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22.12.2010  09:56 Uhr

Marli Hoppe-Ritter, Ritter Sport
Unternehmenskultur mit Werten

Die Schokolade ist quadratisch, praktisch, gut. Ob Nougat, Nuss, Mandel, Marzipan oder Joghurt - Ritter Sport glänzt mit vielen Schokoladenseiten. Das Familienunternehmen gilt vor allem als Top-Arbeitgeber im Mittelstand.

Das Familienunternehmen Ritter gehört zu den 100 besten Arbeitgebern im Mittelstand. Was macht Ihre besondere Unternehmenskultur aus?

Marli Hoppe-Ritter: Unsere Unternehmenskultur basiert auf Werten. Dazu gehören Offenheit und Vertrauen, Sympathie und Fairness, Feedbackkultur und Verlässlichkeit. Das Besondere ist, dass es bei der Firma Ritter keine betriebsbedingten Kündigungen gibt und wir die unteren Lohngruppen abgeschafft haben. Unsere Einstiegslöhne sind höher, als es der Tarifvertrag vorschreibt. Außerdem haben wir vor vielen Jahren besondere Arbeitszeitregelungen für Frauen und natürlich auch für Männer eingeführt, die ihre Elternzeit in Anspruch nehmen wollen. Wir erleichtern Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern den Wiedereintritt in unser Unternehmen, indem wir Möglichkeiten zu einer Teilzeitbeschäftigung oder zur Weiterbildung auch während der Elternzeit vorsehen. Auch der Sport gehört als fester Bestandteil dazu. Unser Gesundheits-Management umfasst Ernährungsberatungen, Anti-Raucher-Kurse und Sportangebote wie Fußball, Volleyball bis hin zu Mountainbiking und Badminton.

Sie sprechen von einer Feedbackkultur. Was genau verbirgt sich dahinter?

Marli Hoppe-Ritter: Unsere Feedbackkultur betrachten wir als Stimmungsbarometer im Unternehmen. Wir befragen die Mitarbeiter zweimal im Jahr zu Themen wie sie das Betriebsklima bewerten, wie die Organisation klappt, wie sich die Zusammenarbeit mit den Kollegen gestaltet, ob sie genügend Anerkennung für ihre Leistungen erfahren oder ob sie mit ihrer Arbeit zufrieden sind. Die Beschäftigen dürfen sich auch zu ihren Vorgesetzen äußern. Wenn sich jemand beispielsweise benachteiligt fühlt, kann der Mitarbeiter auch anonymisiert Beschwerden aller Art vorbringen. Die Ergebnisse werden in Form einer Ampelschaltung ausgewertet. Grün bedeutet natürlich, dass alles in Ordnung ist. Bei Gelb oder schlimmstenfalls Rot wird gemeinsam über Verbesserungen nachgedacht.

Die Firma Ritter zeichnet sich auch dadurch aus, dass Sie die Beschäftigten am Erfolg beteiligen. Nach welchem Modell verfahren Sie?

Marli Hoppe-Ritter: Es sieht praktisch so aus, dass die Mitarbeiter am Betriebsergebnis beteiligt sind. Zu Jahresbeginn legen wir bestimmte Ziele fest, wenn diese erreicht werden, wird ein zusätzliches Monatsgehalt ausgezahlt. Über den aktuellen Stand der Erfolgsbeteiligung informieren wir die Mitarbeiter über einen Aushang und jeder erhält wöchentlich aktuelle Mitteilungen über die Geschäftsentwicklung.

Die offene Kommunikation, Vertrauen und Transparenz sind etwas Besonderes und sind vermutlich nicht von heute auf morgen entstanden. Woher kommt Ihre soziale Einstellung?

Marli Hoppe-Ritter: Die Firma Ritter ist ein Familienunternehmen in dritter Generation. Mein Bruder ist seit drei Jahren Vorstand der Geschäftsführung bei Ritter Sport. Wir beide sind seit über 30 Jahren im Beirat. Durch unseren Vater haben wir gelernt, dass man für die Mitarbeiter sorgt und auch für das unmittelbare gesellschaftliche Umfeld, in dem man lebt. Diese Werte sind für uns selbstverständlich und wir geben sie weiter.

Vor 20 Jahren haben Sie mit dem Entwicklungsprojekt Cacaonica in dem nicaraguanischen Dorf Waslala begonnen. Was war Ihr Anstoß?

Marli Hoppe-Ritter: Wir haben damals den näheren Kontakt zu Kakaobauern gesucht und über den Deutschen Hans W. Grebe, der in Nicaragua lebt, ist eine Zusammenarbeit entstanden. In den ersten Jahren haben wir mehr als drei Millionen Euro in diese Region investiert, um die Kleinbauer für den biologischen Kakaoanbau auszubilden und ihnen Pflanzen, Werkzeuge und Ausrüstung zur Verfügung zu stellen. Für die Kooperative wurden von uns außerdem LKWs und verschiedene kleinere Fahrzeuge angeschafft. Im letzten Jahr hat die Firma Ritter eine eigene Trocknungs- und Lagerhalle für Kakao gebaut.
Unser Ziel ist nach wie vor, größere Mengen Bio-Kakao zu kaufen. Inzwischen produzieren etwa 700 Bauern in Zusammenarbeit mit der Kooperative von Waslala. Wir unterstützen damit die Kleinbauern, denn als Schokoladenhersteller sehen wir uns verpflichtet, etwas für die Menschen zu tun, die in den Ursprungsländern den Rohstoff für uns anbauen. Es besteht auch ein Firmeninteresse, dass wir diese besonderen Kakaosorten, die es dort gibt, für unsere Produkte verwenden können.

Mit dem Kakao aus Nicaragua produziert Ritter Bio-Schokolade. Wie wird das Produkt von den Verbrauchern angenommen?

Marli Hoppe-Ritter: Die Bio-Schokolade ist seit April letzen Jahres auf dem Markt. Wir bringen jetzt noch eine neue Sorte mit Macadamia-Nüssen heraus. Inzwischen sind wir mit dem kleinen Segment Bio-Schokolade Marktführer, allerdings sind die Mengen noch sehr gering und wir wissen eigentlich nicht genau, woran das liegt. Natürlich sind die Tafeln etwas teurerer als die Standardware. Ein weiterer Grund könnte sein, dass sie noch nicht genügend distribuiert ist, also in vielen Geschäften noch nicht verkauft werden. Vielleicht müssten wir gezielter für diese Produkte werben. Uns ist natürlich klar, dass der Schwerpunkt weiterhin bei unserer traditionellen Schokolade liegt, deren Qualität auch sehr gut ist.

Sie sprechen von Ihrer traditionellen Schokolade, mit der die meisten Ihren Slogan: „Quadratisch, praktisch, gut“ verbinden. Warum ist eigentlich die Ritter Schokolade quadratisch?

Marli Hoppe-Ritter: Die Idee stammt von meiner Großmutter Clara Ritter und die quadratische Schokolade ist seit 1932 auf dem Markt. Clara hat beobachtet, dass die Menschen zum Sport gehen und Schokolade außer Haus konsumieren. So entstand Ritter Sport, eine Tafel, die man in die Jackentasche stecken kann.

Ihr jüngstes Produkt die Bioschokolade steht für Nachhaltigkeit. Ethik und Werte nehmen einen immer höheren Stellenwert ein. Wie beurteilen Sie die Entwicklung für die Zukunft?

Marli Hoppe-Ritter: Ich hoffe sehr, dass sich der Trend fortsetzt und sich die Anzahl der Menschen, die sich für Werte einsetzen, wächst. Durch die Finanzkrise ist deutlich geworden, wohin es führt, wenn Ethik missachtet wird. Es muss eine Kehrtwende stattfinden. Manager einer Aktiengesellschaft oder eines Konzerns haben in der Regel nur eine kurze Zeit, in der sie ihren Erfolg beweisen müssen. Der Erfolg der meisten Konzerne wird in der Dividende gesehen. Diese Einstellung tut der Wirtschaft nicht gut. Familienunternehmen haben die Chance nachhaltig zu wirtschaften und zu ethischen Veränderungen beizutragen. Unsere Unternehmenskultur und damit der Erfolg von Ritter sind darauf zurückzuführen, dass wir ein Familienunternehmen sind und mein Bruder und ich die gleiche Meinung zum Thema Ethik haben.

Sie sind im Beirat der Firma Ritter und setzen sich für die Unternehmenskultur ein, aber inzwischen verbringen Sie mehr Zeit im MUSEUM RITTER. Sie haben die Idee für das Museum entwickelt. Wo sehen Sie Verbindung zwischen Kunst und Schokolade?

Marli Hoppe-Ritter: Neben Trumpf und Stollwerck sind wir die dritte Firma, die Kunst und Schokolade verbindet. Die Verbindung erkläre ich damit, dass Schokolade und Kunst ein Genuss für alle Sinne sind. Ich konzentriere mich bei der Sammlung auf das Thema Quadrat in der neueren und zeitgenössischen Kunst. So besteht ein direkter Zusammenhang zu Ritter Sport. Auf 700 qm Ausstellungsfläche zeigen wir Sammlungspräsentationen und Wechselausstellungen zur geometrisch-abstrakten Kunst. Das früheste Werk in meiner Sammlung ist von Kasimir Malewitsch aus dem Jahre 1915 - eine kleine Skizze zum schwarzen Quadrat.

Das MUSEUM RITTER wurde nach ökologischen Kriterien und im quadratischen Design erbaut., Copyright: Ritter
Das MUSEUM RITTER wurde nach ökologischen Kriterien und im quadratischen Design erbaut.


Und wie sieht die Schokoladenseite in Ihrem Museum aus?

Marli Hoppe-Ritter: Das Gebäude besteht aus zwei Teilen mit einer überdachten Passage: Auf der einen Seite der Passage befindet sich die Kunstausstellung. Auf der anderen Seite der SchokoLaden. Im Erdgeschoss gibt es den Shop und im Obergeschoss eine Ausstellung zum Thema Schokolade und zur Firmengeschichte. Außerdem haben wir eine Schokowerkstatt für Kinder, in der unsere kleinen Gäste ihre eigene Schokolade herstellen können. Seit der Eröffnung des MUSEUM RITTER im September 2005 haben über 220.000 Kunstinteressierte unsere Ausstellungen besucht. Dass das Museum so gut angenommen wird, freut mich persönlich ganz besonders, denn darin steckt mein Herzblut.


 

(Elita Wiegand)

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Fotokennzeichnung:
Bild Nr. 1 © Ritter Sport
Bild Nr. 2 © Ritter

 

 


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