www.innovativ-in.de - Freitag, 03. September 2010


Kirstin Walther, Geschäftsführerin der Firma Walther GmbH & Co. KG
















Ein Interview von Elita Wiegand


Sie gehören immer noch zu den wenigen Firmen in Deutschland, die über ein Weblog offen im Internet kommunizieren. Was treibt Sie an?

Für uns ist der Dialog enorm wichtig. Wir nehmen die Kunden mit ihren Bedürfnissen und Wünschen ernst. So haben wir immer schon die Mails unserer Kunden innerhalb von 24 Stunden beantwortet. Einige sind sicherlich überrascht, dass sie die Antwort von der Geschäftsführerin persönlich erhalten, aber ich will wissen, was wir verbessern können, will Fragen zu unseren Produkten beantworten und einfach für die Kunden erreichar sein.








Aber ein Corporate Weblog ist eine andere Art der Kommunikation. Jeder kann lesen, was Sie schreiben und Ihre Einträge kommentieren und auch Kritik üben. Wie gehen Sie damit um?

Ein Weblog ist ein eben kein buntes Werbeprospekt, in der sich eine Firma perfekt darstellt. Wir erzählen im Blog über Neuigkeiten im Unternehmen wie zum Beispiel über unser Aronia Weblog.



Oder wir veröffentlichen auch interne Neuigkeiten. So haben wir unserer Mitarbeiterin Katja zu der Geburt ihrer Tochter Layla gratuliert und veröffentlichen dazu ein Foto.

Wir nehmen auch Stellung zu politischen Themen, die Mittelständler betreffen und haben dazu extra die Rubrik „Bürokratie“ eingerichtet. Natürlich gab es auch bei uns verschiedenen Meinungen zum Thema Weblog: Unser Geschäftsführer Jörg Holzmüller hat Wirtschaft und Marketing studiert. Für ihn galten die klassischen Marketingregeln, nach denen sich ein Unternehmen nach außen von seiner besten Seite zeigen muss.

Das klassische Marketing ist im Vergleich zu Weblogs „Old Business“. Wie hat Ihr Geschäftspartner Jörg Holzmüller auf Ihre ersten Einträge reagiert?

Wir hatten damals ein bisschen Stress. Ich will die unterschiedlichen Auffassungen an einem Beispiel demonstrieren: Unsere Saftboxenschachteln rutschten beim Transport immer hin und her und gingen kaputt. Ich hatte damals offen im Blog darüber geschrieben, hatte sogar ein Foto von einem völlig zerstörten Karton veröffentlicht und damit verdeutlicht, dass wir unsere Schachteln verkleinern müssen. Sie können sich sicherlich vorstellen, welche Reaktion dieser Beitrag ausgelöst hat. Jörg Holzmüller war entsetzt und sagte: „Jeder der das jetzt im Blog sieht, assoziiert Walthers nur noch mit den kaputten Saftboxen. Der Beitrag muss entfernt werden.“ Inzwischen haben wir die Erfahrung gemacht, dass es wichtig ist authentisch zu sein. Wir schreiben das, was wirklich in unserem Unternehmen passiert und das kommt an und deshalb ist unsere Blog vermutlich auch so erfolgreich.

Wie haben Sie Ihre Mitarbeiter auf das Weblog vorbereitet?

Zunächst haben Jörg Holzmüller und ich alleine geschrieben. Nach einer Zeit, haben wir aber auch unseren Mitarbeitern einen Zugang verschafft. Inzwischen haben sich vier Mitarbeiter mit dem Weblog angefreundet und schreiben auch, andere haben einfach Berührungsängste, weil sie den Schritt in die Öffentlichkeit scheuen.

Einige scheuen die Öffentlichkeit, andere die Arbeit. Wie hoch ist der Zeitaufwand?

Am Anfang haben wir nur sporadisch Einträge verfasst, aber inzwischen schreiben wir regelmäßig. Der Arbeitsaufwand beträgt ein bis zwei Stunden pro Tag. Wenn wir etwas Interessantes sehen oder hören, zücken wir immer direkt die Kamera, um auch den Text zu bebildern. Na ja, und man beschäftigt sich natürlich auch tagsüber immer wieder mit der Frage, ob die oder die Geschichte für das Blog taugt. Auf der anderen Seite sparen wir mit dem Blog aber auch Zeit. Viele Anfragen, wie wir per Mail erhalten, beantworten wir jetzt für alle sichtbar.

Auf Ihrer Website hatten Sie früher durchschnittlich 50 bis 70 Besucher. Jetzt besuchen jeden Tag 500 bis 1000 Ihr Blog und Sie erhalten sogar Feedback aus Amerika. Wie erklären Sie sich das Interesse?

Da müssen Sie die Besucher fragen, ich kann nur Vermutungen anstellen: Wir kommunizieren ehrlich, schreiben auch mal über komische Dinge und wechseln die Themen. Wir haben aber auch sicherlich das große Glück, dass viele Blogger über uns berichten und Links setzen.
Jochen Krisch schrieb jetzt in seinem Blog ecommerce, dass sich unser Saftblog zu dem deutschen „Vorzeige-Blog“ entwickelt. Das haut uns um!

Nicht nur in der Blogsphäre sind Sie bekannt, sondern auch die Medien berichten über Walthers Saftblog...

Wir sind darüber selbst überrascht. Wir sind eine ganz kleine Firma und bis vor kurzem kannte uns kaum einer in der Region. Wir sind fast vom Stuhl gefallen, als wir jetzt in dem Zeit Artikel "Digitale Mundpropaganda“ standen. Zudem ist ein Bericht in Horizont erschienen und wir stehen oft in der Sächsischen Zeitung.


Über unser bestes Produkt, den Aronia-Saft haben „Fit for Fun“ und „Women“ berichtet. Und dann wurden wir auch noch mit dem Unternehmerpreis "Innovativer Mittelstand" ausgezeichnet - einfach bombastisch!



Sie haben Ihren Bekanntheitsgrad durch das Weblog enorm gesteigert. Wie reagieren Ihre Kunden?

Unsere Kunden sind begeistert und sprechen uns immer wieder auf das Blog an. Neulich fragte mich zum Beispiel eine Kundin, ob ich einen schönen Urlaub verbracht hätte. Ich stutzte zunächst und war total überrascht, woher sie wusste, dass ich weg war. Klar, ich hatte darüber berichtet. Bis kurzem haben wir unsere Säfte rund um die Dörfer verkauft - inzwischen sind wir bundesweit bekannt.















Wir haben viele neue Kunden wie zum Beispiel "Karstadt" und "Jacques Weindepot "gewonnen und haben unseren Umsatz immens gesteigert. Über die Resonanz freuen wir uns riesig und haben gleich einen neuen Internet Shop eingerichtet.


Wenn Bloggern etwas nicht gefällt, sind sie manchmal gnadenlos in ihren Kommentaren. Wie gehen Sie mit Kritik im Blog um?

Natürlich ist es nicht so einfach mit Kritik umzugehen. Das ist sicherlich auch der Grund, warum viele Unternehmen Blogs fürchten. Ein Beispiel aus unserem Weblog: Bei uns war Daniel beschäftigt, der nach seiner Ausbildung zur Armee musste. Ich habe das sehr bedauert und wollte mich auch im Blog von ihm liebevoll verabschieden. Es gab aber nur dieses eine Foto von ihm.



Das zeigte unseren Auszubildenen Daniel nach der Arbeit, als er zusammen mit einem anderen Mitarbeiter auf einem Riesenberg Äpfel saß - und das mit Schuhen!




Wir erhielten einen bitterbösen Kommentar von einem Besucher, der sich darüber beschwerte. Stein des Anstoßes waren natürlich die Schuhe. Trotz aller Bedenken haben wir den Kommentar nicht entfernt, sondern die Erfahrung gemacht, dass andere Leser eingriffen und sich auf die Seite von uns schlugen. Ich selbst habe mich auch noch einmal detailliert zu unseren Produktionsabläufen geäußert. Heute sind wir der Meinung, dass uns Kritik hilft, damit wir aus Fehlern können. Die Kunden haben oft bessere Ideen und wir profitieren enorm von dem Austausch - diese Form des Dialogs ist unbezahlbar.

Nun packen Sie in Ihren Blog auch heiße Eisen an und haben die größte Resonanz auf ein kommunalpolitisches Thema erhalten...

Wir haben auch einen Beitrag zu dem Verkauf der Dresdner Wohnungsbaugesellschaft Woba veröffentlicht. Es gab sehr viel Kritik an dem Verkauf. Der Dresdner OB Ingolf Roßberg hat dann bei uns im Blog reagiert und darauf haben wir bislang die größte Resonanz erhalten. Die Form von Dialog macht einfach Spaß und es ist menschlich schön, dass man offen miteinander umgeht.

Nun sind sicher einige mittelständische Unternehmen neugierig geworden. Was raten Sie Firmen, die Ihrem positiven Weblog Beispiel folgen wollen?

Unternehmer, die ein Corporate Blog einrichten wollen, müssen Freude daran haben mit ihren Kunden zu kommunizieren. Das ist die wichtigste Vorraussetzung. Kunden sind heute kritischer, hinterfragen und wollen mit ihren Meinungen gehört und mit ihren Wünschen ernst genommen werden. Damit werden Unternehmen transparenter und müssen sich auch der Kritik ihrer Kunden stellen. Im Dialog haben die Frmen eine große Chance besser zu werden und deshalb kann ich nur jedem raten zu bloggen, allerdings muss man die Zeit und die Lust am Schreiben mitbringen.

Die Kelterei Walther ist Partner des Business-Clubs innovativ.in
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Kelterei Walther GmbH & Co. KG
Am Gewerbegebiet 2
01477 Arnsdorf bei Dresden

Fon: 035200-2 44 24
Fax: 035200-2 36 54

eMail: info@walthers.de

Weblog: www.saftblog.de

Homepage: www.walthers.de





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Artikel in der Zeit: "Digitale Mundpropaganda"
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Ideengeber zu Wathers Weblog: Martin Röll
www.roell.net/weblog/


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