www.innovativ-in.de - Freitag, 03. September 2010
Wolfgang Grupp,
TRIGEMA

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Trigema ist der größte deutsche T-Shirt-Hersteller und verkauft mehr als acht Millionen T-Shirts jährlich. Wolfgang Grupp übernahm 1969 die Fabrik und beschäftigt heute mehr als 1200 Mitarbeiter. Grupp fertigt ausschließlich in Deutschland.
Ein Interview von Elita Wiegand
Sie sind dafür bekannt, dass Sie den Standort Deutschland verteidigen. Viele Unternehmer belächeln Ihre Einstellung. Wie gehen Sie mit der Kritik um?
Es ist mir egal, was andere über mich reden. Ich werde nicht nur belächelt, sondern auch massiv von Kritikern beschimpft. Viele warten nur darauf, dass ich am Boden liege und mein Geschäft nicht mehr läuft. Das weiß ich. Ich bin unbequem, weil ich die Wahrheit sage - das will eben keiner hören.
Welche unbequemen Wahrheiten verbreiten Sie?
Ich verurteile Unternehmer und Manager, die Mitarbeiter auf die Straße setzen und Arbeitsplätze vernichten. Und ich verurteile den Größenwahn. Unternehmer, die ihr Geld ins Ausland schaffen und dann auch noch Konkurs anmelden. Die Last dieses unverantwortlichen Handelns tragen wir- die Steuerzahlen. Darüber rege mich auf und ich bin der Meinung, dass Politiker endlich handeln müssen.
Aber Politiker können Unternehmer nicht zur Verantwortung zwingen...
Doch. Wir haben einen ruinösen Wettbewerb. Nehmen Sie zum Beispiel Walter Bau. Der kauft ein Unternehmen nach dem anderen auf und am Schluss fährt er die Unternehmen vor die Wand und ist insolvent! 6000 Mitarbeiter haben keinen Job mehr und Handwerksbetriebe, die daran hängen, sind von der Pleite betroffen. Deshalb brauchen wir Verantwortung und Haftung – Unternehmer müssen für ihr Handeln persönlich haften. Das ist das einzige Konzept, das funktioniert. Hohe Steuern für die, die keine Verantwortung übernehmen und für die anderen Steuernachlässe. Die Insolvenzen würden rapide abnehmen, weil vorsichtiger taktiert würde und Entscheidungen wieder sorgfältiger getroffen würden. Ich stehe auch mit meinem Privatvermögen gerade. Ich grantiere Ihnen, dass Schrempp Chrysler nie gekauft hätte, wenn er mit seinen Bezügen persönlich gehaftet hätte.
Haftung und Verantwortung widersprechen sich, weil Umsätze und Gewinnmaximierung im Vordergrund stehen.
Manager müssen endlich kapieren, dass Gewinnmaximierung allein für das Unternehmen tödlich ist.
Worum geht es denn?
Es geht um langfristiges Denken. Ein Unternehmen ist nur dann für die Zukunft gerüstet, wenn die Mitarbeiter zufrieden sind.
Dieser Standardsatz ist weit verbreitet. Klingt so ähnlich wie „Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt“.
Trotzdem: Als Unternehmer habe ich dafür zu sorgen, dass sich die Mitarbeiter wohl fühlen. Motivierte Mitarbeiter bringen auch Leistung und arbeiten gerne. Mein Großvater war ein Mann, der einfach geschätzt wurde, weil er für die Mitarbeiter gesorgt hat. Es geht um Menschlichkeit und ethische Werte. Das Miteinander ist das, was wir alle in unserer Gesellschaft vermissen. Ich bin als Chef einer Firma ohne Mitarbeiter machtlos und umgekehrt brauchen die Mitarbeiter mich. Wir teilen den Erfolg uns freuen uns gemeinsam.
Das klingt tugendhaft
Tugend ist die Basis für Erfolg. Früher waren Tugenden für jeden selbstverständlich: Gerechtigkeit, Verantwortung, Anständigkeit, Fleiß und Disziplin - so bin ich erzogen worden und danach lebe ich.
Zurück zu Werten?
Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir mit lauter Egoisten in einer globalisierten Welt noch Zufriedenheit erlangen. Ein Manager oder Geschäftsführer muss nun mal eine Vorbildfunktion einnehmen.
Sie gelten als deutscher Vorzeigeunternehmer. Wie gefällt Ihnen die Rolle?
Gut. Ich identifiziere mich mit meiner Heimat und bin stolz darauf ein deutscher Unternehmer zu sein. Wir brauchen Vorzeigeunternehmen, die in Deutschland erfolgreich sind. Für mich ist es ein Unding, dass deutsche Firmen Mitarbeiter auf die Straße setzen, um in einem Billiglohnland zu produzieren und damit den Profit zu erhöhen. Wir müssen hier Leistung bringen, um damit auch die ausländischen Märkte zu bedienen.
Haben Sie nie daran gedacht Ihre T-Shirt Produktion ins Ausland zu verlagern?
Nein. Ich kenne keinen Textilproduzenten, dem es besser geht, nur weil er im Ausland produziert. Steilmann war früher der Modehersteller überhaupt. Er hat viele Arbeitsplätze in Deutschland abgebaut. Ich frage mich, ob es ihm etwas gebracht hat oder die Firma Seidensticker....
Unternehmer beschweren sich ständig über die hohen Arbeitslöhne. Würde zum Beispiel ein Auto komplett in Deutschland produziert, wäre es nicht mehr bezahlbar, heißt es. Teilen Sie die Meinung?
Früher haben wir hier auch Autos produziert und Überstundenzuschläge bezahlt - keiner hat davon gesprochen, dass deutsche Löhne zu teuer seien. Damals liefen die Bänder auf Hochtouren und trotzdem gab es lange Lieferzeiten. Die Kapazitäten wurden aufgestockt, dass man keine Lieferzeiten mehr hatte - und man lieferte sich gegenseitig einen ruinösen Wettbewerb. Seitdem sind die Löhne der Arbeiter Schuld. Tatsache aber ist: Jeder wollte mehr verkaufen und plötzlich gab es Überkapazitäten. Zum Schluss konnten die Kosten nicht mehr aufgefangen werden. Größenwahn und Profitgier sind maßgeblich an der katastrophalen Entwicklung in der Wirtschaft mitverantwortlich.
Sie liefern ein Beispiel dafür, dass „Made in Germany“ funktioniert. Honorieren eigentlich die Verbraucher Ihr Engagement?
Natürlich gibt es viele Verbraucher, die bewusst unsere Produkte kaufen, weil wir uns zu dem Standort Deutschland bekennen. Die Kunden wollen aber auch nicht enttäuscht werden. Das heißt, dass ich verpflichtet bin, Ihnen ein gutes Produkt zu bieten. Sie haben zwar mehr dafür bezahlt, aber sie haben auch mehr an Qualität dafür bekommen. Ich erwarte von einem Mercedes auch mehr Qualität, als von einem preiswerten Hersteller.
Demnach setzen Sie auch für die Zukunft auf Deutschland?
Ja. Ich sehe sogar gute Chancen, dass Deutschland wieder nach vorne kommt. Wir haben in den letzten Jahren vieles verschlafen und wir müssen jetzt an Tempo zulegen. Die Bürger wollen Veränderungen und akzeptieren Reformen. Jetzt brauchen wir einfach wieder mehr Menschlichkeit und Miteinander, dann werden wir auf positive Entwicklungen nicht mehr lange warten müssen.