. Die deutsche Heizung ist im Durchschnitt 24 Jahre alt. Gemeinsam mit den Handwerkern vor Ort möchten wir ein stärkeres Bewusstsein dafür schaffen, dass in unseren Kellern ein Riesenpotenzial zur Reduzierung von Treibhausgasen schlummert. Da braucht es noch viel Aufklärung, um das Thema bei Bauherren, Hauseigentümern und der Politik zu platzieren.

Um den CO2 Ausstoß zu verringern, geht in Zukunft noch mehr um Energieeffizienz. An welchen innovativen Lösungen arbeitet Vaillant?

Dr. Marc Andree Groos: Ein Thema, das schon heute große Relevanz hat, ist die Einbindung von Technologien auf Basis regenerativer Energien in das Heizungssystem. Neu ist bei uns die Zeolith-Gas-Wärmepumpe, ein Mehrfachhybridsystem, das umweltfreundliche Sonnenwärme und das natürliche Material Zeolith in den Heizprozess integriert. Damit lassen sich im Vergleich zu herkömmlichen Heizungen bis zu 34 Prozent Energie einsparen. Mit Honda entwickeln wir gerade Mini-Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen, die gleichzeitig hocheffizient Strom und Wärme für Einfamilienhäuser produzieren.

Nun überrascht es erst mal, dass Vaillant mit Honda zusammenarbeitet. Wie kam es zu der Kooperation?

Dr. Marc Andree Groos: Vaillant ist seit vielen Jahren im Bereich der Kraft-Wärme-Koppelung aktiv. Zum einen bieten wir schon heute Anlagen für größere Immobilien an, zum anderen forschen wir intensiv an der Brennstoffzellentechnologie. Honda ist zum einen der größte Motorenbauer der Welt, zum anderen auch ein Familienunternehmen mit ähnlichen Werten, wie wir sie vertreten. Da lag eine Zusammenarbeit nahe.

Sie stecken mit den Mini-Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen noch in der Testphase. Welche Erfahrungen haben Sie bisher gemacht?

Dr. Marc Andree Groos: In Japan und in den USA hat Honda bisher 90.000 dieser Systeme vermarktet. Nun haben wir in Deutschland andere Normen und Anschlussbedingungen. Unsere Entwicklungsarbeit besteht derzeit darin, das System an die deutschen Bedingungen anzupassen. Mit unseren ecopower-Geräten sind wir schon seit Jahren erfolgreich auf dem Markt.

Worin sehen Sie die dringendsten Aufgaben?

Dr. Marc Andree Groos: Mich würde es freuen, wenn wir die Diskussion um Energieeinsparungen nicht wie bisher auf Themen wie Enegiesparlampen oder Hybridautos reduzieren. In unseren Kellern liegt der Schlüssel, um nachhaltig Energie zu sparen, Ressourcen zu schonen und die politisch vorgegebenen Klimaziele zu erreichen.


 

(Elita Wiegand)

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Fotokennzeichnung:
Bild Nr. 1 © Vaillant

 

 


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