www.innovativ-in.de - Dienstag, 16. März 2010


Dein Job ist es,
frei zu sein

Von Wolfgang Horbach

Globalisierung, Mitbewerberdruck, Kostendruck, Erfolgsdruck. Der Alltag der meisten Manager ist geprägt von Hektik, Zeitnot und dem Zwang zu schnellen, harten Entscheidungen. Spiritualität scheint dagegen etwas zu sein für die Weltabgewandten, die Träumer und Kuschelbedürftigen. Der PR-Profil Paul J. Kohtes zeigt in seinem Buch „Dein Job ist es, frei zu sein“, das gerade mehr Kreativität und Leichtigkeit die Basis für beruflichen und persönlichen Erfolg bilden.

Management und spirituelle Erfahrungen scheinen auf den ersten Blick miteinander unvereinbar. Hier die Welt des knallharten Geschäftes, wo es ständig darum geht, dem Mitbewerb ein Schnippchen zu schlagen und dabei höllisch aufzupassen, selbst nicht unter die Räder zu geraten. Dort die Welt des Zurückgezogenseins, des Meditierens und Geschehenlassens. Menschen, die sich von der Spiritualität angezogen fühlen, empfinden die Welt des Managements / der Manager oft als kalt und unmenschlich. Manager dagegen scheinen mit Spiritualität nichts anfangen zu können und empfinden die anderen als realitätsfern und Spinner.

PR-Papst
Paul J. Kohtes ist kein Spinner. Im Alter von 28 Jahren gründete er vor über 30 Jahren eine Beratungsgesellschaft für Öffentlichkeitsarbeit. Heute ist PLEON Kohtes Klewes die mit Abstand führende PR-Agentur in Deutschland. In der Branche ist Kohtes als PR-Papst bekannt. Er hat in seinem reichhaltigen Berufsleben fast alle Unternehmen beraten, die Rang und Namen haben. Er kennt von daher die Zwänge, denen das Management offensichtlich unterliegt, aus eigener Erfahrung und von Seiten der Kunden nur allzu gut.

Der Autor verbirgt nicht, dass ihn Rückschläge und eine Lebenskrise haben nachdenklich werden lassen. Durch eigene spirituelle Erfahrung ist ihm klar geworden, dass die Zwänge meistens der Beschränkung des eigenen Denkens entspringen. Folgerichtig ruft er dazu auf, sich nach und nach von diesen Zwängen zu befreien. In 14 leicht überschaubaren Kapiteln erfährt der Leser oft eine überraschende Sichtweise zur eigenen Identität, Umgang mit der Zeit und Zielen, die Einstellung zu Geld und Wahrheit.

Zen und die Kunst des Managements
So lautet der Untertitel des Buches. Zen ist ein vor allem in China und Japan verbreiteter Zweig des Buddhismus, in dem es verpönt ist, etwas zu glauben. Zen-Meister sind weniger Lehrer im klassischen Sinne, sondern eher erfahrene Mentoren, die ihren Schülern dazu verhelfen, eigene Erfahrungen zu machen. Nicht das gelehrte Wort soll den Schüler überzeugen, sondern die eigene, unmittelbare Erfahrung.

Daher ist es wichtig, zu wissen, dass der Autor selbst über jahrelange Zen-Erfahrung verfügt und heute dazu verhilft, anderen – vor allem Managern – befreiende Erkenntnisse selbst zu erfahren. In guter Zen-Tradition sind daher die Ausführungen des Buches klar und einfach gehalten. Sie beleuchten in jedem Kapitel einen wichtigen Aspekte und fordern den Leser auf, durch Übungen die Einsichten zu vertiefen. So endet jedes Kapitel mit der Anleitung zu drei konkreten Übungen.

Kein Manager-Fastfood
Trotz der „nur“ 190 Seiten ist das Buch nichts für Fastfood-Fans. Vielmehr ruft uns der Autor im Vorwort dazu auf, den Inhalt nur in kleinen Stücken zu genießen und vor allem vernünftig zu verdauen.

Die Kapitel sind mit zahlreichen Zen-Geschichten gespickt. Je nach Erfahrung beleuchten sie schlagartig die Essenz des Kapitels oder lassen uns sehr nachdenklich werden. Die Doppeldeutigkeit mag einige verwirren. Anderen verhelfen sie zu einem befreienden Lachen. Das Buch eignet sich dazu, immer wieder in die Hand genommen zu werden, zu reflektieren und zu vertiefen.

Identität: die Basis für Denken und Handeln
Der Autor zeigt, dass unsere eigene Identität – so wie wir uns sehen und unsere Stellung in der Welt betrachten – entscheidend ist für unser Denken und Handeln. Wenn eigene Identität und die Identität des Unternehmens, in dem wir täglich viele Stunden zubringen, nicht halbwegs übereinstimmen, dann werden wir uns ständig in Konflikten befinden.

Das Thema Identität scheint für Paul J. Kohtes so wichtig zu sein, dass er seine gesamten Geschäftsanteile an der Agentur – und die dürften bei dem Erfolg beträchtlich sein – in die Identity Foundation eingebracht hat.

Der rote Faden: Befreiung
Das Thema „frei sein“ zieht sich wie ein roter Faden durch alle Kapitel. Es geht um die Befreiung von der Vorstellung, alles wäre machbar und ließe sich erzwingen. Die Erkenntnis, dass manche Dinge einfach ihre Zeit brauchen, um sich zu entwickeln, bewahrt uns davor, zu unpassender Zeit Kraft und Geld zu vergeuden. Die Erkenntnis, dass es oft sinnvoll ist, Ziele abzuändern und statt sinnlos gegen Hindernisse und Widerstände anzurennen, lieber sie wie Wasser zu umfliesen, lässt uns mit mehr Leichtigkeit und Freude auf eine Vision zustreben. Die Erkenntnis, dass Spielen ein elementares Element des Lebens ist, verschafft uns mehr Freude bei der Arbeit und befreit uns von Zwanghaftigkeit und Verbissenheit. Die Freude macht uns kreativer und führt oft zu besseren Arbeitsergebnissen.

Zwei Erfolgsfaktoren: Individualität und Hierarchie
Hat der Autor bis hierher gezeigt, dass sich Management und Spiritualität nicht gegenseitig ausschließen, so räumt er auch noch mit einem anderen Vorurteil auf: dem scheinbaren Widerspruch zwischen Individualität und Hierarchie. Gerade amerikanische Unternehmen zeigen, dass ihre Gründer oft extrem visionär sind und scheinbar verrückten Ideen nachjagen. Gleichzeitig gelingt es Ihnen, in der Abarbeitung, der Umsetzung eine hocheffiziente Organisation aufzubauen, die streng nach hierarchischen Prinzipien arbeitet. Die Kunst besteht darin, beides gleichzeitig zu tun: Denken ohne Grenzen, Entwickeln phantastischer Ideen und dann bei der Umsetzung sehr stringent vorzugehen. Die jüngste Erfolgsgeschichte von Google mag dafür ein Beispiel sein.

Mit mehr Kreativität und Leichtigkeit zum Erfolg
Der Autor weist dem Leser einen persönlichen Weg, den er selbstverständlich dann selbst gehen muss. Er fordert uns auf, mehr Unabhängigkeit im Denken und Handeln anzustreben, Mitgefühl für alles um uns herum zu entwickeln, uns mehr Zeit zu nehmen und mehr zu spielen. All das hat ein Ziel: mehr Kreativität, mehr Leichtigkeit und mehr Erfolg im Beruf wie im Privatleben – Schritte zur Freiheit.



Autor: Paul Kohtes


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