www.innovativ-in.de - Freitag, 03. September 2010


Angst vor einer Rede oder Präsentation?
Reden lernen bei den Toastmasters

Von Wolfgang Horbach

Sie kennen das? Sie sollen vor einer Gruppe von Menschen eine kleine Rede halten. Und Ihnen graust davor. Sie haben professionelles Reden weder in der Schule noch in Ihrer Ausbildung gelernt. Irgendwie mogeln Sie sich durch. Dabei gibt es eine wunderbare Möglichkeit, reden zu lernen: Toastmasters.

"Treten Sie den Toastmasters bei!"

Bei mir begann es nach einer Veranstaltung, bei der ich mich gar nicht so wohl gefühlt hatte. Wir sollten uns in einer Gruppe von ca. 20 Menschen mit unserem Tätigkeitsgebiet vorstellen. Ich hatte damit zunächst kein Problem, merkte aber anschließend, dass meine Vorstellung alles andere als gut war. Da erinnerte ich mich daran, dass ich vor längerer Zeit in einem Buch des amerikanischen Management-Gurus Tom Peters die Empfehlung gelesen hatte: „Treten Sie Toastmasters bei.“

Dank Google fand ich im Internet direkt, was ich suchte: Es gab in Köln sogar zwei Toastmasters Clubs. Eine kurze E-Mail und schon hatte ich am nächsten Tag eine Einladung zu dem nächsten Clubabend der „Cologne Toastmasters“.

Vision und Mission von Toastmasters

Die Wurzeln von Toastmasters liegen mehr als 80 Jahre zurück. Das Ganze begann in Amerika. Heute ist es eine weltweit tätige Organisation mit mehr als 10.500 Clubs und ca. 211.000 Mitgliedern.

Die Vision von Toastmasters ist es, Menschen zu befähigen, ihr volles Potenzial zu erlangen und ihre Träume zu realisieren. Sie arbeiten unablässig an der Mission, effektive mündliche Kommunikation eine weltweite Realität werden zu lassen.

Selbstvertrauen und persönliches Wachstum

Die Aufgabe eines Clubs ist es, ein positives Lernumfeld zu schaffen, in dem jedes einzelne Mitglied die Möglichkeit hat, seine Kommunikations- und Führungsfähigkeiten (leadership) zu entwickeln. Das Ziel ist die Förderung von Selbstvertrauen und persönlichem Wachstum.

Die Beiträge sind relativ bescheiden. Mit 5 EUR im Monat ist man dabei.

Herzlicher Empfang

Mein erster Besuch einer Toastmaster-Veranstaltung verblüffte mich in zweierlei Hinsicht: Erstens fand ich eine sehr angenehme Atmosphäre vor. Ich wurde herzlich empfangen und am Schluss um Feedback gebeten. Zweitens wurde ein ziemlich straffes Programm mit genau vorgegebenen Tagesordnungspunkten und Stoppuhr durchgezogen.

Später habe ich erfahren, dass Gäste zu den Toastmasterveranstaltungen immer willkommen sind.

Die erste Veranstaltung hat mich so überzeugt, dass ich spontan beschlossen habe, Mitglied zu werden.

Manuals und Redeprojekte

Jedes neue Mitglied bekommt ein Handbuch mit zehn Redeprojekten (Communication and Leadership Program). Da die Toastmasters Bewegung aus Amerika kommt, ist das Handbuch (noch) in Englisch. Zurzeit wird an deutschen Übersetzungen gearbeitet. Ziel ist es, dass das Mitglied im Laufe der Zeit zehn kurze Reden hält. Jedes Redeprojekt hat einen Schwerpunkt. Das erste Redeprojekt steht unter dem Motto „Icebreaker“. Es geht dabei darum, das Eis zu brechen, einfach die erste kleine öffentliche Rede vor den anderen Clubmitgliedern zu halten. Von Redeprojekt zu Redeprojekt lernt das Mitglied immer mehr Einzelheiten und Feinheiten kennen: Aufbau einer Rede, Körpersprache, visuelle Hilfsmittel, Umgang mit dem Publikum usw. Wenn jemand die zehn Redeprojekte vollendet hat, kann er seine Fähigkeiten durch weitere „Advanced Manuals“ ausbauen.

Ein typischer Clubabend

Ein typischer Clubabend sieht so aus: Ein Club-Mitglied leitet durch den Abend: „Toastmaster of the Evening“ (TOE). Der TOE begrüßt die Gäste, verteilt die anderen Rollen und achtet auf einen zügigen Ablauf. Er stellt die Redner vor, begrüßt und verabschiedet sie freundlich per Handschlag. Ein „Füllwortzähler“ achtet darauf, wie viele „äh’s“ und „em’s“ die einzelnen Mitglieder im Laufe des Abends verwenden. Ziel ist es, diese möglichst zu vermeiden. Der „Timer“ achtet auf peinlich genaue Einhaltung der Redezeit, dazu gleich mehr.

Der erste Block wird von den Rednern gestaltet, die ein Redeprojekt aus dem Handbuch vorbereitet haben. Jedes Redeprojekt hat einen vorgegebenen Zeitrahmen. Typisch sind 5 bis 7 Minuten. Der Timer signalisiert bei Erreichen der 5 Minuten dem Redner eine grüne Karte, welche bedeutet: Du hast die minimale Redezeit erreicht. Nach 6 Minuten erscheint eine gelbe Karte: du hast die mittlere Redezeit erreicht. Nach 7 Minuten erscheint die rote Karte: du hast die maximale Redezeit erreicht. Dann hat der Redner noch maximal 30 Sekunden, bevor die schwarze Karte erscheint. Sie bedeutet, dass die Rede nicht für die Auswahl der besten Rede – dazu gleich mehr – gewertet wird. Das ganze Zeitstoppverfahren soll den Redner dazu anleiten, eine Rede diszipliniert vorzubereiten und möglichst im Zeitrahmen zu bleiben.

Nach der Rede haben alle Mitglieder für eine Minute die Möglichkeit, dem Redner auf kleinen vorbereiteten Zetteln ein Feedback zu seiner Rede zu geben. Der Redner bekommt so eine einige Hinweise, was er schon richtig macht und worin sein Verbesserungspotenzial liegt.

Typischerweise werden an einem Abend vier vorbereitete Reden gehalten. Alle Redner, die im vorgegebenen Zeitrahmen geblieben sind, stehen für die Wahl der besten vorbereiteten Rede zur Verfügung. Alle Clubmitglieder geben ein kleines Zettelchen an den „Wahlhelfer“ ab, mit dem sie für den besten Redner votieren. Der Wahlhelfer zählt die Voten aus und bereitet für den TOE das Ergebnis vor.

Besonders viel Spaß macht das Halten von Stehgreifreden. Ein „Stehgreifreden-Moderator“ denkt sich ein Thema aus und bittet spontan hintereinander vier bis fünf Mitglieder zu einem bestimmten Aspekt des Themas eine Rede aus dem Stehgreif zu halten. Diese soll jeweils eine bis zwei Minuten dauern. Es gibt max. 30 Sekunden Bedenkzeit, bevor die Rede beginnen soll.

Ähnlich wie bei den vorbereiteten Reden, überwacht der Timer die Redezeit. Analog gibt es die Wahl des besten Stehgreifredners.

Bewertungen und Belohnungen

Nach einer Pause geht es dann in den zweiten (kürzeren) Teil des Abends: der Bewertung der Reden. Jede vorbereitete Rede wird von einem vorher bestimmten Bewerter unter zwei Aspekten beleuchtet: Erstens: Was war gut an der Rede und zweitens: Was kann der Redner beim nächsten Mal verbessern. Die Bewertung selbst ist wieder eine kleine Rede mit vorgegebenem Zeitrahmen von zwei bis drei Minuten. Alle Bewerter, die im im vorgegebenen Zeitrahmen lagen, nehmen an der Wahl zum besten Bewerter des Abends teil.

Nach den Bewertungen gibt es die Preise (Awards). Der TOE bittet nacheinander den besten Redner einer vorbereiteten Rede, den besten Stehgreifredner und den besten Bewerter auf die Bühne und überreicht den Preis in Form einer kleinen Urkunde. Es wird also alles getan, um den Redner zu motivieren, weiter voranzuschreiten.

Dank der äußersten Disziplin dauert die ganze Veranstaltung nur ca. 2 Stunden und läuft nie aus dem Ruder.

Geschütze Lernumgebung und permanentes Training

Die Atmosphäre im Club ist warmherzig. Alle duzen sich. Das schafft direkt Vertrauen und macht den Umgang miteinander sehr einfach. In den vielen kleinen Rollen lernt jedes Mitglied die Organisation und Führung einer effektiven Veranstaltung.

Die Lernumgebung ist geschützt. Zwar ist jedes Redeprojekt eine kleine Herausforderung, jedoch kann nichts schief gehen. Die anderen Clubmitglieder sind alle wohlwollend und nie gibt es beißende Kritik, sondern nur Lob für bereits Richtiges und Vorschläge für das, was verbessert werden kann. So kann sich jedes Clubmitglied entsprechend den eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten weiterentwickeln. Nach selbstbestimmtem Tempo.

Da jede kleine Rede, Bewertung etc. immer mit freundlicher Begrüßung per Handschlag und Applaus begleitet wird, gewöhnt sich der Redner an die Umgebung und lernt selbst andere positiv zu unterstützen.

Um die Motivation immer hoch zu halten und auch fortgeschrittene Mitglieder herauszufordern, gibt es zweimal im Jahr Redewettbewerbe (Speech Contests). Die Gewinner innerhalb der Club treten dann auf der jeweils nächst höheren Organisationsstufe, der Area (mehrere Clubs in der Nähe), der Division (mehrere räumlich verbundene Areas), dem District (mehrere verbundene Divisions) oder gar weltweit gegeneinander an. Nie verbissen, sondern immer freundschaftlich, gegenseitigem Wohlwollen und mit viel Humor begleitet.

Als Fazit kann ich mich nur Tom Peters anschließen: „Treten Sie Toastmasters bei“.
Übrigens: Tom Peters ist ursprüngliches Toastmasters Mitglied und bekommt heute für einen Vortrag mindestens 50.000 Dollar.

Weitere Bizztipps finden Sie » hier




www.toastmasters.org

Clubs in Düsseldorf und Köln:

Düsseldorf:
www.duesseldorfer- toastmasters.de

Köln:
www.cologne-toastmasters.de
www.rheinredner.de

wolfgang@horbach.com


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