www.innovativ-in.de - Mittwoch, 17. März 2010
Ideenfabrik: Freizeit-ADAC
Von Antje Plöger
Jeder Mensch hat besondere Fähigkeiten. Dinge, die er besonders gut kann. Und jeder Mensch hat eine Vorstellung von seinem oder ihrem Traumjob.. Im Idealfall passt beides zusammen: Traumjob und Fähigkeiten. Ohnehin macht uns häufig das am meisten Spaß, was uns leicht fällt, weil wir es besonders gut können.
In der Wirklichkeit aber erlernen wir einen bestimmten Beruf, den wir dann ausüben, um uns Miete, Essen, Kleidung und… die Dinge leisten zu können, die wir gerne tun. Meist nennen wir sie Hobbys. Arbeit ist negativ, Freizeit positiv besetzt.
In dieser Wirklichkeit existieren zwei Gruppen von Menschen:
1. Berufstätige, die wenig Freizeit haben
Gerne würden sie ihr bisschen Freizeit in Dinge investieren, die das Leben schön und lebenswert machen: Träume verwirklichen, Hobbys nachgehen, Zeit mit Familie und Freunden verbringen, entspannen und regenerieren. Stattdessen erfordert die in allen Lebensbereichen steigende Komplexität, auch einen großen Teil der Freizeit für Tätigkeiten zu opfern, die keinen Spaß machen.
2. Arbeitslose haben dagegen mehr als genug Zeit
Oft leiden sie unter dem Gefühl, nicht gebraucht zu werden und für die Gesellschaft oder für ihre Familie nutzlos zu sein.
Ein riesiges Potenzial liegt brach!
Für mehr Lebensqualität sind Berufstätige daher gerne bereit, eine Menge Geld auszugeben. Aus diesem Grund werden alle Produkte und Dienstleistungen, die die Lebensqualität der Menschen erhöhen, erfolgreich sein.
Eine große Chance für die Arbeitslosen!
Der Freizeit-ADAC
Worum es geht.
Der Freizeit-ADAC umfasst alle Lebensbereiche, in denen wir Hilfe. benötigen. Hilfe in Form von Leistungen – und warum nicht auch Produkten – so dass wir mehr Zeit für unser „Kerngeschäft“ gewinnen: das Leben zu genießen!
Zu diesen Leistungen könnten gehören:
Hilfe mit Computer und Telefon
Privaten Papierkram erledigen
Handwerkerdienste
Hilfe in Haushalt und Garten
Kfz-Management
Freizeitgestaltung organisieren
Lebenshilfe
Karriere-Coaching
Vermögens- und Rechtsberatung
Hilfe bei Wohnungswechsel
Telefonische Soforthilfe
Arbeitslose, Studenten, Schüler, Hausfrauen und Rentner können vermutlich die meisten dieser Aufgabenbereiche mit ihren Fähigkeiten abdecken. Um das große, brach liegende Potenzial zu heben müssen wir es identifizieren und denen zur Verfügung stellen, die es benötigen.
Fähigkeiten und Leistungen
In einem Zweiergespräch wird herausgearbeitet, was jede(r) potenzielle Mitarbeiter(in) des Freizeit-ADAC besonders gerne tun möchte und ob er/sie auch die entsprechenden Fähigkeiten dazu mitbringt. Anhand eines strukturierten Fragebogens wird dabei gemeinsam ein persönliches Leistungsprofil erarbeitet. Der Fragebogen könnte folgende Fragen enthalten:
Darüber hinaus könnte man aus der Liste der Dienstleistungen, die ich oben aufgezählt habe, einen detaillierten Katalog mit Einzeltätigkeiten erarbeiten, in dem die Kandidaten ankreuzen können, was sie alles davon zu leisten bereit und in der Lage sind. Auch wenn nicht alle Tätigkeiten den Träumen der Kandidaten entsprechen, sind vielleicht einige dabei, die ihnen Spaß machen würden und auf die sie von selbst nicht gekommen wären. Oder vielleicht inspiriert sie der Katalog zu weiteren Ideen, die sie ergänzen können.
Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, welche wären das?
Gibt es einen Traum oder ein Projekt, das Sie in Ihrem Leben verwirklichen möchten?
Die so erfassten Leistungsprofile werden in einer Datenbank erfasst ebenso wie die verfügbaren Einsatzzeiten, die gebuchten Arbeitszeiten, Urlaube, Krankheiten und sonstigen Abwesenheiten, so dass jederzeit abrufbar ist, wer wann welche Leistung erbringen kann.
Traumprojekte
Über den beschriebenen Leistungskatalog hinaus haben die Mitarbeiter die Möglichkeit, ihr Traumprojekt auszuarbeiten und dem breiten Publikum der Kunden und anderen Mitarbeiter vorzustellen. Wenn sich genügend Interessenten finden, wird das Projekt verwirklicht.
Beispiel: der arbeitslose Tischler Martin wollte schon immer einen Zeppelin bauen und damit nach Teneriffa fliegen. Findet er genügend Begeisterte, die mitmachen und bereit sind, das Projekt auch finanziell mitzutragen, steht der Realisierung nichts mehr im Wege. Es können auch kleinere Projekte sein wie: Mit Kindern ein Puppentheater bauen und ein Stück einstudieren, einen Gartenteich anlegen, eine biologische Forschungsreise unternehmen etc.
Finanzierung und Kundengewinnung
Die Zielgruppe des Freizeit-ADAC ist die Gesamtheit aller Berufstätigen und sonstigen Personen im geografischen Einzugsgebiet des Services. Diese können sich als Mitglieder registrieren und zahlen einen bestimmten monatlichen oder jährlichen Pauschalbetrag, für den sie ein festgelegtes Kontingent an Leistungen ohne weitere Kosten in Anspruch nehmen dürfen. Am Ende des Jahres gibt es eine Gesamtabrechnung und je nach Nutzungsverhalten kann der Pauschalbetrag für das nächste Jahr angehoben oder gesenkt werden, vergleichbar mit den Nebenkosten beim Mietvertrag. Es gibt allerdings einen Mindestbeitrag, der Beratungen und Verwaltungskosten abdeckt. Dieser wird nicht zurückerstattet, auch wenn der Service gar nicht genutzt wurde. Leistungen können auch von Nicht-Mitgliedern nachgefragt werden, in diesem Fall sind die Einzelpreise aber höher als für Mitglieder, da der Mindestbetrag in die Einzelleistung eingepreist wird.
Es gibt feste und freie Mitarbeiter, die die Leistungen erbringen. Die Arbeitszeitgestaltung ist flexibel – von Voll- über Teilzeit bis hin zu einmaligen Einsätzen. Es ist zu prüfen, welche Modelle und Förderprogramme es für den Einsatz von Arbeitslosen für dieses Projekt geben kann, mit der Aussicht auf Festanstellung. Auch Freiberufler, Studenten, Hausfrauen, Mütter, Rentner und andere Menschen können das Projekt nutzen und ihre Arbeitszeit zur Verfügung stellen.
Die Mitarbeiter, die die einzelne Leistung erbracht haben, erhalten einen bestimmten Prozentsatz des Leistungsentgeltes direkt ausbezahlt. So besteht ein direkter Leistungsanreiz, da Mitarbeiter auch namentlich angefordert werden und sich so allmählich einen festen Kundenstamm aufbauen können. Der Rest fließt in einen zentralen Topf, aus dem die Grundgehälter sowie alle sonstigen Kosten (Betriebs- und Gemeinkosten) bezahlt werden.
Kunden werden über vielfältige Kommunikationskanäle geworben. Den größten Erfolg verspricht in der Regel ein persönliches Gespräch, in dem das Geschäftsmodell erklärt wird.
Bei öffentlichen Veranstaltungen wie Straßenfesten könnte man auf einem Infostand vertreten sein oder in öffentlichen Ämtern, Goethe-Institut, Sprachschulen, VHS etc. über Infowände über das Pojekt informieren.
Die erste Nutzung des Freizeit-ADAC ist kostenlos. Hier wird auch von den Mitarbeitern die Bereitschaft zu einem gewissen Investment erwartet. Es muss gelingen, einen Neukunden beim ersten Einsatz zu überzeugen oder besser: zu begeistern, so dass er/sie bereit ist, den Service dauerhaft in Anspruch zu nehmen. Es darf kein Silodenken geben nach dem Motto: „Dafür bin ich nicht zuständig“. Wir helfen IMMER – und sei es durch einen guten Rat und durch Vermitteln eines Drittanbieters.
Agent-Modell
Eventuell können nicht alle Leistungen von den Mitarbeitern des Freizeit-ADAC erbracht werden. In diesem Fall besteht die Leistung in der Vermittlung von Drittanbietern gegen Provision – wobei diese bestimmte Qualitätskriterien erfüllen und uns idealerweise besondere Konditionen und Rabatte gewähren sollten, die wir an die Kunden weitergeben. Wir helfen den Kunden, den für ihre individuelle Situation den besten Anbieter herauszufinden.
Da konkrete Empfehlungen aus rechtlichen Gründen nicht immer möglich sind, kann die Hilfe auch darin bestehen, auf Organisationen und Internetportale aufmerksam zu machen, die autorisiert sind, zu beraten und Empfehlungen auszusprechen.
Auch Testberichte oder Verbraucherbewertungen (vielleicht der Mitglieder des Freizeit-ADAC) können weiterhelfen. Zum Beispiel könnten unsere Kunden die Drittanbieter, die wir vermitteln, bewerten. Dieses Anbieter-Ranking stellen wir den Kunden über unsere Webseite und auf Anfrage zur Verfügung.
Über diese Webseite könnte man auch regionale gelbe Seiten aufbauen oder aber eine Kooperation mit einem Anbieter eingehen, der bereits ein Online-Branchenbuch betreibt. Dadurch könnte man das eigene Leistungsportfolio dort abdecken, wo Leistungen nicht durch eigene Mitarbeiter erbracht werden können. Gleichzeitig bietet man insbesondere kleinen Unternehmen und Selbständigen damit eine Plattform, über die sie sich und Ihr Angebot präsentieren und neue Kunden gewinnen können.
Auch andere Portale, Kontaktbörsen, Netzwerke etc. können angeschlossen werden, z.B. ein regionaler Veranstaltungskalender, der mit eigenen und Partnerevents – eventuell nach Themen geordnet – bestückt wird. Ein gutes Beispiel bietet hier OpenBC, das die nächsten Termine in der Region anzeigt und Foren zu bestimmten Themen anbietet.
Qualitätssicherung
Außerdem gibt es ein Qualitätssicherungssystem, das sicherstellt, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vertrauenswürdig sind und gute Arbeit abliefern. Nach einem Arbeitseinsatz wird der Kunde telefonisch oder per Fragebogen um Feedback gebeten:
Gute Leistung wird durch Qualitätspunkte und -Level und evtl. weitere Anreize belohnt, Trinkgeld darf behalten werden. Probleme bei Einsätzen werden umgehend mit den Beteiligten besprochen und gemeinsam gelöst. Dem Kunden dürfen keine Nachteile entstehen, bei Unzufriedenheit gibt eine Geld-zurück-Garantie.
Kritik von Kunden wird genauestens erfasst und in Verbesserungen des Service umgesetzt. Jede Kritik wird ernst genommen, niemand wird belehrt oder „erzogen“.
Die Mitarbeiter werden geschult, alles zu registrieren, was den Kunden glücklich macht. Wann hat er Geburtstag? Was isst er besonders gerne? Worüber ärgert er sich besonders?
All dies sind Ansatzpunkte, weitere Hilfe anzubieten. Denn was könnte den Kunden glücklicher machen, als dass wir seine Wünsche vorausahnen und proaktiv Lösungen für seine Probleme anbieten? Immer ein bisschen mehr leisten, als was er bestellt hat? Für den Wohlfühlfaktor sorgen? Eine kleine Aufmerksamkeit, ein Extrageschenk überreichen? Dass wir ihn an den Hochzeitstag seiner Frau erinnern und daran, dass sie besonders gerne belgische Pralinen mag, die es nur in einem bestimmten Geschäft gibt… und die wir natürlich schon besorgt haben? Dass wir ihn darauf aufmerksam machen, dass bestimmte Fristen auslaufen, die für ihn wichtig sind? Dass irgendwo eine Veranstaltung stattfindet, zu der besonders viele seiner potenziellen Kunden hingehen?
Diese Service-Mentalität ist ein zentraler Bestandteil des Konzeptes. Von den Mitarbeitern wird die Bereitschaft vorausgesetzt, sich diese Mentalität anzueignen, es finden entsprechende Gespräche, Workshops und Trainings statt. Für die Mitarbeiter stellt dies eine zusätzliche Qualifikation dar, die Ihnen auf dem Arbeitsmarkt Vorteile verschafft und – gerade im Fall von Langzeitarbeitslosen – entscheidend zur Resozialisierung beitragen kann.
Die Zusammenarbeit mit Arbeitsvermittlern, insbesondere der Bundesagentur für Arbeit, sowie Fördermöglichkeiten und -Programme sind in jedem Fall zu prüfen.
Die Autorin:

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